Geht der Stadtbau-Plan fürs Regensburger Bosch-Gelände auf?

Von Juliana Ried · 13. Oktober 2023 um 10:00

Dem Gestaltungsbeirat fehlt in dem günstigen Wohnquartier Qualität. Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft wäre froh, wenn sie es überhaupt bald realisieren könnte.

Dass dieses Projekt schwierig ist, ließ sich schon vor dem Termin der Stadtbau mit den Architekturwächtern erahnen. Hatte die Stadt doch bereits 2017 das frühere Areal des Bosch-Kundendienstes gekauft, damit dort geförderte Wohnungen entstehen. Sechs Jahre später ist das Gelände eine Brache. Es gibt zwar inzwischen einen Entwurf. Doch wann dieser realisiert werden kann, ist offen, wie sich am Donnerstag im Gestaltungsbeirat zeigte.

Circa 95 Wohnungen plant die Stadtbau an der Guerickestraße, von der Einzimmer- bis zur Vierzimmerwohnung für Familien. Stadtbau-Chef Götz Keßler stellte klar: „Für uns ist das ein sehr wichtiges Bauvorhaben. Wir glauben, dass das Haus an einer sehr wichtigen Stelle in Regensburg steht, direkt am Safferlinger Steg, wo ganz viel Bewegung und Treffen möglich ist.“ Der aktuelle Plan mit zwei Zeilen parallel zu den Bahngleisen schließe an die städtebauliche Figur des Kasernenviertels und die 60er-Jahre-Bauten dort an, so der von der Stadtbau beauftragte Oliver Noak vom Münchner Architekturbüro Dreisterneplus. Sechsstöckig ist das eine Gebäude, das auch als Lärmschutz zur Bahn dient, vierstöckig das zur Guerickestraße orientierte. Die beiden Riegel kippen leicht auseinander, um einen privaten Innenhof herzustellen. So weit entsprach das Modell dem städtebaulichen Entwurf, den der Gestaltungsbeirat schon kannte.

Café fiel weg: Dafür bräuchte es mehr Parkplätze

Die Idee des Schrägdachs habe nicht weiter verfolgt werden können, so Noak. Die Dächer sind jetzt flach. Ursprünglich sollte die Technik oben Platz finden, jetzt soll das im Untergrund stattfinden. Auch das ursprünglich geplante Café fehlt nun. Dafür müsste die Stadtbau 20 Parkplätze mehr nachweisen, dafür aber ist kein Platz. Radstellplätze und Müllhäuschen mussten raus in den Hof. Die Gebäude sollen eine Holzfassade mit einer textil anmutenden Schalung sowie Loggien und Laubengänge aus Fertigteilen bekommen.

Gestaltungsbeirätin Lisa Ehrensperger sah die Veränderungen am Entwurf kritisch. „Die Großform verliert an Spannung und Dynamik“, so lautete ihre Kritik an den flachen Dächern. Der Eindruck werde durch die starke Gliederung der niedrigeren Zeile verstärkt. Sie sagte auch: „Die dichte Überbauung verlangt nach einer sehr hohen Qualität an Freiraum.“ Der „Hüttenzauber“ mit Rädern und Müll draußen aber schwäche diesen, dabei gebe es mit dem Hof und der Platzsituation am Steg viel Potenzial. Ehrensperger forderte, draußen Platz freizuräumen, dafür Wohnfläche im Erdgeschoss zu opfern. Vielleicht lasse sich das teilweise mit Flächen unter dem Dach kompensieren.

Gestaltungsbeirätin nennt Projekt „Leuchtturm“

Sie wünsche sich, dass das Projekt realisiert werden könne, es sei „fast so etwas wie ein kleiner Leuchtturm“. Ehrenspergers Kollege Tobias Wulf ergänzte, es sei „total schade“, dass das Café als Gemeinschaftsfläche weggefallen sei.

Keßler entgegnete den Beiräten: „Ich unterschreibe das voll und ganz. Aber wir kämpfen natürlich momentan mit extremen Baukosten.“ Die Stadtbau müsse möglichst viel vermietbare Fläche schaffen, um das Projekt ab 2024 überhaupt realisieren zu können. „Wenn wir die Wirtschaftlichkeit nicht darstellen können, können wir das Projekt auch nicht bauen.“

Stadtbau-Chef Götz Keßler ist mit steigenden Baukosten konfrontiert. Foto: Julia Ried