Schülerin aus Neustadt a.d. Donau segelt auf der Thor Heyerdahl über den Atlantik

Der Seesack und die Rucksäcke sind gepackt, am 8. Oktober geht es los. Dann startet Amelie Schäfer aus Neustadt in ein großes Abenteuer. Sie nimmt am Projekt „Klassenzimmer unter Segeln“ der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg teil und reist auf dem Segelschiff „Thor Heyerdahl“ über den Atlantik.
196 Tage werden sie und 33 weitere Schüler aus ganz Deutschland unterwegs sein und auf den Spuren großer Entdecker wandeln. Bei zum Teil mehrwöchigen Landaufenthalten lernen sie Teneriffa, die kleinen Antillen, Panama, Kuba und die Azoren sowie ihre Bewohner näher kennen. Begleitet werden sie von der 16-köpfigen Stammbesatzung des Schiffs, zu der auch fünf Lehrer zählen.
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„Klassenzimmer unter Segeln“ gibt es seit 2008. Wie es auf der Projekt-Homepage dazu heißt, ist es „mehr als Unterricht. Es ist ein Lebens-, Erfahrungs- und Lernraum, in dem die Jugendlichen ihre gesamte Persönlichkeit entwickeln und entfalten können“. Amelie freut sich auf das Abenteuer. Die Neustädterin besucht das Johannes-Nepomuk-Gymnasium in Rohr und wurde an der Schule auf das Projekt aufmerksam. Ihr Interesse war schnell geweckt. „Man sieht mehr als nur ein Land, lebt in der Gemeinschaft und lernt Segeln“, schwärmt die 15-Jährige schon vor der Abreise.
Im Regenwald unterwegs
Neben dem Bordalltag, zu dem abwechselnd auch verschiedene Dienste wie Backschaft (Küchendienst)oder Reinschiff (Putzdienst) gehören, kommt auch der Unterricht nicht zu kurz. Die Schüler werden unter anderem in Chemie, Biologie, Deutsch, Englisch und Geographie unterrichtet und haben Zeit, den Schulstoff von zuhause nachzuarbeiten. Auch Spanisch steht auf dem Stundenplan - und das nicht nur an Bord. In Panama werden sie knapp eine Woche in der dortigen Sprachenschule unterrichtet.
Auf den Aufenthalt dort und auf den Azoren freut sich Amelie besonders. Vor allem die Natur dort sei sehr interessant. In Panama werden die Schüler zum Beispiel im Regenwald unterwegs sein und auf den Azoren Portugals höchsten Berg, den Pico, besteigen.
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Damit sie für alle Eventualitäten gerüstet ist und auch nichts vergisst, bekam Amelie eine umfangreiche Packliste. Und so finden sich neben T-Shirts und Shorts auch Moskitonetz, Ölzeug für die stürmischen Tage an Board und Geschenke für die Gasteltern, die ihre Heimat repräsentieren, in ihrem Seesack. Amelie hat sich für Neustadt-Taschen, gefüllt mit Handtuch, Moorseife und einer süßen Leckerei, entschieden. Dabei bekam sie Unterstützung von der Stadt Neustadt. Nicht in den Seesack passt das Drei-Gang-Fahrrad, mit dem sie Kuba erkunden wird. Das Rad ist eine Spende vom Rotary-Club Neustadt-Vohburg und wird dann als Spende in Kuba bleiben.
Mehrere Wochen auf See
Zwischen den Landaufenthalten sind die Schüler zum Teil auch mehrere Wochen auf See unterwegs. In der Zeit zählen auch Praktika und verschiedene Workshops zum Tagesablauf. Amelie hat sich für Öffentlichkeitsarbeit entschieden.
Regelmäßig wird sie den KUS-Blog befüllen und in mehreren Artikeln den Lesern der Mittelbayerischen über ihre Erlebnisse berichten, auch wenn Deutsch nicht unbedingt zu ihren Lieblingsfächern gehört, wie sie gesteht. „Aber es ist eine schöne Vorstellung, dass ich an Artikeln beteiligt bin, die meine Eltern später lesen werden“, sagt Amelie, die sich auf die Gemeinschaft an Bord freut.
Kurs auf Teneriffa
Ihre Mitreisenden hat sie beim Probetörn auf der Schlei kennengelernt. „Die Leute sind alle sehr nett. Ich freue mich, sie näher kennenzulernen.“ Zwischen 150 und 200 Schüler hatten sich für das Projekt „Klassenzimmer unter Segeln“ beworben, 50 wurden zum Probetörn eingeladen. Schlussendlich erhielten 34 eine Zusage.
Am 8. Oktober startet das Abenteuer. Dann läuft die Thor Heyerdahl aus ihrem Heimathafen Kiel aus und nimmt Kurs auf Teneriffa. Auch wenn die Vorfreude überwiegt, ist sich Amelie sicher, in den nächsten sechseinhalb Monaten vor allem ihre Familie, die beiden Hunde und ihre Freunde zu vermissen. Am 20. April wird das Schiff nach rund 12.000 Seemeilen zurück in Kiel erwartet. Dann kann sie ihre Lieben wieder in die Arme schließen.
