Mordversuch oder doch nur Körperverletzung in Neustadt? Ehefrau sagt aus

Von Jochen Dannenberg · 21. Oktober 2023 um 19:00

Auf versuchten Mord lautet die Anklage gegen einen 28-jährigen Mann aus Neustadt a.d. Donau im Landkreis Kelheim, der sich derzeit vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Regensburg verantworten muss. Möglicherweise lässt sich die Anklage jedoch so nicht mehr aufrecht erhalten.

Die Tat, die sich im März ereignete, hatte für Aufsehen in Neustadt a.d. Donau gesorgt. Mehrfach waren in den Jahren zuvor Messerangriffe bei der Polizei angezeigt worden, in einigen Fällen gab es sogar Tote. Nun also war es wieder soweit oder fast jedenfalls. Zumindest schien es so.

Am Volksfestplatz war der 28-jährige Hussein T. am 10. März ausgerastet. Mehrfach schlug er auf einen Pkw ein, in dem fünf junge Männer saßen. Außerdem soll er versucht haben, mit einem Messer auf einen der Männer einzustechen. Am Ende waren mehrere Scheiben an dem Pkw beschädigt und niemand verletzt – außer dem 28-Jährigen, der sich selbst eine Wunde zugezogen hatte.

Die Tat war zugleich der Schlusspunkt der Ehe des gebürtigen Syrers. Vorangegangen war dem eine monatelange Auseinandersetzung mit der Ehefrau (27). Die beiden hatten von einem glücklichen Leben, einer richtigen Familie mit Haus und Kindern geträumt, sagte die 27-Jährige vor Gericht.

Gemeinsame Tochter

Zwar haben die beiden eine gemeinsame Tochter (4) und fast hätten sie auch ein eigenes Haus gehabt, doch am Ende gab es Schläge. Die Ehefrau dachte daher an Trennung, suchte Trost bei einem Kollegen, wovon der Ehemann erfuhr. Der war gekränkt, ließ seine Frau keinen Moment mehr aus den Augen, begann schließlich sogar auf die 27-Jährige einzuschlagen und trotzdem versuchte man eine Familie zu sein. Denn immer war da auch das gemeinsame Kind.

Dem Vater war die Vierjährige wichtig. Sie sollte nicht „ohne Vater“, wie er es für den Fall der Trennung gegenüber seiner Frau mehrfach gesagt hatte, aufwachsen. Womit er vor allem eines meinte: Das Mädchen solle nicht ohne ihn aufwachsen.

Auch deshalb war die kleine Familie am 10. März abends zu einem Lokal am Stadtplatz gefahren, um gemeinsam zu essen. Doch dort tauchte unerwartet der Nebenbuhler mit seinen Spezln auf. Was folgte, war der Ausraster des Ehemannes. Er demolierte am Eingang zum Volksfestplatz den Pkw der anderen Männer, während die im Wagen saßen.

Über ein nicht unwichtiges Detail gehen die Aussagen auseinander: Das Opfer behauptete vor Gericht, der 28-Jährige habe ihn töten wollen. Das habe ihm die Ehefrau des Täters gesagt. Die sagte jedoch in der Verhandlung vor der 2. Strafkammer aus, genau dies nicht gesagt zu haben.

Damit wäre der Tötungsvorsatz, den es auch für einen versuchten Mord braucht, aufgrund der Aussagen im Prozess nicht erbracht. Aus dem versuchten Mord könnte damit eine versuchte gefährliche Körperverletzung werden. Der Unterschied wäre auch für die Strafzumessung bedeutsam.

Urteil in diesem Monat

Hussein T. wirkte in der Verhandlung , obwohl ihm Fußfesseln angelegt waren, ausgesprochen sicher, fast schon freundlich. Er strahlte regelrecht Optimismus aus. Möglicherweise geht er davon aus, dass die Anklage wegen versuchten Mordes nicht aufrecht zu erhalten ist und ihm keine mehrjährige Haftstrafe droht.

Für das Verfahren am Landgericht Regensburg sind fünf Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll voraussichtlich noch in diesem Monat gesprochen werden.

Am Montag begann der Prozess vor dem Landgericht. Foto: Dannenberg
Am Stadtplatz nahm die Auseinandersetzung ihren Anfang. Foto: Dannenberg