Darum wird der Ferienbus von Schwandorf an den Steinberger und Murnersee wieder eingestellt

Ein Ferienbus, der vom Schwandorfer Bahnhof bis zum Steinberger und Murnersee fährt: Das war die Idee, die der Landkreis Schwandorf auf Antrag der Grünen beschlossen hatte. Für ein Jahr sollte das Ganze erprobt werden. Jetzt wurde Bilanz gezogen.
Und die fiel so ernüchternd aus, dass das Projekt keine Zukunft hat. Jedenfalls nicht in dieser Form. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. „In der Mehrzahl der Fahrten“ hätten null bis zwei Personen das Angebot genutzt, vereinzelt auch mehr als zwei Personen, so steht es in den Unterlagen, die dem Ausschuss für Kreisentwicklung, Umweltschutz, Touristik, Sport und Kultur jüngst vorlagen.
Vier Stichproben, null Gäste im Ferienbus
Und selbst wenn es mal „Ausreißer“ gab, dann nur in einem überschaubaren Rahmen: Einmal waren es neun Personen in den Pfingstferien, dann wieder sieben, elf oder 14 Personen in den Sommerferien. Das Landratsamt selbst hat in den Sommerferien vier Stichproben gemacht, um sich ein Bild von der Nutzung zu machen. Und das Fazit fällt ernüchternd aus: „Bei all diesen vier Fahrten wurden keine Personen im Ferienbus angetroffen.“ Die Kosten für den einjährigen Test-Betrieb lagen bei rund 28.520Euro.
„Die Nutzung ist weit hinter dem, was man sich vielleicht mal erhofft hat“, sagte Landrat Thomas Ebeling (CSU). Deshalb schlug er dem Ausschuss vor, den Ferienbus einzustellen. „Auch, wenn’s bedauerlich ist.“ Bis zum Jahresende sollte der Vertrag mit dem Busunternehmen gekündigt werden. Denn, so Ebeling: „Auch wenn es dann mal 14 Personen waren, insgesamt war es nicht der ganz durchschlagende Erfolg.“
Dabei hat der Landkreis durchaus die Werbetrommel gerührt, um das Angebot bekannt zu machen. So sei mit „tatkräftiger Unterstützung“ des Tourismuszentrums Oberpfälzer Wald und des Zweckverbands Oberpfälzer Seenland auf das Angebot hingewiesen worden. Letztlich aber ohne größeren Erfolg.
Zu den Gründen, wieso das Projekt kein Erfolg war, gab es unterschiedliche Einschätzungen. Kreisrätin Barbara Hanauer (CSU) berichtete, dass sie mit jungen Familien gesprochen habe. Die würden alle sagen, dass man so viel Gepäck habe, wenn man mit Kindern an den See wolle, „dass man überhaupt nicht auf die Idee kommt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren“.
Waren die Fahrten im Ferienbus zu teuer?
Ulrike Pelikan-Roßmann (Grüne) sah hingegen einen anderen Grund für den Misserfolg. Sie sprach grundsätzlich von einem „tollen, ambitionierten Projekt“. In der Sitzung machte sie aber eine Rechnung auf, wonach der Preis für zwei Erwachsene mit zwei Kindern für eine Hin- und Rückfahrt bei 32,80Euro gelegen habe. Das schaffe keinen Anreiz, um umzusteigen. Bei den Preisen würde selbst sie mit dem Auto an den See fahren, sagte die Kreisrätin.
Dabei seien die Zeiten und die Anschlüsse gut gewesen. Sie bat darum, das Projekt in anderer Weise fortzuführen – aber möglichst mit einer überarbeiteten Preisgestaltung. Man habe sich ja mit dem Wissen auf das Projekt eingelassen, dass es nicht durch Fahrgastpreise refinanzierbar sei. Laut Dominik Hauser, beim Landkreis für den ÖPNV zuständig, sei die Verbindung in den Ton-Tarif eingebunden gewesen. Es habe aber vergünstigte Angebote gegeben – so etwa die Zehnerkarten.
