Unterkunft für Geflüchtete: Bernhardswald findet Alternative zur Grundschulturnhalle

Mit einer überraschenden Wendung eröffnete Bürgermeister Florian Obermeier den Infoabend zur geplanten Winternotreserve für bis zu 120 Geflüchtete am Montagabend in der Turnhalle der Bernhardwalder Grundschule (Landkreis Regensburg): In letzter Minute konnte die Umnutzung der Turnhalle abgewendet werden. Dafür wird eine leerstehende Halle im Gewerbegebiet Hauzendorf zur Notunterkunft umfunktioniert.
Rund 450 Bürger lauschten den Erläuterungen von Obermeier und Alexander Damm, Sachgebietsleiter Sicherheitsrecht am Landratsamt. Nicht anwesend war Landrätin Tanja Schweiger.
Stimmung in Bernhardswald bleibt hitzig
Obermeier ergriff das Wort, begrüßte die Anwesenden und verkündete: „Vor eineinhalb Stunden habe ich die Nachricht erhalten, dass wir aufgrund unseres Drängens eine andere Unterkunft erhalten haben.“ Die Schulturnhalle bleibt frei für Grundschüler und den Sportverein. Die Asylsuchenden werden im Gewerbegebiet Hauzendorf untergebracht. Die vergangenen Tage seien nicht leicht gewesen, bekennt Obermeier: „Jetzt ist ein bisschen Druck aus dem Kessel.“
Doch mit dieser Einschätzung sollte er sich täuschen. Zwar brandete zunächst lauter Beifall auf, die Erleichterung über eine nutzbare Turnhalle und Distanz zwischen Notunterkunft und Grundschule währte aber nicht lange. Einleitend erläuterte Damm, dass in Bernhardswald bisher sieben Asylsuchende untergekommen sind, die Gemeinde den niedrigsten Anteil an Geflüchteten im Landkreis aufweist und daher die erste Anlaufstelle als Winternotunterkunft war.
Bis zu 120 syrische Männer in Gewerbehalle
Die Gewerbehalle sei nun angeboten worden, der Landkreis mietet sie zunächst für drei Jahre an. Es wird ein Sicherheitsdienst mit drei Personen rund um die Uhr vor Ort sein. Untergebracht werden ab Mitte November bis zu 120 syrische Männer, pro Woche werden rund 25 Geflüchtete einziehen. Sie bleiben, anders als in der Winternotfallreserve, bis ein Platz in einer dezentralen Unterkunft frei wird. Die Anerkennungsquote von syrischen Geflüchteten liege bei 85 Prozent, der Wille zur Integration sei hoch, was laut Damm zu wenig negativem Auffallen beiträgt: „Sie verbleiben in der Region, werden hier integriert und stehen als Arbeitskräfte zur Verfügung.“ Höhnisches Gelächter aus dem Publikum war die Folge.
Als das Mikrofon an die Bürger weitergereicht wurde, entlud sich eine Menge Wut in Richtung des Vertreters des Landratsamts. Die meisten Fragen drehten sich um Sicherheitsbedenken der Bürger, Garantien wurden gefordert, dass nichts passiert. Die kann Damm nicht geben. Aus seiner Erfahrung berichtete er aber, dass ihm keine Beschwerden bezüglich der Sicherheit in Bussen, die einige Fragensteller umtrieb, bekannt seien. Gemeindebürger drückten ihre Angst vor syrischen Männern in der Unterkunft aus, dass sie ihre „Töchter nicht mehr draußen spielen lassen“ könnten auf dem Weg der Asylbewerber zur Bushaltestelle. Fehlende Beschäftigung führe zu Langeweile, zu Frust, und der müsse irgendwann raus, befürchtete eine Rednerin. „Haben die Verschlusszeiten?“, fragte ein Mann gar. Damm wies darauf hin, dass keine Gefangenen, keine vorbestraften Gefährder untergebracht werden, sondern Geflohene.
Nicht nur Ablehnung für die Geflüchteten
Man dürfe sich nicht nur auf Probleme fokussieren, sagte ein junger Mann.„Wir sind hier geboren, weil wir Glück gehabt haben. Andere haben dieses Glück nicht gehabt.“ Man solle sich zusammentun und bei der Integration helfen. Dafür plädierten zwei weitere Sprecherinnen. Applaus und Buhrufe hielten sich nach diesen Wortmeldungen die Waage.
„Hat die Kommune denn gar nichts mehr zu sagen?“, fragte ein Bürger nach der fehlenden Einspruchmöglichkeit. Rechtsmittel könne man nicht einlegen, die benötigte Nutzungsänderung wird durchgeführt, antwortete Damm. Weitere hitzige Ausrufe bezeugten das Ohnmachtsgefühl der Bürger. Die inhaltlichen Fragen an Damm erschöpften sich bald, es blieb viel Unmut über die Asylpolitik des Bundes, zu der Sachgebietsleiter Damm naturgemäß wenig sagen konnte. „Wir gehen in das Gewerbegebiet und es ist unsere Aufgabe, dass das läuft“, stellte Damm die Fakten zur Unterbringung Asylsuchender klar.
Weiter drei Reserven im Landkreis Regensburg nötig
„Den Letzten beißen die Hunde, und das ist in diesem Fall die Kommune und die Gemeinschaft“, schloss Bürgermeister Obermeier mit seiner Sicht auf die Aufnahme von Geflüchteten. Und: „Als Gemeinschaft müssen wir jetzt das Beste draus machen.“
Da in Bernhardswald über 100 Asylsuchende unterkommen, steigt die Quote der Gemeinde. Die Alteglofsheimer Turnhalle ist damit erste Anlaufstelle als Winternotreserve, dort spricht sich bereits eine Online-Petition gegen das Vorhaben aus. Es folgt Wenzenbach, eine dritte Turnhalle im Landkreis wird derzeit gesucht.
