Ende einer Ära in Neumarkt: Letzte Schwestern verlassen das Haus St. Marien

Von Wolfgang Endlein · 7. Oktober 2023 um 05:00

Seit 1951 prägten insgesamt 170 Niederbronner Schwestern so manches Kindergartenkind, so manchen Schüler, Azubi und Mitarbeiter im Haus St. Marien. Nun ziehen die letzten sechs Ordensfrauen dort aus. Für das Haus ist es ein Verlust, aus dem sich aber auch etwas Gutes ziehen lässt.

Am Freitag verabschiedete sich das Haus St. Marien mit allen seinen Zweigen vom Kindergarten über Grundschule bis hin zu den Berufsfachschulen von der Schwesterngemeinschaft um Hausoberin Martha Maria. Oberbürgermeister Thomas Thumann war nur einer von vielen Rednern, die den Schwestern für ihr langes Wirken dankten. Pfarrer Stefan Wingen lobte die positive Grundstimmung der Feier und die Haltung der Schwestern, mit der diese den Abschied angingen.

Als „Mary-Heim“ in Neumarkt bekannt

„Jede Veränderung braucht Kraft, aber viele Menschen stehen vor Veränderungen, auch wir“, sagte dazu Schwester Martha Maria. Sie erinnerte an die Worte der Ordensgründerin: „Habt Mut, Gott ist mit Euch“.

Tränen waren dennoch bei so manchem Anwesenden zu sehen. Es ist schließlich eine Ära, die im „Mary-Heim“, wie es die Neumarkter nennen, zu Ende geht. Aus den Kern einer Hauswirtschaftsschule baute der Orden im Laufe der Jahrzehnte eine Bildungsstätte mit vielen Zweigen auf. Zunächst im benachbarten Kloster St. Josef angesiedelt, zog diese 1951 in das neu errichtete Haus St. Marien.

Jahrzehnte lang waren Schwestern fester Bestandteil des Personals, doch die gesamtkirchliche Entwicklung in Deutschland macht auch vor dem Orden nicht halt. Er leidet seit Jahren unter Nachwuchsmangel. So sind die letzten sechs Schwestern im Haus St. Marien alle jenseits der 80 Jahre. Zuletzt brachten sie sich noch ehrenamtlich ein. Beispielsweise im Pfortendienst, in der Gartenpflege oder einfach durch ihre Präsenz und so manches gute Wort. Sie seien der gute Geist gewesen, bekamen die Ordensfrauen am Freitag immer wieder zu hören.

Daran erinnern sich die Niederbronner Schwestern aus ihrer Zeit im Haus St. Marien

Ihren späten Lebensabend werden die Frauen künftig nebenan im Kloster St. Josef bzw. dem Alten- und Pflegeheim St. Alfons verbringen.

Sie gehen quasi nach nebenan mit zahlreichen Erinnerungen an ihre meist vielen Jahrzehnte im Haus St. Marien. „Wir behalten viel Gutes in Erinnerung, wie die große Vielfalt in unserem Haus“, sagte Martha Maria. Vom Kleinkind bis zum Erwachsenen, die vielen guten Gespräche im Haus und an der Pforte, das Miterleben von Festen und Feiern, das gemeinsame Beten und auch Mittragen der Sorgen und Nöte der jungen Menschen und sie beim Wachsen und ins Leben hineinreifen begleiten zu dürfen.

Schwester Liberata, einst Hauswirtschaftslehrerin, ist stolz auf die Rückmeldung mancher früheren Schülerin: „Ich mache es so, wie ich es bei Ihnen gelernt habe“. Und Schwester Maria, die einst die Küche leitete, ist froh, „dass die Schule weitergeführt wird mit weltlichen Kräften in unserem Sinne für die Bildung junger Menschen“.

Haus St. Marien wird generalsaniert für Akademie für Gesundheitsberufe

Der Auszug der Schwesterngemeinschaft bedeutet nämlich nicht, dass das Engagement der Trägergesellschaft des Ordens in Neumarkt davon betroffen wäre. Im Gegenteil: Vielmehr engagiert sich die TGE stärker denn je in Neumarkt.

An der Akademie für Gesundheitsberufe, die den Mitarbeitermangel in der Region entgegenwirken soll, ist sie beteiligt (wir berichteten). Das Haus St. Marien soll der zentrale Standort der Akademie werden. So hat der Auszug der Schwestern bei aller Trauer auch etwas Gutes: Den frei werdende Platz kann die Akademie gut brauchen. In den kommenden Jahren steht daher eine Generalsanierung an. Die Schwestern werden diesen aus der Nachbarschaft sicher aufmerksam verfolgen.