Immer weniger Kunden: Berching will den Viehmarkt retten

Gewürze, Gemüse, Fleisch, Brot, Kleidung: Diese und viele weitere Produkte können Kunden am Waren- und Krammarkt in Berching (Landkreis Neumarkt) einkaufen. Das Angebot ist vorhanden – doch die große Nachfrage bleibt aus. Jetzt sind neue Ideen gefragt.
Dass immer weniger Kunden kommen, hat auch die Stadtverwaltung registriert. Deshalb versuchen Mitarbeiter wie Gottfried Prskawetz (Ordnungsamt) und Veronica Platzek (Stadtmarketing) den früheren Viehmarkt wieder zu beleben. „Wir wollen den Bürgern die Angebote wieder vor Augen führen“, sagt Platzek. Ein erster Schritt war, das Titelblatt des Mitteilungsblatts im September mit Bildern vom und Informationen über den „Bachama Vaichmag“ zu gestalten.
Waren- und Krammarkt in Berching: Händler setzen auf Qualität
Diese Werbung haben die Händler zur Kenntnis genommen. Brigitte und Franz Haneschka, die seit über 45 Jahren Strumpfwaren in Berching verkaufen, freuen sich zwar über die Werbe-Aktion, ob diese nachhaltig etwas bewirkt, zweifelt das Ehepaar jedoch an.
Konkrete Ideen, wie man den Markt wieder attraktiver gestalten kann, hat Franz Haneschka nicht. Ein Ansatzpunkt für ihn sei aber, dass alle Händler gute Qualität verkaufen müssten. Nur wenn die Kunden zufrieden seien, kämen sie wieder, sagt Haneschka. „Verkauft auch nur einer der Händler schlechte Ware, wirkt sich das auf den ganzen Markt aus.“
Der Berchinger Viehmarkt hat Tradition. Bereits seit dem 15.Jahrhundert herrscht Markttreiben in Berching. Früher erstreckte sich der Viehmarkt über die gesamte Innenstadt bis hinaus zur Lorenzstraße. In der Forstergasse wurden zudem Kleintiere verkauft.
Tiere werden auf dem Waren- und Krammarkt längst nicht mehr gehandelt. Auch die Zeiten, in denen Reichenau- und Pettenkoferplatz voller Menschenmassen waren, sind vorbei. Die Kunden werden weniger. Seit der Sanierung des Pettenkoferplatzes findet der Markt nur noch am Reichenauplatz statt. Zwischen acht und 15 Händler bieten jeden zweiten Dienstag (im Wechsel mit Beilngries) von 8 bis 12.30Uhr ihre Waren an.
Händler vergleichen Märkte in Berching und Beilngries
„Seit der Markt am Reichenauplatz ist, geht es bergab“, findet Franz Haneschka. Warum, weiß er nicht. Ein Problem könnte das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt sein. Für ältere Menschen mit Rollator sei dies eine Herausforderung. Zudem sterbe die Innenstadt aus. „Wenn es in Berching weiter so bergab geht, überlege ich, nur noch nach Beilngries zu fahren“, sagt Haneschka, der früher den Berchinger Markt besser als den in Beilngries fand – heute nicht mehr. Ohnehin lohne sich Berching finanziell kaum noch für ihn.
Auch Angela Vipic macht nach eigenen Angaben mit ihrem Nähbedarf mehr Umsatz in Beilngries als in Berching. Im Nachbarort sei mehr Leben in der Stadt. Wenn der Markt in Berching einmal im Monat stattfände, reichte ihr das auch. Den Tag oder die Uhrzeit würde sie nicht ändern. Den Markt auf einen anderen Tag zu verlegen, sei sowieso schwierig, weil die Woche der Händler durchgetaktet sei.
Jeden zweiten Dienstag ist Viehmarkt in Berching
Claudia und Franz Koller sind mit dem Rad von Erasbach zum Viehmarkt gefahren. „Nur wegen der Gewürze“, sagen sie. Irmgard Stephan dagegen kaufe regelmäßig auf dem Berchinger Viehmarkt ein. Mode, Gewürze, Wurst, Käse, die Atmosphäre und den Plausch unter den Leuten schätze sie. „Es wäre schade, wenn der Markt aussterben würde“, sagt die Berchingerin.
Soweit will es die Stadt nicht kommen lassen. „Wir wollen die Tradition aufrechterhalten“, sagt Platzek, die ein allgemeines Marktsterben ausmacht – nicht nur in Berching.
Für Egon Zöcklein, der seit über 40 Jahren Gemüse auf dem Markt in Berching anbietet, ist klar: „Letztlich entscheiden die Kunden, wie es mit dem Markt weitergeht.“ Kommen die Kunden, bleiben auch die Händler. Die nächste Gelegenheit zum Einkaufen haben die Berchinger übrigens am 17.Oktober.
