Nach Großbrand im Bayerischen Hof in Rimbach erklärt der Inhaber, wie es weitergehen soll

Es ist nahezu menschenleer im Bayerischen Hof in Rimbach im Kreis Cham. Die aufgereihten Sitzgruppen vor der Lobby am Haupteingang, sonst von Gästen belagert, sind verwaist. Dort warten Betriebsleiterin Marianne Göstl, Inhaber Andreas Gsellhofer und Bürgermeister Heinz Niedermayer. Sie ziehen eine erste Bilanz der Schäden, erklären, wie es weitergehen soll und kann.
Noch gibt es sehr viele Fragezeichen. Sicher ist inzwischen, dass der Bayerische Hof seinen Betrieb in diesem Jahr nicht mehr aufnehmen wird.
Nur wenige Schritte weiter beim Wintergarten im Innenhof zeigt sich, welche verheerenden Spuren der Brand Ende September im Untergeschoss hinterlassen hat. Das Feuer war in einem Lagerraum, in dem unter anderem Geschenke, Stoffe sowie Ware für den Hotelladen aufbewahrt wurden, ausgebrochen.
Der Wintergarten muss weg
Der Treppenaufgang und der darüberliegende Wintergarten und die Bayerwald Stube (ehemaliger Tanzsaal) sind vollständig zerstört. Wie Andreas Gsellhofer im Gespräch informiert, müsse der Saal entkernt, der Wintergarten abgerissen werden. Nachdem die Untersuchungen der Brandgutachter von Polizei und Versicherung abgeschlossen waren, konnte eine Spezialfirma vor wenigen Tagen mit den Aufräumarbeiten beginnen.
Der betroffene Hotel-Komplex ist mittlerweile leer und zugänglich, der Treppenzugang ist komplett geräumt. Doch das sei nur ein Bruchteil der Maßnahmen. Es wurden zu Wochenbeginn Abschottungen zu den weniger betroffenen Bereichen gebaut. Erste Reinigungsmaßnahmen in der Nähe des Brandherdes können nun anlaufen. Das Hotelpersonal wird dabei helfen.
Ungewissheit ist groß
Der Schaden liege im Millionenbereich – soweit überhaupt schon überschaubar, schätzt Inhaber Andreas Gsellhofer. Das große Problem sei, dass noch Ungewissheit besteht, was noch verwendet werden kann. Betroffen von starken Rußablagerungen und Brandgeruch seien die Treppenhäuser, die Speisesäle und die Küche sowie der Wellnessbereich. Zumindest der Neubau sei kaum in Mitleidenschaft gezogen worden. Dazu komme, dass sämtliche Geräte, Schankanlage, Maschinen und Leitungen sowie Isolierungen gereinigt und überprüft werden müssen. Wobei sich dann erst zeige, ob sie überhaupt noch brauchbar sind. Chemiker untersuchten mehrere Tage die Verrußungen auf Schadstoffrückstände. Das Ergebnis der Proben stehe noch aus.
Ruß- und Geruchsschäden
Besonders bitter: Die Küche wurde vor nicht all zu langer Zeit erneuert, ebenso waren etliche Böden erst frisch verlegt worden. Die Frage sei stets, ist eine Wiederinbetriebnahme möglich oder eine Neuanschaffung nötig, sagt Marianne Göstl. Ebenso sei noch nicht geklärt, ob Balken und Holzverkleidungen abgeschliffen werden können oder herausgerissen werden müssen. Ob die massive Geruchsbelästigung in den Räumen durch eine Reinigung beseitigt werden kann, sei ebenfalls ungewiss. Die Hotelmanagerin geht allerdings davon aus, dass Betten, Decken und Matratzen entsorgt und erneuert werden müssen.
Neben dem Sachschaden und Umsatzausfall entstünde dem Hotel auch ein Image-Schaden, sagt Gsellhofer. Er befürchtet, dass viele Gäste, deren Urlaub nun storniert werden musste, abwandern in andere Regionen und Häuser und nicht mehr zurückgewonnen werden können.
Personal wird gehalten
„Es ist wie Corona 2.0“, verdeutlicht Gsellhofer seine derzeitige Lage, „allerdings betrifft es dieses Mal nur uns.“ Trotz aller Niedergeschlagenheit gibt es auch Lichtblicke. Sei es die Rückmeldung von Stammgästen, die Anteil nehmen und wiederkommen wollen oder die große Hilfsbereitschaft der Rimbacher und benachbarter Hoteliers.
Auf sein Stammpersonal, allen voran Betriebsleiterin Marianne Göstl, das sich bereits am Unglücksabend vorbildlich verhalten habe, kann sich Gsellhofer ebenfalls verlassen. Es wurde auch keinem Mitarbeiter gekündigt, wie er versichert. Sie werden gemeinsam den Neustart bewältigen. Denn das stehe fest: „Wir machen auf alle Fälle weiter“, sagt Göstl und tritt damit anderslautenden Gerüchten entgegen.
Andreas Gsellhofer ist es ein Anliegen, allen Helfern seine Dankbarkeit auszudrücken. Neben dem eigenen Personal seien das die Feuerwehren, besonders der örtliche Einsatzleiter Mario Mischok, der Rettungsdienst mit Tobias Muhr und Bürgermeister Heinz Niedermayer.
Der fügt an, dass nicht nur das Hotelmanagement, sondern auch die Gemeinde dankbar sei über die Hilfe des Landkreises mit Landrat Franz Löffler und KBR Michael Stahl, die durch den Katastrophenschutz schnelle Hilfe organisiert hatten.
„Wir müssen nach vorne schauen“, sagt Andreas Gsellhofer. Fest vorgenommen habe er sich, für das Personal eine Weihnachtsfeier zu organisieren – und, wenn alles soweit wieder im Lot ist, eine Dankeschönfeier für die Feuerwehr.
