Treppen in Regensburg nur „halb“ absperren? Für diesen Winter ist eine Lösung in Sicht

Von Rainer Wendl · 19. Oktober 2023 um 18:55

Monatelange Sperren von Treppen haben im letzten Winter für Unmut gesorgt. Heuer ist eine kreative Lösung in Sicht.

„Das ist jedes Mal ein Riesen-Umweg, den ich da nehmen muss“, lautete vergangene Woche eine Wortmeldung bei der Bürgerversammlung für Bewohner des Stadtnordens. Es ging um Treppen bei der Nibelungenbrücke, die aus personellen Gründen im Winter nicht geräumt und gestreut werden können und daher gesperrt werden.

Im letzten Jahr dauerte der „amtliche“ Winter extrem lang, schon Mitte Oktober und bei bestem Wetter verbarrikadierte die Stadt beispielsweise den Abgang auf der westlichen Brückenseite in Richtung Weichs. Dabei blieb es dann bis weit ins Frühjahr hinein. Heuer sucht man die rot-weißen Absperrungen bislang vergeblich. Und wenn sie demnächst doch kommen, werden sie aller Voraussicht nach durchlässig sein.

Eine entsprechende Andeutung machte der auch für den Winterdienst zuständige Umwelt-Bürgermeister Ludwig Artinger bereits bei besagter Bürgerversammlung. Er ließ durchblicken, dass eine „halbe Sperrung“ der Treppen möglich sein könnte.

Am Freitag geht es um die Details

Konkret bedeutet das: Man stellt zwar ein Gitter und/oder Baken auf, lässt aber genug Platz frei, um daran vorbeigehen zu können. So würde die Stadt ihrer ab 1. November bestehenden Sicherungspflicht nachkommen und zugleich aus der Haftung sein. Für die Bürger bliebe die Nutzung auf eigene Gefahr möglich.

Das Finden einer rechtlich einwandfreien Lösung ist Artinger, seines Zeichens selbst Jurist, ein wichtiges Anliegen. Er hat Verständnis für den Unmut über monatelange Umwege und meint angesichts immer milder werdender Winter: „Von Oktober bis April kategorisch zu sperren, ist wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Da sollte man schon das richtige Maß finden und einerseits die Sicherheit gewährleisten und andererseits die Bürger nicht über Gebühr belasten.“

Bei der Bürgerversammlung verriet er, dass sich das Rechtsamt aktuell mit einer Nachfrage zu der angedachten Lösung befasse. Eine Woche später hat Artinger zwar die Antwort auf dem Tisch liegen, will deren Details aber vorerst noch intern halten. „Ich habe am Freitag um 10.30 Uhr einen Termin mit Amt 70. Da werden wir besprechen, wie wir in diesem Winter vorgehen.“

Amt 70 ist für Kreislaufwirtschaft, Stadtreinigung und Flottenmanagement zuständig, die Leiterin Annegret Wolfseher räumte bereits im letzten Herbst im Stadtrat ein, dass Absperrgitter bei 20 Grad für einen „grotesken Anschein“ sorgen. Andererseits betonte sie die für die Stadt bestehende Sicherungspflicht.

Ribisl-Stadtrat Jakob Friedl machte das Thema publik

Dass das Thema überhaupt die politische Ebene erreichte, war damals ein Verdienst von Ribisl-Stadtrat Jakob Friedl. Er stellte im Oktober 2022 einen ausführlichen Prüfantrag für alternative Strategien bei den Wintersperren. Die bisherige Praxis sorge nämlich „bei unzähligen Passanten für ungläubige Blicke, spontane Unmutsäußerungen, Unverständnis und Groll über das Handeln der Stadtverwaltung“.

Exemplarisch machte dies Friedl an der Treppe beim Goldenen Waller am Donaumarkt fest und erntete dafür sogar Zuspruch von Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Die sagte zu Amtsleiterin Wolfseher: „Wir müssen uns noch einmal zusammensetzen und überlegen, wie wir dieses hässliche Bauzaungitter vermeiden können.“

Nun geht die Initiative des Ribisl-Stadtrats wie von ihm beabsichtigt über den Donaumarkt hinaus, zahlreiche bislang von der Wintersperre betroffene Treppen im Stadtgebiet sind mit in der Verlosung. „Es ist sehr erfreulich, dass sich da jetzt was tut“, sagt Friedl. Er war in der vergangenen Woche selbst bei der Bürgerversammlung anwesend und hat mit großem Interesse Artingers Andeutung von der „halben Sperrung“ vernommen. Seither fragt er sich leicht amüsiert: „Ist die Stadt also aus dem Schneider, wenn es den Leuten erlaubt ist, sich regelwidrig zu verhalten?“

Ohne Personalaufwand

Regelwidrig – davon ist schon vorab sicher auszugehen – wird an der Lösung nichts sein. Vor der Präsentation der Details betont Artinger lediglich, dass es eine gut handhabbare Regelung sein werde, die „alle Bedürfnisse befriedigt“.

Das beinhaltet auch eine nicht entstehende zusätzliche Belastung der Mitarbeiter von Amt 70. „Was wir sicher nicht leisten können, ist, bei jedem Schneefall auszurücken und Absperrungen aufzubauen und danach wieder wegzuräumen.“

So sah die Sperre an der Nibelungenbrücke im letzten Winter aus.