Auch Harald Bemmerl (SPD) wies auf die Preise hin. „Das ist der wichtigste Grund, warum so wenige Leute mitgefahren sind.“ Dazu komme aus seiner Sicht, dass zwar viel im touristischen Bereich und auf Messen geworben worden sei – aber die Verbindung nicht im Fahrplan der Deutschen Bahn hinterlegt war. „Die zwei Sachen waren und sind der Nachteil der Linie.“
Für die Jungen Wähler betonte Peter Neumeier, dass das Angebot „wirklich gut gemeint“ gewesen sei. „Aber die Zahlen haben es halt gezeigt.“ Bei der Abschaffung wäre er dabei. Dafür regte der Kreisrat an, die Kosten vielleicht anders zu verwenden – etwa für das Fifty-Fifty-Taxi des Kreisjugendrings (KJR), bei dem Jugendliche nur die Hälfte des Fahrpreises zahlen. Den Rest bezuschusst der KJR mit Hilfe des Landkreises. Zudem könnte man prüfen, inwieweit die Seen-Tour alternativ mit dem Rufbus Baxi abgedeckt werden kann.
Idee stößt auf offene Ohren
Vor allem die Idee mit dem Baxi stieß im Ausschuss auf offen Ohren. „Das klingt sinnvoll“, sagte der Landrat und kündigte an, die Möglichkeit prüfen zu wollen. Das Angebot wirklich an jeden heranzubringen, sei „immer schwierig“, sagte Ebeling. Bei allen ökologischen Überlegungen und Vorteilen, die das Busfahren habe, würde er dennoch eine Einstellung empfehlen. Denn: „Einen Bus leer fahren zu lassen, macht überhaupt keinen Sinn.“
Es würde aber Sinn machen, zu prüfen, ob als bedarfsgerechtes Angebot alternativ eine Baxi-Linie eingeführt werden kann. Dann könnten die Menschen, die das Angebot bisher genutzt haben, vielleicht trotzdem fahren. Das wurde gegen drei Stimmen mehrheitlich so beschlossen. Die Kreisräte von SPD und Grünen hatten zwar das Baxi als Option nicht völlig ausgeschlossen. Aber im Ergebnis stimmten sie dennoch gegen den Vorschlag.
Auf Nachfrage der Mittelbayerischen erklärte Ulrike Pelikan-Roßmann, dass sie das Anruf-Modell bei so einem Ferienangebot eher kritisch sieht, weil Ausflüge häufig spontan erfolgten. Die Fortführung eines regelmäßigen Ferienbusses – dafür mit günstigeren Fahrpreisen – halte sie für sinnvoller. SPD-Kreisrat und Steinbergs Bürgermeister Harald Bemmerl wiederum hätte sich gewünscht, dass das Angebot noch ein weiteres Jahr läuft – zu günstigeren Bedingungen und mit einer besseren Bewerbung bei der DB. Auch deshalb hätten die Kreisräte dagegen gestimmt.
Verbindung und Fahrzeiten
Strecke: Der Ferienbus startete am Schwandorfer Bahnhof, fuhr über das Krankenhaus, die Holzkugel und die Liegewiese am Steinberger See zum Wackersdorfer Marktplatz, zum Großparkplatz am Murner See, zum Murner See selbst sowie nach Rauberweiherhaus und zum Erlebnispark Wasser-Fisch-Natur. Auf der Rückfahrt wurden dieselben Stationen bedient.
Abfahrt: Der Ferienbus war zweimal am Tag unterwegs. Er startete um 10.07 und um 13.40 Uhr am Schwandorfer Bahnhof. Die Rückfahrt erfolgte jeweils um 14.20 Uhr und um 18.40 Uhr am Erlebnispark Wasser-Fisch-Natur in Wackersdorf. Die Fahrten waren während der Ferienzeit die ganze Woche über möglich, also auch an den Samstagen, Sonntagen und Feiertagen.