Neue Leiterin, mehr Natur: Kindergarten St. Josef in Berching verändert sich

Wald- und Naturkindergärten werden im Landkreis Neumarkt immer beliebter. In Berching fehlt bis dato eine Einrichtung dieser Art. Jetzt macht die Kita St. Josef einen ersten Schritt in diese Richtung. Ein klassischer Naturkindergarten soll die Kita allerdings nicht werden.
Denn Einrichtungen im Wald haben in der Regel lediglich eine Hütte oder einen Bauwagen als Unterschlupf. Ansonsten halten sich die Kinder draußen auf. So drastisch wie etwa in Berg, Beilngries, Dietfurt oder Lauterhofen wird die Veränderung für die Kinder in Berching nicht. „Unser Gebäude in der Sollngriesbacher Straße bleibt weiterhin bestehen“, sagt Jasmina Lindner, die im September die Leitung von St. Josef von ihrem Vorgänger übernommen hat.
Kita St. Josef in Berching: Die Natur steht im Fokus
„Wir wollen etwas Neues anbieten, weil es in Berching keinen Waldkindergarten gibt“, sagt Lindner. Zudem liege ihr die Natur am Herzen, ebenso ihrem Team. „Und unsere Kinder lieben es, draußen zu spielen“, sagt Lindner.
Deshalb legt der Kindergarten seinen pädagogischen Schwerpunkt künftig auf die Natur. Den Kindern solle von Grund auf vermittelt werden, wie schützenswert unsere Natur sei, ergänzt Sarah Fromm, die stellvertretende Leiterin.
Grundsätzlich will die Kita mehr Zeit in der Natur verbringen. Natürlich habe es zuvor bereits Waldtage und -wochen gegeben und die Kinder haben draußen gespielt, sagt Lindner. Aber jetzt solle die Zeit im Freien intensiviert werden.
Der tägliche Morgenkreis findet nun öfter draußen statt. Zudem muss die Turnstunde nicht immer in der stickigen Halle stattfinden. „Gleichgewichtsübungen kann man auch auf einem unebenen Boden draußen machen“, sagt Lindner. Auch andere Angebote sollen nun vermehrt draußen über die Bühne gehen, etwa die Betrachtung eines Bilderbuchs, ergänzt Fromm.
Gleichzeitig wolle die Einrichtung auch andere Angebote verändern. „Man muss nicht immer mit allen Kindern ein Bastelangebot durchführen“, meint Fromm. Natürlich werde weiterhin in der Kita gebastelt – aber ohne Druck und mehr entschleunigt. „Und wenn unser Bastel-Lager leer ist, wollen wir vorausschauender bestellen und mehr mit Naturmaterialien arbeiten“, ergänzt Lindner.
Bereits im Sommer hat die Einrichtung damit begonnen, die neue Ausrichtung in die Praxis einfließen zu lassen. Mit Start des neuen Kindergartenjahres im September legt das Personal nun richtig los. Begleitet wird das Team dabei von Elisabeth Höflmeier aus Aschbuch.
Die Erzieherin ist unter anderem Waldgesundheitstrainerin und leitet Fortbildungen für Lehrer, Erzieher und andere Berufsgruppe. Ihr Ziel: Die Menschen zurück auf die Natur besinnen. Nachhaltigkeit, Achtsamkeit, ganzheitliche Gesundheit und Spiritualität spielen für Höflmeier dabei eine wichtige Rolle, wie sie sagt.
Im Zentrum stehe die Frage: Was brauchen die Kinder heute, dass sie auch morgen gesund sind? Höflmeier liefert die Antwort: „Um gesund zu bleiben, braucht es eine gute Verbindung zu den vier Punkten Ich, Du, Natur und Gott.“
Kita in Berching sucht einen Wald oder eine Wiese
Um noch mehr Zeit in der Natur zu verbringen, wünscht sich die Kita-Leiterin einen eigenen Platz im Freien mit einem kleinen Bauwagen. „Ein Stück Wiese oder Wald, wo wir auch einmal etwas für den nächsten Tag liegen lassen können, wäre super“, sagt Lindner.
Aktuell nutzt die Einrichtung neben dem eigenen Garten auch eine öffentlich zugängliche Wiese in der Nähe. Ein Unterschlupf und eine Absperrung zum naheliegenden Gewässer gibt es aber nicht. Dort einen Bauwagen aufzustellen und einen Zaun zu errichten, ist nach Angaben der Stadtverwaltung allerdings nicht ohne Weiteres möglich. Die Kinder dürfen zwar wie jeder Bürger die öffentlich zugänglichen Flächen sehr gerne nutzen. „Wenn dort aber offiziell Kindergarten-Betrieb herrscht, gibt es Auflagen.“ Zur weiteren Prüfung bedarf es einer offiziellen Anfrage des Trägers, heißt es aus dem Rathaus.
Kita in Berching: Info-Abend am 17. Oktober um 19 Uhr
Einen Vertreter der Stadt hat das Kita-Team auch zu einem Info-Abend am 17. Oktober eingeladen. Auch weitere Interessierte und Eltern sind dazu ab 19 Uhr in der Kita willkommen. Die Kita und die Waldgesundheitstrainerin informieren über die Neuausrichtung.
