Wartezeiten und Unfälle: Hat der Pöllinger Kreisverkehr ein Sicherheitsproblem?

Um den Kreisverkehr bei Pölling gibt es eine Diskussion. Doch was sind die Fakten? Ein Verkehrsgutachter hat die Wartezeiten errechnet. Das Staatliche Bauamt erklärt, was eine Videobeobachtung ergeben hat und welche Lösungen denkbar sind. Die Polizei äußert sich zum Thema Unfälle.
„Ein Kreisverkehr ist solange gut, wie der Verkehr nicht zu viel ist“, sagt Manfred Schreiner, der als Fahrlehrer beruflich viel herumkommt. Über den Pöllinger Kreisverkehr sagt er im Speziellen: „In der Rushhour ist schwer reinzukommen. Vor allem für Lastwagen“.
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Das ist die subjektive Beobachtung eines Vielfahrers. Gibt es aber auch belastbare Zahlen? In der Vergangenheit wurden mehrere Versuche unternommen, das Verkehrsaufkommen zu messen bzw. zu berechnen. Letzteres übernahm Harald Kurzak, Ingenieur für Verkehrsplanung. Von ihm stammen diverse Verkehrsuntersuchungen zum Ring um Neumarkt.
Bis zu 15000 Fahrzeuge benutzen täglich den Kreisverkehr bei Pölling
Kurzaks Berechnungen aus 2020 zufolge nutzen bis zu 15000 Fahrzeuge täglich den Kreisverkehr. Wobei die Verteilung auf die einzelnen Äste unterschiedlich groß ist. Rein zahlenmäßig frequentieren die meisten Fahrzeuge die Äste an der Nürnberger Straße und dem östlichen der B299.
Die Spitzen liegen im Berufsverkehr morgens und abends. Dann sind es bis zu 1500 Fahrzeuge, die in der Stunde den Kreisel befahren. In den Morgenstunden ist laut Kurzak vor allem der Norden von der B8 her belastet. Abends ist es der Osten.
Interessant sind aber vor allem der Verkehrsfluss und damit die Wartezeiten an den Einfahrten, die Kurzak ebenfalls berechnet hat. Egal, ob morgens oder abends, am längsten müssen demnach alle Fahrer warten, die von Pölling in den Kreisverkehr wollen. Die rechnerische Wartezeit beträgt zwischen 13 und 20 Sekunden.
Wo warten die Autofahrer am Kreisverkehr am längsten?
Ansonsten warten Fahrer morgens vor allem an der B8-Einfahrt lange: 10,7 Sekunden. Abends sind es hingegen der Münchener Ring (elf) und die Nürnberger Straße (14,7). Berthold Schneider vom Staatlichen Bauamt bewertet die Wartezeit als nicht übergroß.
Und auch Verkehrsexperte Kurzak kommt für den Kreisverkehr zu dem Schluss, dass alle Äste mindestens die Verkehrsqualität B haben. Übersetzt: Der Verkehrsfluss ist nahezu frei. Kurzak empfahl jedoch eine 24-Stunden-Videoerfassung. So könne man reale Belastungen messen.
Das hat das Staatliche Bauamt Anfang Oktober getan. Die gemessenen Zahlen ähneln im Großen und Ganzen den errechneten Zahlen Kurzaks. Abschließend sei die Videobeobachtung noch nicht ausgewertet, erklärt Berthold Schneider. So viel stehe aber schon fest, dass es kein klares Ergebnis gegeben habe.
Bei den Unfallarten bzw. kritischen Situationen zeichne sich keine einheitlichen Muster ab. Auch die Analyse der Unfalltypen aus der Unfallstatistik habe keine entscheidenden Erkenntnisse gebracht. Schneider spricht vom Kreisverkehr als einem Unfallhäufungspunkt.
Polizei Neumarkt erklärt, wie viele Unfälle es im Kreisverkehr gegeben hat
Die Neumarkter Polizei hat für die drei Jahre 2020 bis 2022 14 Unfälle gezählt, die ein Straf- oder Bußgeldverfahren nach sich ziehen. Bei drei Unfällen gab es Verletzte. Die Unfallursachen seien jeweils Fehler des Fahrers beim Überholen oder Vorfahrtsverstöße gewesen, erklärt die Inspektion.
Für die Polizei steht fest: Die Unfallzahlen seien als äußerst gering zu bezeichnen, betrachte man sie in Relation zu den mehreren tausend Fahrzeugen, die dort täglich frequentierten. Der Kreisverkehr erfüllt aus Sicht der Polizei demnach umfänglich die Anforderungen an die Verkehrssicherheit.
Nichtsdestotrotz denkt das Staatliche Bauamt in Regensburg darüber nach, was am Kreisverkehr verändert werden könnte. Denkbar sei, im Kreisverkehr eine Mittelmarkierung zur besseren Orientierung für die Verkehrsteilnehmer anzubringen. Allerdings sei das nicht in den technischen Regeln für Kreisverkehre vorgesehen, erklärt der Leiter Straßenbau.
Eine weitere Option wäre es, die zweite der Einfahrspuren jeweils zu sperren. Allerdings werde das wohl zu Rückstau führen, sagt Schneider.
Bypass-Lösung aus Sicht des Bauamts fraglich für den Kreisverkehr in Pölling
Ein weiteres Gedankenspiel sind Bypässe. Dabei werden Fahrzeuge, die im Kreisverkehr die nächste Abfahrt nehmen wollen, vorab auf eine parallel geführte separate Spur geleitet. Das brächte allerdings größere Bauarbeiten mit sich. Kosten und der Grunderwerb wären zu klären. Vor allem aber der Nutzen einer solchen Lösung.
Harald Kurzak war in seinen Berechnungen zu dem Ergebnis gekommen: „Ein Bypass von der B 299 zur B 8 ist nach den bisher vorliegenden Daten der Modellrechnung nicht erforderlich und würde nur eine geringe Entlastung bringen“.
Berthold Schneider dämpft nach der Videobeobachtung ebenfalls Erwartungen: Es zeichne sich ab, dass Bypässe die Problematik voraussichtlich nicht lösen könnten. Allerdings will er sich nicht abschließend festlegen. Es werde weitere Untersuchungen geben. Noch sei nichts entschieden.
Als Zeithorizont dafür nennt der Mann vom Staatlichen Bauamt das Jahresende. Es gelte zudem Gespräche mit der Stadt zu führen. Dort hat die Geschichte der Kreisverkehre um Neumarkt in der Zeit von OB Alois Karl auch ihren Anfang genommen.
