Faszination Altstadt sieht viele Feste am Neupfarrplatz skeptisch: „Es muss nicht immer laut sein“

Noch zweieinhalb Monate – dann geht eine neun Jahre andauernde Ära in Regensburg zu Ende. Ingo Saar hört als Geschäftsführer des Vereins Faszination Altstadt auf. Und eine Nachfolgerin steht bereits fest: Maria Müller übernimmt zum neuen Jahr das Tagesgeschäft des Vereins der Regensburger Altstadtkaufleute.
Saar war in den vergangenen knapp zehn Jahren zum Sprachrohr der Einzelhändler der Regensburger Altstadt geworden. Im Streit geht er nicht. Der Vereinsvorsitzende Ulrich Dombrowsky erzählt, dass es „einfach altersbedingt war“. Saar sei 65 Jahre und wollte das Amt nun abgeben: „Das hatten wir zu akzeptieren.“ Der scheidende Geschäftsführer selbst erzählt, dass er den Vorstand schon vor längerer Zeit informiert habe, dass er aufhören wird – um dem Verein die Möglichkeit zu geben, rechtzeitig die Nachfolge zu regeln.
Maria Müller übernimmt Geschäftsführung bei Dombrowsky
Dies hat geklappt. Diese Woche wurde bekannt, dass Maria Müller neue Geschäftsführerin wird. Die 38-Jährige studierte Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftspsychologie und Touristik und betreibt in der Kramgasse ein Naturkosmetik-Geschäft. Ihre Bewerbung habe den Vorstand überzeugt, erzählt Dombrowsky: „Vor allem, dass sie auch Erfahrungen mit einem eigenen Laden hat.“
Müller wird von Saar noch eingearbeitet. Der langjährige Geschäftsführer zieht derweil eine „sehr positive Bilanz, ich denke, wir haben viel erreicht“. So sei es gelungen, dass die Altstadt und deren Attraktivität „bei den Menschen im Gespräch ist“. Zudem habe es „einen stetigen, konstruktiven Dialog mit der Stadtverwaltung“ gegeben.
Die neue Geschäftsführerin blickt zuversichtlich auf ihren künftigen Job: „Ich freue mich, dass ich die Erfahrungen aus meinen bisherigen Tätigkeiten in der Verbandsarbeit, im Destinationsmarkting und im Einzelhandel in diese neue Aufgabe einbringen kann.“
Mit dem Wechsel in der Geschäftsführung will es der Verein nun aber zunächst bewenden lassen. Eigentlich war in naher Zukunft auch ein Wechsel an der Vorstandsspitze erwartet worden, Dombrowsky macht nun aber zumindest ein Jahr weiter. So soll die „Kontinuität der gemeinsamen Arbeit“ vorerst gewährleistet bleiben, wie der Verein mitteilt.
Ulrich Dombrowsky hat Geschäft noch nicht verkauft
Dass Dombrowsky bleibt, ist durchaus eine Überraschung, im August hatte er angekündigt, sein Buchgeschäft verkaufen zu wollen. Und nach dem Ende seiner aktiven Zeit als Geschäftsinhaber werde er natürlich auch den Vereinsvorsitz abgeben, meinte er damals.
Nun verzögert sich alles etwas. Es gebe bereits Interessenten für den Laden, erzählt Dombrowsky, allerdings noch keinen Abschluss. Zunächst hätten er und seine Frau geplant, zum 1. Januar aufzuhören, das werde nun nicht klappen. „Und wir haben für uns beschlossen, dass wir wenn nötig noch ein bis drei Jahre weitermachen.“ Deswegen mache er auch noch gewisse Zeit als Vereinsvorsitzender weiter. Themen gibt es dabei noch genügend, sagt er. So wolle sich Faszination Altstadt in Zukunft noch mehr dafür einsetzen, in der Innenstadt den Anforderungen des Klimawandels gerecht zu werden, um sich hier auch in Zukunft noch aufhalten zu können. Es sei unabdingbar, sagt Dombrowsky, aus Regensburg eine „Schwammstadt“ zu machen, die das Wasser besser speichern kann.
Faszination Altstadt: „Alternativen schaffen“
Bei der Verkehrsplanung unterstütze der Verein grundsätzlich die Linie der Stadtverwaltung: „Wir sind auch dafür, den Verkehr auf lange Sicht rauszubringen.“ Es müssten aber vorher Alternativen geschaffen werden, also etwa Park-and-Ride-Möglichkeiten zum Reinpendeln: „Das schlechteste wäre, wenn wir die Menschen so verärgern, dass sie aus Trotz nicht mehr in die Altstadt reingehen.“
Das Aufstellen eines Spielbrunnens am Neupfarrplatz, der Playfountain, wertet Faszination Altstadt als großen Erfolg. Viele Menschen hätten sich dort erfrischt. Der Neupfarrplatz liegt Dombrowsky nach eigener Aussage ohnehin sehr am Herzen. Der Verein verfolge genau, dass es dort mittlerweile sehr viele Veranstaltungen gibt – und nicht jede davon werde dem Ort gerecht. „Wir müssen schauen, wie man es so gestalten kann, dass es für alle passt. Es muss doch nicht jedes Fest so laut sein, dass die Musik noch einige Straßen weiter zu hören ist.“

