„Holz trifft Allerlei“: Rudi Dirnberger fertigt in Rötz Schmuck aus Obstbaumholz

Noch sind die Tage spätsommerlich warm. Doch sie steht schon vor der Tür, die kalte Jahreszeit. Wenn das Ehepaar Dirnberger dann Holzscheite zum Einheizen für den großen Kachelofen bereitlegt, wird erst einmal aussortiert: „Einige haben eine besonders schöne Maserung“, ist Rudi Dirnberger schon vor Jahren an Obstbaumholz aufgefallen. Ob Zwetschge-, Apfel- oder Kirschbaum: Was für den Ofen zu schade ist, das verarbeitet der Rötzer zu kleinen Schmuckstücken.
Eigentlich ist der 60-Jährige Elektroinstallateur. Seine Frau Karin und er waren jedoch schon immer gern auf Künstlermärkten wie dem Chamer Rawuckerlmarkt unterwegs. Woraufhin er bald beschloss, selbst kreativ zu werden, sagt Rudi Dirnberger – wobei er das aber schon immer war, ergänzt seine Frau und schmunzelt.
Unterschiedliche Maserung
Es entstanden die ersten Deko-Objekte, von denen einige ihren Platz im Garten des Ehepaares gefunden haben. Viele weitere fanden ihre Abnehmer auf einem Markt in Grafenkirchen. Bald versuchte Rudi Dirnberger sich auch an filigranen Anhängern aus Holz in den verschiedensten Formen für Halsketten – rund mit einem Glasnugget in der Mitte, als zur Hälfte aus Draht bestehendes oder mit kleinen Kristallen bestücktes Herz, als Kreuz oder auf Anregung einer Freundin auch als Schmetterling.
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Dabei waren diese Schmuckstücke zunächst eigentlich gar nicht für den Verkauf gedacht, erzählt Dirnberger, sondern als Geschenke für seine Frau und für Freunde. Doch dann sei es „immer mehr geworden“, was er anfertigte, diese Unikate gefielen den Leuten, und so meldete der Rötzer bald ein Kleingewerbe unter dem Namen „Holz trifft Allerlei“ für die Vermarktung an.
Künstlermärkte und Laden
Mittlerweile ist das Ehepaar nicht nur auf Künstlermärkten in der Region vertreten, sondern hat auch in der Xaver-Winklmann-Straße in einem Zimmer einen kleinen Laden eingerichtet.
Das „Allerlei“ im Namen deutet an, dass neben den Schmuckstücken aus Holz – neben den Anhängern für Halsketten sind es Ohrringe und Schlüsselanhänger – auch handgeformte Figuren aus Gips, hinter denen wegen des notwendigen Trocknens wochenlange Arbeit steckt, und Schalen mit glänzendem Innenleben sorgsam aufgereiht nebeneinander stehen. Ein Stockwerk tiefer, im Keller, findet man dagegen eine „richtige Werkstatt“, mit vielen kleinen Maschinen und natürlich mit viel Rohmaterial.
Neben Obstbaumholz wird beispielsweise Eiche und Thuja verwendet. Besonders schön sei auch Essigbaum, das aber ein ziemlich weiches Holz sei und deshalb keine so lange Haltbarkeit aufweise, erklärt Rudi Dirnberger.
Er hat ein Auge fürs Detail, die unterschiedlichen Maserungen, die jedes Teilstück hat, faszinieren ihn. Ausgeschnitten und geformt wird alles mit Hilfe der vielen kleinen Maschinen frei Hand. Nach dem Ausschneiden mit der Lochsäge wird das Holz für die runden Schmuckstücke an der Drechselbank verrundet – die Herzen und Schmetterlinge bekommen die richtige Form mit der Dekupiersäge – und danach mit der Schleifmaschine glattgeschliffen und poliert.
Danach werden die kleinen Kristalle, die Glasnuggets und mittlerweile auch Halbedelsteine wie Tigerauge und Hämatit angebracht. Und dann kommen die Anhänger entweder auf eine Kugelkette, ein Lederband, einen Reifen oder einen Nylonfaden, um den Hals der Trägerin oder des Trägers zu schmücken.
Auch draußen vor dem Haus liegt ein Holzhaufen, ein Apfel- und ein Zwetschgenbaum waren das einmal. Bevor das Holz im Kachelofen landet, wird es wieder unter die Lupe genommen, denn: Auch daraus könnten Schmuckstücke werden.


