Eveline Kaltenegger geht mit der Kamera auf Schwammerlpirsch auf den Rötzer Schwarzwihr

Schwammerlsuchen, das ist im Herbst eine der Lieblingsbeschäftigungen der Bayerwäldler – und natürlich auch der Rötzer. Wir machen uns an diesem regnerischen Oktoberwochenende ebenfalls auf den Weg in den Wald – aber nicht mit einem Korb, sondern mit der Kamera.
Der Spaziergang mit der Hillstetter Fotografin Eveline Kaltenegger beginnt am Fuß des Schwarzwihrbergs, beim Wanderparkplatz nahe des Oberpfälzer Handwerksmuseums. Eines vorweg: Die bekannten Speisepilzarten wachsen an diesem Tag nicht besonders gut, wahrscheinlich ist es ihnen zu kalt. Das macht aber nichts: Das Ergebnis unseres Spaziergangs soll nämlich keine Schwammerlbrühe ergeben, sondern eine Bildergalerie der schönsten Pilze, die neben Tieren und Pflanzen ihr eigenes Reich bilden.
Ausgerüstet sind wir mit einem Pilzführer und einer App, die sich aber bei großteils schlechtem Handyempfang als wenig nützlich erweist – und auf die man sich im Zweifelsfall ohnehin nicht verlassen sollte.
Viele Lieblingsmotive
Eveline Kaltenegger ist gebürtige Rosenheimerin. Sie lebt seit bald drei Jahren in Hillstett und betreibt in Neunburg vorm Wald ein Fotostudio. Ihre Leidenschaft gilt vor allem der Natur- und Outdoorfotografie, denn: „Die Natur malt das schönste Licht.“ Ihre Bilder sollen sollen transportieren, „wie schön unsere Natur ist, dass wir ohne sie nicht existieren können.“
Ohne ihre Hunde hätte sie diese Art des Fotografierens in der freien Natur vielleicht gar nicht entdeckt, hatte Eveline Kaltenegger erzählt, als sie damals gerade nach Hillstett gezogen war. Und auch heute ist Hündin Peach beim Spaziergang im Wald an unserer Seite. „Der Bayerische Wald bedeutet für mich Entschleunigung“, hat die Fotografin festgestellt. Lieblingsmotive findet sie in großer Zahl am und auf dem Schwarzwihrberg, entlang der Schwarzach und am Eixendorfer See.
Die ersten Schwammerl, die wir in direkter Nähe zur Schwarzach finden, sind Totholzpilze an einem bemoosten Ast, den sie schon stark zersetzt haben. Bei genauerer Betrachtung handelt es sich um einen Birkenporling, stellt Eveline Kaltenegger fest, der zersetzte Ast ist demnach eine kaum noch als solche erkennbare Birke. Als Speisepilz gilt der Birkenporling zwar nicht, aber in letzter Zeit gewinne er wieder mehr Bedeutung als Heilpilz, weiß die Fotografin, die Vegetarierin ist und bei sich zuhause einige gerettete Tiere aufgenommen hat.
Mit seiner leuchtenden Farbe besonders schön anzusehen ist der nächste Pilz, den wir finden. Allerdings ist er im wahrsten Sinne des Wortes das glatte Gegenteil eines Heilpilzes: Laut App ist es die weiße Variante des Gelben Knollenblätterpilzes. Wir rätseln, ob es sich nicht vielleicht auch um die weiße Variante des – noch giftigeren – Grünen Knollenblätterpilzes handeln könnte, einen der gefährlichsten Giftpilze überhaupt. So oder so, den nehmen wir natürlich nicht mit, er dient uns nur als Fotomodell.
Durch die Veröffentlichung von Eveline Kalteneggers Bildern in sozialen Netzwerken werden viele Menschen auf die faszinierende Flora und Fauna rund um Rötz aufmerksam und entdecken Tier- und Pflanzenarten, von denen sie nach eigener Aussage gar nicht wussten, dass sie in der Region überhaupt vorkommen. Die Eisvogel-Bilder, die sie entlang der Schwarzach aufnimmt, sind zu einem Markenzeichen der Hillstetterin geworden. Viele Wildtiere, darunter Vögel, Hasen, Eichhörnchen, Füchse und Rehe, kommen ihr oft vor die Linse und lassen sich weder von der Fotografin noch von ihrer Hündin stören.
Schwammerl zum Frühstück
Doch heute kreuzt kein Rehbock, sondern schließlich doch noch ein Steinpilz unseren Weg. Seine besten Tage hat er schon hinter sich und bekommt langsam, aber sicher einen weißen „Bart“ – ein Pilz zersetzt den anderen. Dabei ist er in gutem Zustand für die meisten der Inbegriff des perfekten Speisepilzes. Einer der persönlichen Favoriten von Eveline Kaltenegger ist allerdings der Schopftintling, verrät sie, der – aber nur in jungem Zustand – ein Genuss ist, „gern gebraten auf Toast schon zum Frühstück“.
Dann, endlich, stehen da ein paar wunderbare Maronenröhrlinge, bei uns besser bekannt als Maronerl. Aber weil wir ohne Korb unterwegs sind, dürfen sie im sattgrünen Moos noch weiterwachsen. Und ganz zum Schluss finden wir ein ganzes verwunschenes „Feld“ voller Fliegenpilze. Herrlich anzusehen und als Glücksbringer bekannt, ist dieser Pilz natürlich nicht zum Verzehr geeignet, das weiß jedes Kind.
„Ich will bei den Menschen ein Bewusstsein für die Schönheit der Natur schaffen“, sagt Eveline Kaltenegger. Es gelingt ihr jedes Mal aufs Neue.


