Traditionsgasthaus Pongratz wird wiederbelebt: Gleißenberg bekommt kleine Brauerei

Der Landgasthof Pongratz in der Gemeinde Gleißenberg (Landkreis Cham) wurde vor einigen Jahren geschlossen. Doch jetzt wird der bewegten Hauschronik ein weiteres Kapitel hinzugefügt: In den Gebäudetrakt kehrt wieder Leben ein. Sogar Bier soll gebraut werden.
Es klingt beinahe unglaublich, was Bürgermeister Wolfgang Daschner am Mittwoch bei einem Termin im Rathaus vermelden konnte. Ihm und einem engagierten Team von Unterstützern ist es gelungen, den zentralen Anlaufpunkt des Ortes wiederzubeleben.
Trinken und Karten spielen
Daschner gab zunächst einen Einblick in die Geschichte des Hauses. Bereits im Jahr 1911 gründete sich in der Gaststube der Zimmerstutzenschützenverein. „Man trank, spielte Karten und wenn einer aufgerufen wurde, schoss er durch ein Loch in der Wand auf die Scheibe in einem benachbarten Raum und widmete sich dann wieder seiner vorherigen Beschäftigung.“ Über die Jahre gab es auch eine Brauerei, die bis 1930 das „Schmidbräu“ reifen ließ. Zu den legendärsten Figuren zählte Metzgermeister und Wirt Franz-Xaver Pongratz, den alle nur „Jack“ nannten. Faschingsfeiern, Hochzeiten und vieles mehr, der Landgasthof an der Staatsstraße 2154 war ein beliebter Anlaufpunkt. Doch dann war Schluss. Erst drehte der Wirt den Schlüssel um, dann machte der Metzger dicht.
Daschner konnte und wollte das nicht akzeptieren. So fand sich mit der Müller Immobilien GmbH ein regionaler Investor, der den Gebäudekomplex übernahm. Der hat zunächst einen Pizza-Abholservice für das ehemalige Gasthaus gefunden: „Er möchte es langsam angehen lassen. Wenn das funktioniert, möchte der Pächter einen regulären Restaurantbetrieb starten und vielleicht im Ober- und Dachgeschoss auch Fremdenzimmer einrichten“, sagt Müller. Klappt das nicht, will man statt der Zimmer, Wohnungen daraus machen.
Der Schützenverein, der noch im Haus aktiv ist, soll vom Keller in den Saal umziehen und so mehr Platz bekommen. Auch ein Metzger hat bereits sein Interesse angemeldet. „Aber ich brauche Mitarbeiter, hat er zu mir gesagt“, erinnert sich Daschner. Also ist der Rathauschef losgezogen und hat ehemalige Verkäuferinnen gefragt ob sie nicht Interesse an dem Job hätten. Er sagt: „Die Gespräche waren fruchtbar, wir sind zuversichtlich, dass sich etwas bewegt.“
Ein Glücksfall für den Ort
Derjenige, den Landrat Franz Löffler in seinen Grußworten als Glücksfall für Gleißenberg bezeichnet, ist der junge Braumeister Andreas Mayer. Er ist tief verwurzelt in der Gemeinde, steht im Tor des Fußballclubs und ist Mitglied in weiteren Vereinen. „Meine Motivation war nicht primär der wirtschaftliche Gedanke. Ich mache das vor allem für das Dorf und die Gemeinschaft. Ein Gasthof und eigenes Bier, das zieht ungemein. “ Der 23-Jährige hat darüber hinaus viele Ideen, wie er wieder mehr Leben ins Dorf bringen will. Vor vier Jahren hat Mayer seine Ausbildung bei Dimpfl-Bräu begonnen. „Dann kam Corona, und ich habe begonnen, in der Waschküche meiner Mutter Bier zu brauen.“ Die Reaktionen der Tester waren positiv: „Kann man trinken“, hieß es.
Also hat er sich daran gemacht, seine Idee zu verwirklichen und stieß überall offene Türen ein. Auch beim Amt für ländliche Entwicklung in Tirschenreuth. Dort war man laut Abteilungsleiter Frank Langguth so begeistert von der Idee, dass man den Antrag des Jungunternehmers bewilligte und das Vorhaben mit 45 Prozent (25000 Euro) fördert. Damit war der Weg frei. Mayer hat eine gebrauchte Anlage gefunden, die bestens in Schuss ist, Umbaustart ist in circa zwei Wochen und im Frühjahr soll das erste Bier gebraut und bei der Brauerei Dimpfl auf Flaschen gezogen werden. Bis zu 6000 Liter könnte Mayer im Monat brauen. Vor allem in Gleißenberg und in der Umgebung bis Furth im Wald möchte er Kunden von seinem Gerstensaft überzeugen.
Von einem sehr bemerkenswerten Ereignis sprach Löffler. „Eine lebenswerte Heimat zu entwickeln ist ja unser oberstes Ziel.“ In den letzten Jahren habe sich da vieles verändert. Ob dieser Automatismus, geänderten Einkaufsverhaltens und voranschreitender Digitalisierung zum besseren führe, müsse man erst sehen, denn: „Wir erleben an vielen Orten, wie Veränderungen sichtbar werden“, sagte Löffler und meinte im konkreten Beispiel Leerstände. Andreas Mayer ist für ihn ein gutes Beispiel, „dass wir das, was wir vor Ort leisten können, auch vor Ort produzieren sollten.“
Jungbrauer Andreas Mayer aus Gleißenberg im Landkreis Cham
Andreas Mayer ist 23 Jahre alt und hat im vergangenen Jahr die Prüfung zum Braumeister und Mälzer als Jahrgangsbester der Innung Niederbayern/Oberpfalz abgelegt. Sein Handwerk gelernt hat er bei der Brauerei Dimpfl in Furth im Wald.
Ab Frühjahr 2024 möchte er in seiner Heimatgemeinde das Mayer-Bier brauen. Zunächst ein Helles, später sollen Biere zu bestimmten Anlässen, wie Kirchweih dazu kommen. Das Brauereilogo soll die Silhouette rund um den Hausberg Burgstall zeigen.
