Bernhardswalder Turnhalle wird Winternotfallreserve für Asylsuchende

Drei Turnhallen im Landkreis sieht das Landratsamt vor als Winternotfallreserven für Geflüchtete. Erste Anlaufstelle wird die Gemeinde Bernhardswald. Dort werden im Bedarfsfall bis zu 120 Asylbewerber untergebracht, wie Landratsamtssprecher Hans Fichtl auf MZ-Anfrage mitteilt. Die Mittelschulturnhallen in Alteglofsheim und Wenzenbach werden bei Bedarf, also bei Vollbelegung in Bernhardswald, zu weiteren Notfallunterkünften.
Auf Nachfrage, wann die ersten Geflüchteten in der Grundschulturnhalle ankommen, nennt Fichtl kein konkretes Datum: „Eine tatsächliche Belegung erfolgt nur, wenn es unumgänglich wäre.“ Hinter Eventualitäten will sich Bernhardswalds Bürgermeister Florian Obermeier nicht verstecken. „Es kommt so“, ist er überzeugt. „Vermutlich Mitte November“ sei ihm vom Landratsamt als Zeitpunkt genannt worden, wann die Grundschulturnhalle zur Erstversorgung Geflüchteter benötigt werde.
Gemeinde ohne Handhabe
Montagmittag wurde Obermeier laut eigenen Angaben erstmals per E-Mail über die anstehende Entwicklung informiert, am Mittwoch kam es zum Treffen mit zuständigen Mitarbeitern des Landratsamts. Ein Mitspracherecht hatte der Rathauschef in der Sache nicht. „Das interessiert jetzt keinen mehr, ob wir die Turnhalle zur Verfügung stellen. Das ist jetzt so.“ Die Halle werde „auf absehbare Zeit“ benötigt, sei ihm mitgeteilt worden. Landratsamtssprecher Fichtl umreißt die Wintermonate als Nutzungszeitraum.
Hätte Obermeier die Wahl gehabt, hätte er nach eigenen Aussagen die Räumlichkeiten nicht freigegeben, da Sportunterricht und Freizeitsport für Kinder in Bernhardswald der Notunterkunft zum Opfer fallen. Davon sind etwa 90 Grundschüler betroffen. Der Bürgermeister prüft derzeit, ob sie mit dem Bus für Sportstunden in das zweite Schulhaus der Gemeinde nach Pettenreuth gefahren werden können.
Grundschule und Sportverein betroffen
Kindergarten und Kinderkrippe, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Grundschule befinden, nutzen die Schulturnhalle nicht, da die Einrichtungen über eigene Räumlichkeiten verfügen. Betroffen wären bei Notfallunterbringung von Asylsuchenden allerdings Hort und Mittagsbetreuung, die sich wie die Kita unter Johanniter-Trägerschaft befinden. Wie Pressesprecher Matthias Walk mitteilt, ist der Hort mit 20, die Mittagsbetreuung mit 40 Kindern belegt. „Es findet ein offener Austausch mit der Gemeinde statt“, sagt Walk zur Suche nach Alternativen.
Auch TSV-Vorstandsmitglied André Luderer bestätigt, dass Sportverein und Gemeindeverwaltung in Kontakt stehen, um nach Ausweichmöglichkeiten für den geplanten Hallensport des TSV Bernhardswald zu suchen. Auch hier sind vor allem Kinder von der geplanten Belegung als Winternotfallreserve betroffen.
Arabische Männer erwartet
Aktuell ist die Turnhalle noch vollumfänglich nutzbar. Am Montagabend findet eine Infoveranstaltung statt (siehe unten), am 6. November kommt es zu einer Ortsbegehung. Mitte November erwartet die Gemeindeverwaltung die ersten Geflüchteten, wohl vornehmlich Männer. Die Ausstattung erfolgt etwa drei Tage vor tatsächlicher Belegung. Da es sich um ein Notfallszenario handelt, können die untergebrachten Personen im Vorfeld nicht weiter charakterisiert werden. Fichtl benennt ihre Nationalitäten als „Araber und Perser“. Sie sollen in der Regel nur wenige Tage in der Notunterkunft verbleiben.
In der Oberpfalz mussten laut Landratsamt für den Winter Notfallkapazitäten für 2000 Personen geschaffen werden. 346 Plätze muss entsprechend der Landkreis Regensburg vorhalten. Florian Obermeier berichtet, dass Turnhallen in den drei Gemeinden herangezogen worden seien, in denen bislang der prozentual niedrigste Anteil an Asylsuchenden untergebracht ist. „Bernhardswald liegt dabei an hinterster Stelle“, daher wird die Gemeinde nun erste Anlaufstelle für die Winter-Notfallreserve.
Als weitere Notunterkünfte folgen die Mittelschulturnhallen in Alteglofsheim und Wenzenbach. Wie Bürgermeister Sebastian Koch auf der Gemeinde-Homepage mitteilt, rechnet er nach Weihnachten mit Auskunft, ob die dortige Turnhalle ebenfalls benötigt wird. In Bernhardswald werden zu diesem Zeitpunkt Asylsuchende wohl schon seit sechs Wochen aus der Turnhalle in dauerhafte Unterkünfte verteilt.
Infoveranstaltung
Termin: Am Montag findet ab 19 Uhr eine Infoveranstaltung des Landratsamts in der Turnhalle Bernhardswald zur „geplanten Umsetzung der Winternotfallreserve von Asylbewerbern“ statt.
Sprecher: Alexander Damm, Sachgebietsleiter Sicherheitsrecht, wozu auch Ausländer- und Asylrecht gehört, wird das Konzept der Winternotfallreserven und die mögliche Nutzung vorstellen.