Im „Schlaufenster“ des Kelheimer Weltladens finden schlaue Ideen ihren Platz

In der Kelheimer Innenstadt gibt es ein Schaufenster, das es in sich hat. Eigentlich trägt es den Namen „Schlaufenster“ und es wird regelmäßig von Kindern und Jugendlichen mit Eifer gestaltet. Zum Abschluss der Fairen Woche stellte Angelika Delong (68), ehrenamtliche Verantwortliche im Weltladen Kelheim, mit ihrem Mann Christian Delong (75) und Christine Linhard (46), die ebenfalls ehrenamtlich im Weltladen tätig sind, das Schlaufenster vor.
Zu finden ist es im Weltladen in der Donaustraße 2 in Kelheim. Die jungen Gestalter machen darin mit selbst Gebasteltem auf den Fairen Handel und nachhaltige Themen aufmerksam – und freuen sich, wenn sie ihre Kunstwerke präsentieren können. Aktuell hängen Fische im Schlaufenster – aus Plastikverpackungen. So wollen die Schüler der Realschule Mainburg auf das Müllproblem in den Meeren aufmerksam machen.
Die Konsumenten von morgen
„Die Kinder und Jugendlichen sind die Konsumenten von morgen“, sagt Christine Linhard. Deswegen solle schon früh ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, was hinter den einzelnen Produkten steckt, die rund um die Uhr in den Supermärkten zur Verfügung stehen.
Die Ernte, die Produktion, die Lieferung, die Bezahlung der Arbeiter – all das solle auf der ganzen Welt gerecht ablaufen. „Die Produkte im Weltladen sind nicht teurer, sie sind den Preis einfach wert, wenn man weiß, was dahintersteckt und woher es kommt. Je früher man das mitkriegt, desto aktiver kann man werden“, sagt Angelika Delong.
Hinter Weltläden steckt eine ganzheitliche Arbeit
Weltläden arbeiten ganzheitlich. Es dreht sich nicht alles nur um den Verkauf der fair gehandelten Produkte, es geht auch darum, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu leisten sowie die Politik zu bewegen, sagt Angelika Delong.
In der Fairen Woche wollen die Verantwortlichen des Weltladens die Thematik besonders in den Vordergrund stellen. Die Aktionswoche wird jährlich im September vom Forum Fairer Handel in Kooperation mit Fairtrade Deutschland und dem Weltladen-Dachverband veranstaltet, um Konsumenten auf das Thema „Fairer Handel“ aufmerksam zu machen.
Nicht nur die Händler versuchen, an die Menschen heranzutreten, auch Kinder und Jugendliche aus und um Kelheim nehmen sich der Sache im Schlaufenster an. An den Schulen im Landkreis Kelheim werden vermehrt die Themen Nachhaltigkeit und Fair Trade behandelt. „Die Schulen haben keine Ausstellungsfläche. Im Schlaufenster können die Kinder ihr Projekt darstellen, sodass es auch gesehen wird“, sagt Christine Linhard, die als Lehrerin an der Fachoberschule Kelheim tätig und im Weltladen für die Bildungsarbeit zuständig ist.
„Alles was ausgehängt wird ist aus den Ideen der Kinder entstanden, wir nehmen keinen Einfluss darauf“, sagt Christian Delong.
Verschiedene Themen werden ausgestellt
Die jungen Gestalter machten bereits mit gebastelten Smartphones darauf aufmerksam, wie man mit den Mobiltelefonen nachhaltiger umgehen kann. „Umweltapps“, „Energiesparmodus“ und „Den Akku nicht über Nacht laden“, stand auf bunten Sprechblasen geschrieben, die rund um das Papp-Smartphone aufgeklebt waren.
„Es ist schön, wenn die Schüler das Fenster gestalten, weil sie sich dann mit der Problematik beschäftigen und sich damit identifizieren“, sagt Angelika Delong. Nicht nur die Kinder und Jugendlichen würden dabei etwas lernen, auch sie selbst. Eine Erkenntnis sei beispielsweise gewesen, dass ein vollgeladenes Handy immer noch Strom verbraucht, wenn es weiterhin an der Steckdose angeschlossen ist. „Wenn junge Menschen uns das erklären, ist das nicht schlecht“, so Angelika Delong.
„Mein Antrieb ist es, wenigstens ein bisschen was besser zu machen und etwas am Rädchen mitzudrehen, weil man sieht, dass es so, wie es jetzt aktuell ist, nicht weitergehen kann“, sagt Christine Linhard. Nicht nur Schüler können sich im Schlaufenster austoben. „Egal welche Gruppierung, wenn ein passendes Thema spannend und attraktiv aufbereitet ist, darf das Fenster genutzt werden“, sagt Angelika Delong.
Schüler machen sich mehr Gedanken
Die Freude bei den Schülern sei jedes Mal groß, wenn sie mit ihren Eltern und Großeltern zum Weltladen kommen, um ihnen das eigens gestaltete Schlaufenster zu zeigen. „Es ist spannend zu sehen, dass alle unterschiedliche Sichtweisen haben, aber doch jeder mitkriegt, wie unfair es oft abläuft. Man merkt, dass sich die Schüler mehr Gedanken darüber machen“, sagt Angelika Delong. Nachdem die Schule vor Kurzem wieder begonnen hat, sei das Fenster im Weltladen wieder bereit für eine neue Gestaltung, „denn ein Schlaufenster ohne schlaue Ideen geht nicht“, sind sich die drei Ehrenamtlichen einig.


