Flierl (CSU) lässt erneut Federn, Mixl (AfD) legt enorm zu

Von Thomas Rieke · 8. Oktober 2023 um 22:26

Die Schlacht ist geschlagen! Auch im Stimmkreis Schwandorf hatten die Wähler am Sonntag Gelegenheit mitzuentscheiden, wie sich der Landtag künftig zusammensetzt. Nur zum Teil war der Ausgang des Urnengangs relativ gut vorhersehbar gewesen. In weiten Teilen blieb es bis zuletzt spannend.

Dass der CSU-Abgeordnete Alexander Flierl (53) erneut das Direktmandat erobern würde, ist alles andere als eine Überraschung. Der Oberviechtacher Rechtsanwalt brachte es diesmal allerdings nur noch auf 35,5 Prozent der Stimmen, was gegenüber 2018 (37,95 Prozent) erneut eine leichte Verschlechterung bedeutet. Das Zweitstimmenergebnis der CSU liegt bei 37,2 Prozent.

Unterm Strich muss die CSU auch im Raum Schwandorf akzeptieren, dass es für sie derzeit unmöglich ist, an die Zeit anzuknüpfen, als das Überwinden der 40-Prozent-Marke eine Selbstverständlichkeit war.

Die Erwartung war von vornherein gedämpft

Schon kurz vor der Wahl hatte Flierl die Erwartungen nach unten geschraubt. Schließlich dürfe man nicht vergessen, dass die Zeiten „so herausfordernd sind wie nie“. Am Sonntag übte er sich in Bescheidenheit: „Ob ich zufrieden bin, spielt keine Rolle.“ Die „Demut gegenüber dem Wähler“ gebiete es, das Ergebnis anzunehmen, wie es sei.

Lesen Sie zu diesem Thema auch einen Kommentar von Redaktionsleiter Martin Kellermeier: Ein Ergebnis mit Ansage

So absehbar das Resultat des CSU-Politikers war, so nervenaufreibend verlief die Auszählung für mehrere andere Kandidaten. Die Umfragen hatten darauf hingedeutet, dass es regelrechte Kopf-an-Kopf-Rennen geben würde – im Raum Schwandorf speziell zwischen Freien Wählern (FW) und der AfD.

Der Neunburger Martin Scharf, der für die FW als Direktkandidat ins Rennen gegangen war, wollte nicht nur die AfD um den Schwandorfer Reinhard Mixl (62) in Schach halten. Er versuchte auch, in die Fußstapfen von Joachim Hanisch zu treten, der die FW über viele Jahre im Landtag erfolgreich vertreten hat.

Wie würde sich die Aiwanger-Affäre auswirken?

Die Gretchenfragen: Würde Scharfs Bekanntheitsgrad reichen? Und: Wie würde sich die Flugblatt-Affäre des FW-Spitzenkandidaten Hubert Aiwanger auswirken, die ja auch auf lokaler Ebene zu einem Scharmützel zwischen den FW und Landrat Thomas Ebeling (CSU) geführt hatte?

Letztlich konnte Scharf 22,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Ob das für den auf Listenplatz vier rangierenden Kandidaten für ein Mandat im Landtag reicht, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest.

Reinhard Mixl, AfD, hatte bei der Landtagswahl 2018 aus dem Stand heraus rund 14,5 Prozent geholt – und legte kräftig zu. Mit 20,8 Prozent der Erststimmen lag er auf Augenhöhe mit Scharf. Zwischenzeitlich hatte es zumindest in den Wahllokalen der Großen Kreisstadt danach ausgesehen, als würde Mixl sogar den Konkurrenten der CSU ausstechen. Das Parteiausschlussverfahren, das die AfD gegen Mixl in die Wege geleitet hatte, hat ihm offenbar nicht geschadet. Da Mixl auf der Oberpfalzliste aber nur Rang sechs ergattern konnte, war der Einzug ins Maximilianeum am Abend nicht garantiert. Das bärenstarke Zweitstimmenergebnis (21,3 Prozent und damit mehr als die FW) spräche aber dafür.

Erneutes Debakel für die SPD und Peter Wein

Eine weitere herbe Niederlage musste Peter Wein (35), SPD, einstecken. Der Burglengenfelder Stadt- und Kreisrat unternahm ebenfalls bereits einen zweiten Anlauf. Mit großem Engagement hatte er sich im Wahlkampf gegen den Trend der Sozialdemokraten gestemmt – vergeblich. Wein erzielte nur 9,1 Prozent der Erststimmen, was gegenüber 2018 ein Minus von 2,5 Prozent bedeutet. Weins Vorgänger Franz Schindler hatte 2013 noch mit über 25 Prozent der Stimmen geglänzt.

Mit Spannung wurde auch das Ergebnis der Grünen erwartet, für die die Teublitzerin Hannah Quaas (32) in den Ring gestiegen war. Die Wirtschaftsingenieurin hatte es sich zum Ziel gesetzt, das Ergebnis ihres Mannes, der 2018 fast acht Prozent eingefahren hatte, zu übertreffen. Sie landete aber nur bei 5,5 Prozent. Bei den Zweitstimmen waren die Grünen nur unwesentlich besser, was die Kluft zu den Großstädten verdeutlicht (Regensburg über 24 Prozent).

Für Janette Stopkova, Direktkandidatin der FDP, war großes Zittern angesagt – nicht dass sie sich persönlich große Hoffnungen gemacht hätte, in den Landtag einzuziehen, Das Augenmerk galt der Partei selbst. Als kurz nach 18 Uhr schon feststand, dass die FDP diesmal an der Fünf-Prozent-Marke scheitern würde, war das eigene Resultat (1,2 Prozent) erst recht Nebensache.

Die Wahlbeteiligung und weitere Details

Lage: Im Kreis Schwandorf waren 114101 Bürger stimmberechtigt. 74,5 Prozent nahmen von ihrem Wahlrecht Gebrauch – viele davon per Brief. Vor fünf Jahren lag die Quote bei rund 71,41 Prozent, was gegenüber 2013 ein Plus von 9,5 Prozent bedeutet hatte.

Veränderungen: Zur Wahl stellten sich heuer zwölf Parteien: CSU, SPD, Freie Wähler, Grüne, AfD, FDP, ÖDP, Bayernpartei und Die Linke. Ergänzt wurde das Spektrum durch die Basis, die V-Partei³ und Volt. Die Piraten präsentierten keine Liste mehr.

Kurios: Trotz Rang drei auf der Oberpfalzliste hatte Matthias Meier (CSU), Maxhütte-Haidhof, keine Chance, den Sprung in den Landtag zu schaffen. Der Grund: Der Erfolg der Partei. Mit den Direktmandaten hat sie bereits mehr Sitze erobert, als ihr prozentual zustehen.

In den Wahllokalen der Stadt Schwandorf herrschte schon zu früher Stunde reger Betrieb. Foto: Dietmar Zwick