Wo Stadt sparen soll: An diesen Stellen würden Berchinger Bürger schrauben

Eine mögliche Sanierung oder ein Neubau der Grund- und Mittelschule hängt finanziell wie ein Damoklesschwert über der Stadt Berching. Um dieses Großprojekt zu stemmen, muss an anderen Stellen gespart werden. Unsere Zeitung hatte einen Aufruf gestartet und Leser gefragt, wo die Stadt sparen könnte.
Rückblick: Im August hatte der Zweite Bürgermeister Christian Meissner zu einer internen Stadtratsklausur mit Mitarbeitern aus dem Rathaus geladen. Dabei präsentierte die Verwaltung einen ersten Entwurf einer Prioritätenliste.
Diese hatte die Rechtsaufsicht am Landratsamt Neumarkt gefordert, nachdem sie die Berchinger Finanzplanung bis 2026 bemängelt hatte. Auf der Liste stehen laut Meissner um die 150 Projekte, die priorisiert werden müssen. Welche Aufgaben muss und will die Stadt in den kommenden zehn Jahren vorrangig anpacken? Wo kann die Stadt sparen?
„Für mich ist das geplante Jugendheim für knapp fünf Millionen Euro überdimensioniert“, sagt Leserin Erika Buchner. Fünf Millionen Euro seien ihr zu viel Geld, vor allem in Anbetracht dessen, „dass im Jugendtreff immer nur ein paar Leute drin sind“.
Als die Pläne für das neue Jugendzentrum im November vorgestellt worden waren, sprachen die Verantwortlichen von 4,7Millionen Euro. Bürgermeister Ludwig Eisenreich betonte damals, dass das Gebäude mehr als ein Jugendtreff sei. Jung und Alt sollen das Multifunktionsgebäude nutzen. Vor allem verschiedene Musikgruppen sollen im großen Saal proben.
Leserin kritisiert geplantes Jugendheim in Berching
Baulich werde ein mögliches neues Jugendzentrum ohnehin erst in Angriff genommen, wenn die Prioritätenliste stehe, sagte Meissner im August. Ob die Pläne für das Gebäude tatsächlich auch so realisiert werden, ist derzeit noch unklar.
Erika Buchner sei es zwar wichtig, dass für die Jugend etwas gemacht werde – aber nicht für fünf Millionen. „Das Geld wird dann wieder in den Dörfern gekürzt“, befürchtet die Erasbacherin, die einen Unterschied zwischen der Stadt Berching und den Ortsteilen ausmacht.
„Im Dorf wird meist mehr Freiwilligendienst geleistet, auch für die Stadt“, sagt Buchner und nennt die Dorferneuerung als Beispiel. Sie sei froh, dass diese in Erasbach laufe. „Aber so viele Stunden, die da schon ehrenamtlich geleistet worden sind, wird man in der Stadt nicht zusammenbekommen“, sagt Buchner, die ein weiteres Beispiel anführt.
An ihren Hof grenze eine städtische Grünfläche an, für deren Pflege eigentlich der Bauhof zuständig sei. „Aber wir mähen diese Fläche mit.“
Gerade vor diesem Hintergrund finde sie es schade, wenn Dörfer unter den Ausgaben in der Stadt leiden. Neben der Kritik hat Buchner aber auch lobende Wort übrig: „Berching ist eine tolle Stadt.“
Der ehemalige Stadtrat Josef Neumeyer kritisiert, dass die Stadtverwaltung unterstützt habe, dass der Sitz der Raiffeisenbank seit ein paar Jahren nicht mehr in Berching sei. „Dadurch sind den Mitglieds-Bürgern Millionen-Vermögen entzogen worden“, sagt er.
Am Reichenauplatz ist zwar weiterhin die Bank-Filiale. Seit 2018 gehört die Raiffeisenbank Berching-Freystadt-Mühlhausen aber zur Raiffeisen – meine Bank eG. Mit der Fusion hat sich der Sitz der Bank von Berching nach Hilpoltstein verlagert. Und damit gehen nach Ansicht von Neumeyer der Stadt Berching Gewerbesteuereinnahmen durch die Lappen. „Denn die Gewerbesteuer der Banken wird nach Lohnsumme aufgeteilt“, erklärt er. Wenn in Hilpoltstein mehr Gehalt an Bank-Mitarbeiter gezahlt werde, erhalte die Stadt Hilpoltstein auch mehr Steuereinnahmen. Von den Vorständen – und damit auch den Großverdienern der Bank – sitze seit heuer keiner mehr in Berching, sagt Neumeyer, der aber auch weiß, dass diese Diskussion jetzt nichts mehr bringe. „Dieser Zug ist abgefahren.“
Diskussion um PV-Anlage auf dem Berle-Bad
Bei den Energiekosten hingegen sieht Neumeyer auch heute noch Einsparpotenziale. Er spricht dabei das Dach des Berle-Bads an. „Bei der Dachsanierung vor ein paar Jahren hatte ich dem Bauamt vorgeschlagen, zu prüfen, eine PV-Anlage mit Sunman-Leichtbaumodulen zu installieren“, sagt Neumeyer. Eine Rückmeldung habe er nicht erhalten.
Nach dem Sturmschaden 2018, der das Dach des Erlebnisbads abgedeckt hatte, diskutierte der Stadtrat über mehrere Varianten von PV-Anlagen auf dem Dach. Wegen der Statik seien schwere PV-Module nicht möglich, hieß es. Es gebe aber auch leichtere, sagt Neumeyer. Etwa auflaminierte PV-Module. Dadurch könnte man Stromkosten im defizitären Bad sparen, meint er.
Auf einem unserer Social-Media-Kanäle fordert ein Mann, dass Berching an Gluck sparen solle. „Kein Mensch interessiert sich dafür“, schreibt der User über den berühmten Komponisten aus der Großgemeinde.
Peter Schels aus Berching wirft eine weitere Frage auf: „Der Bürgermeister fährt einen Audi A6. Tut es nicht auch ein VW Golf oder ein Polo?“ Von Obermässing nach Berching komme er auch damit, meint Schels, der zudem das Hin und Her mit der Schule und dem Kindergarten St. Marien nicht verstehen kann. „Das ist Kindergartenkrampf“, sagt er. Ein normal denkender Mensch schlage dabei die Hände über den Kopf. Außerdem kritisiert Schels, dass Stadtrat und Verwaltung intern über die Prioritätenliste sprechen. „Warum gibt es dazu eine geheime Klausur und keine öffentliche Sitzung?“, moniert er.
Spätestens, wenn der Stadtrat über die Liste abstimmt, sind Zuhörer wieder zugelassen. Zuvor aber besprechen Verwaltung und Räte die Fraktionslisten. Intern.