Wo ist die AfD stark, wo die Grünen? Von alten und neuen Hochburgen im Stimmkreis Schwandorf

Von Thomas Rieke · 9. Oktober 2023 um 17:55

Am Montag, 16Uhr, stand es endlich so gut wie fest: Neben Alexander Flierl (CSU) sollte auch der Freie Wähler Martin Scharf den Stimmkreis Schwandorf im neuen Landtag vertreten. Der Neunburger Rechtsanwalt schaffte den Sprung ins Maximilianeum über die FW-Liste, auf der er auf Rang zwei nach vorne gewählt wurde.

Für Reinhard Mixl (AfD), den zweiten heißen Anwärter, reichte es am Ende doch nicht. Unabhängig davon lohnt ein Blick auf die politische Landkarte, die eindrucksvoll zeigt, wo die Protagonisten besonders punkten konnten, und wo für sie eher nichts zu holen war.

In den 33 Kommunen des Landkreises schnitten die Kandidaten teils sehr unterschiedlich ab. Allgemein lässt sich sagen: Die Hochburgen der CSU sind deutlich weniger geworden oder geschrumpft, die SPD hat gar keine mehr. Neben den FW hat sich auch die AfD zur festen Größe mit zweistelligen Ergebnissen entwickelt.

Zurück zur CSU: Ihr Spitzenkandidat, MdL Flierl, erzielte fast überall mindestens 30 Prozent der Erststimmen. Die absolut besten Resultate fuhr der Rechtsanwalt erwartungsgemäß in seiner Heimatgemeinde Oberviechtach (49,80 Prozent) sowie Weiding (48,7 Prozent) ein. Ziemlich „schwarz“ geblieben sind auch Guteneck, Nabburg, Niedermurach Schmidgaden, Schönsee, Stadlern, Teunz, Trausnitz, Wernberg-Köblitz und Winklarn. Dort sammelte Flierl jeweils mindestens 40 Prozent.

Staunen in der Großen Kreisstadt Schwandorf

In Oberviechtach ist es Flierl gelungen, AfD-Mann Reinhard Mixl klar auf Distanz zu halten. Der Schwandorfer Rechtspopulist erzielte aber auch hier noch beachtliche 18 Prozent. In der Großen Kreisstadt schrumpfte der Abstand zwischen dem erfahrenen CSU-Landtagsabgeordneten und dem AfD-Herausforderer auf rund 12,5 Prozent.

Martin Scharf, dem bis zum Urnengang nachgesagt worden war, er habe im Wahlkampf zu wenig Unterstützung erhalten, darf sich letztlich als einer der großen Sieger fühlen. Nicht nur, dass er Mixl im Erststimmenergebnis knapp übertraf, er holte mit 22,2 Prozent der Erststimmen sogar ein deutlich besseres Resultat als die frühere FW-Galionsfigur Joachim Hanisch. Am Ende reichte es sogar für einen Sitz im Landtag.

Die politische Landkarte, auf der die Freien Wähler orange dargestellt sind, belegt, dass auch der neue Abgeordnete in seiner Heimatregion am stärksten abgeschnitten hat. In Neunburg vorm Wald, wo er lebt und arbeitet, landete er bei 39 Prozent der Erststimmen. Genau so stark war er in Neukirchen-Balbini. Thanstein bescherte dem Freien Wähler mit 41,3 Prozent ein noch etwas besseres Resultat. In Maxhütte-Haidhof, wo mit Rudolf Seidl immerhin auch ein Unabhängiger Wähler Bürgermeister ist, reichte es für Scharf indes nur zu 18,1 Prozent. Und in Schwandorf hatte er gegenüber Mixl deutlich das Nachsehen, ebenso in der zweitgrößten Stadt des Landkreises, Burglengenfeld.

Mixl (AfD) holt reihenweise beachtliche Resultate

Wie eine blaue Seenlandschaft mit unterschiedlichen Schattierungen präsentiert sich die Karte für die AfD. Mixl holte fast flächendeckend Ergebnisse über 15 Prozent. In nicht weniger als 14Kommunen gelang es ihm sogar, die 20-Prozent-Marke zu knacken.

Am stärksten trumpfte der Rechtspopulist in der Marktgemeinde Bruck (26,2 Prozent) auf, nicht viel schlechter war er in Steinberg am See (24,4) und Schwandorf (23,2). In Burglengenfeld kam Mixl auf 22,8 Prozent. Wenige Tage vor der Wahl hatte er dort die von einem Berliner Nazi verbreitete Falschnachricht befeuert, das ehemaligen Ford-Autohaus Lell würde zu einer Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert. Der energische Protest des Immobilieneigentümers und von Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) scheint potenzielle AfD-Anhänger nicht mehr sonderlich beeindruckt zu haben.

Drei Trostpflaster für Peter Wein (SPD)

Apropos Burglengenfeld: Die Stadt ist Heimat des SPD-Direktkandidaten Peter Wein. Der 35-Jährige erzielte hier 17,8Prozent der Erststimmen – und damit rund dreimal so viele wie in den meisten anderen Gemeinden des Landkreises. Auch in den beiden weiteren Kommunen des Städtedreiecks landete der rote Kreisvorsitzende mit 16,4 Prozent (Teublitz) sowie 14,6 Prozent (Maxhütte-Haidhof) Achtungserfolge. Ob sie seinen Schmerz über das desaströse Gesamtergebnis von 9,1 Prozent gemildert haben?

Die Grünen-Kandidatin Hannah Quaas blieb im gesamten Kreisgebiet im einstelligen Bereich. Am meisten konnte sie noch im Städtedreieck punkten. 7,3 Prozent erzielte sie an ihrem Wohnort Teublitz, ebenso viele in Maxhütte-Haidhof. In Burglengenfeld war sie am Ende noch einen Tick (0,5 Prozent) besser. Auch für die Linke gibt es im Übrigen eine Karte, aus der herauszulesen ist, wo sie die meisten Sympathisanten hat. Ihr Kandidat Marian Janka erzielte in Stulln mit 1,5 Prozent sein bestes Resultat.