Dürfen 100 Sharing-Lastenräder in Regensburg bleiben?

Von Juliana Ried · 5. Oktober 2023 um 05:00

Die Nachfrage nach den Elektro-Transporträdern zum Ausleihen steigt, aber der Betreiber schreibt rote Zahlen. Die Stadt prüft, ob sie ihren Zuschuss erhöhen kann.

Christof Schaller steigt „so zweimal die Woche“ aufs Lastenrad – dabei besitzt der 40-Jährige keines. Er habe eine Lastenrad-Sharingstation „direkt vor der Haustür“ in Weichs, erzählt er, und bediene sich dort regelmäßig. Schaller ist einer der mehr als 2300 Menschen, die bei „Donau-Donkeys“ angemeldet sind, aus Sicht der Stadt erfährt das Pilotprojekt damit eine „gute Nachfrage“. Allerdings wächst mit dem Angebot auch die Finanzlücke. Der Planungsausschuss des Stadtrats machte am Mittwochabend einstimmig den Weg frei für einen höheren Zuschuss, beschloss diesen aber noch nicht.

Pilotprojekt Lastenradsharing startete im August 2022

Das Regensburger Unternehmen Feine Räder betreibt sein Verleih-System bereits seit April 2020, seit August 2022 fahren die Donau-Donkeys mit Unterstützung der Stadt. Insgesamt 60000 Euro bekommt die Firma, um 24 Monate lang 25 E-Lastenräder anzubieten. Sie hatte allerdings im ersten Betriebsjahr des Pilotprojekts zeitweise mehr als 100 Räder in der Stadt stationiert, weil der Verleih expandiert und seine Räder für neue Städte zuerst in Regensburg einsetzt, wie die Stadtverwaltung den Planungsausschuss informierte.

Dieses zusätzliche Angebot habe dazu geführt, dass die Zahl der angemeldeten Nutzer stetig auf inzwischen mehr als 2300 Personen gestiegen sei. Diese hätten in den ersten zwölf Betriebsmonaten eine Strecke von insgesamt 20770 Kilometern zurückgelegt und dabei eine CO2-Ersparnis von 2638 Kilogramm bewirkt. Das Fazit der Stadt: In Regensburg bestehe ein Bedarf für 100 und mehr Leih-Lastenräder, das Sharing sei ein „wichtiger Baustein für die Mobilitätswende“.

Der Haken an der Sache: „Ohne weitere finanzielle Beteiligung der Stadt Regensburg muss die Firma Feine Räder ihr nicht-kostendeckendes Engagement sukzessive wieder zurückfahren“, so steht es in der Beschlussvorlage. Feine-Räder-Geschäftsführer Ulrich Schmack sagt: „Die Nutzerzahlen steigen, allerdings brauchen wir noch mehr Nutzer und einen Zuschuss von 1000 Euro pro Rad und Jahr für alle Räder, um das System wirtschaftlich betreiben zu können“, also insgesamt 100000 Euro im Jahr für 100 Räder. Er sei davon überzeugt, dass er mittelfristig mit den gleichen Zuschüssen aus öffentlicher Hand zurechtkomme, wie sie derzeit für den öffentlichen Personennahverkehr aufgewendet werden – und dazu gehöre das Lastenradsharing.

OB: „wirksamer Schritt zur Vermeidung von Autoverkehr“

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) betonte im Ausschuss, das Sharing sei ein „erster wirksamer Schritt zur Vermeidung von Autoverkehr“. Seitens der Opposition machten sich Grüne, Brücke, ÖDP und Linke stark dafür. Michael Achmann (Grüne) nannte die Zwischenbilanz einen „sehr, sehr guten Anfang“, vermisste in der Vorlage aber „etwas Konkreteres“.

Im Beschluss steht nur, es sei zu prüfen, „ob und wie notwendige Mittel für den dauerhaften Einsatz einer Flotte von mindestens 100 Lastenrädern bereitgestellt werden können“. Darüber hinaus signalisierte die OB, das Angebot sei auch im Rathausbündnis unumstritten. „Zum Lastenradsharing hat es meines Wissens in der Koalition keine kontroverse Diskussion gegeben“, sagte sie.

Lastenrad-Sharing

Angebot: Donau-Donkeys hat in Regensburg derzeit circa 100 E-Lastenräder im Einsatz. Sie stehen an festen Stationen in den Stadtvierteln und werden dem Betreiber zufolge zwischen 1600-mal und 2000-mal im Monat ausgeliehen.

System: Donau-Donkeys arbeitet mit „Hosts“; das sind Nutzer, die sich um die Räder kümmern und dafür 70 Prozent Rabatt auf die Leihgebühren erhalten.