Fairer Handel statt moralische Keule: Das Eine-Welt-Forum in Abensberg zeigt Alternativen auf

Von Lucia Pirkl · 24. September 2023 um 15:00

Zum Start der Fairen Woche: Wie betrifft der Klimawandel den globalen Süden und damit auch uns? Das Eine-Welt-Forum in Abensberg klärt auf.

Seit über 20 Jahren lädt die Faire Woche jeden September die Menschen dazu ein, Veranstaltungen zum Fairen Handel in der Region zu besuchen oder selbst zu organisieren. Das diesjährige Motto „Fair. Und kein Grad mehr“ dreht sich auch um Klimagerechtigkeit.

Auch das Eine-Welt-Forum in Abensberg ist dabei. In einem Gespräch erläutern die Organisatoren, was der Faire Handel mit dem Klimawandel zu tun hat.

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf den Fairen Handel?

Klara Wirthensohn: Die Produzenten und ihre Familien trifft es am Allermeisten. Wenn der Ertrag der Produzenten weniger wird, dann kann ein Bauer vielleicht auch seine Familie nicht mehr ernähren.

Albert Steber: Ganz konkret nehmen Sie das Beispiel Kakao, der braucht bestimmte klimatische Bedingungen. Die verändern sich aber dort, wo er angebaut wird, auch gerade, da geht dann die Kakaoproduktion bis zu 50 Prozent zurück.

Astrid Habel: Das Gleiche gilt für Baumwolle. Wenn der Wassernotstand immer größer wird, schaut es auch mit der Baumwolle schlecht aus.

Wie können überhaupt faire Produkte dabei helfen, den Klimawandel zu bremsen?

Wirthensohn: Bei Gepa, einem Vertreiber von Fairen Produkten wird unter anderem auch geforscht, werden Alternativen aufgezeigt, wie man sich an die veränderten Bedingungen anpassen kann. Experten zeigen dann den Bauern in der Dritten Welt, wie man beispielsweise mehr Schatten herbekommt, dass andere Produkte gedeihen, setzen auf anderes Saatgut. Aber das funktioniert natürlich nur bis zu einem gewissen Grad.

Habel: Da wären wir wieder beim Motto der diesjährigen Fairen Woche: „Fair– und kein Grad mehr“.

Steber: Die ersten Leidtragenden sind die armen Länder, aber das kommt ja auch auf uns zu. Deshalb ist es fair, nicht nur faire Produkte zu kaufen, sondern auch die Lebensumstände zu verändern, um den Klimawandel zu bremsen.

Wirthensohn: Unser Wohlstand basiert darauf, Rohstoffe kommen ja aus dem globalen Süden.

Wie kann man bei uns entgegenwirken?

Wirthensohn: Indem man sensibilisiert. Ich gehe auch schon mal hin, wenn jemand den Motor laufen lässt und spreche die Leute direkt an.

Johannette Bohn: Es muss in die Köpfe, dass der Klimawandel alle angeht. Es gibt so viele Bereiche, in denen man was tun kann. Es fängt ja bei jedem Einzelnen an. Ich wehre mich gegen das Argument, dass ich als Kleiner, Einzelner nichts tun kann.

Habel: Ich glaube auch, dass es eine große Aufgabe vom alternativen Handel ist, dass man Bewusstseinsbildung macht, deshalb steht auf ganz vielen Produkten drauf, wo die herkommen.

Bohn: Ja, die Bewusstseinsbildung ist mindestens genauso wichtig wie der Verkauf selbst.

Steber: In den 1970er Jahren gab es das Schlagwort „einfacher leben“, ich glaube, da müssen wir wieder hin.

Wie setzt man da aber bei unserer viel zitierten Wohlstandsgesellschaft an?

Steber: Zwei Dinge passen nicht zusammen momentan, die aber zusammen gehören: Die Freiheit, aber auch die Verantwortung, die sich daraus ergibt. Klar habe ich die Freiheit, das zu tun, was ich möchte. Aber ich muss auch überlegen, was ich damit auslöse.

Habel: In Deutschland hört man ja oft: „Wir sind ja blöd, schaffen die Kernkraft ab und ander lassen sie weiterlaufen.“ Aber irgendwo muss man doch mal anfangen. Auch bei Fast Fashion (schneller Mode) meint jeder, er müsse mitziehen. Dabei gibt es mittlerweile Firmen in der Modebranche, die da ganz bewusst entgegensteuern, nachhaltig und fair produzieren.

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Steber: Ich denke, es ist auch wichtig, den Leuten klar zu machen, was es bewirkt, wenn ich beispielsweise fairen Kaffee kaufe, was sich dann da im Dorf der Produzenten verändert hat. Bewusstseinsbildung ist hingegen immer schlecht, wenn sie mit der moralischen Keule kommt. Besser, man bringt positive Beispiele.

Bohn: Das habe ich auch gemerkt. Etwa nach einer Nicaraguareise, in der Kaffeeplantagen besucht wurden. Wenn die Kunden erfahren, dass da ein Krankenhaus und eine Schule gebaut werden konnte, weil die Produzenten dort fair bezahlt wurden, sind sie auch bereit, mehr zu zahlen. Kaffee ist ja auch ein Stück Lebensqualität.

Habel: Ganz genau, und wenn der Kaffee so billig angeboten wird, verschleiert man, dass Kaffee ja ein Luxusgut ist.

Das ist die Faire Woche in Abensberg:

Faire Mode: Donnerstag, 28. September, 17 bis 20 Uhr: FAIRkleiden – die Herbstmode von Armedangels wird vorgestellt. Das Eine Welt Forum bietet Getränke und Snacks aus dem fairen Handel an. Ort: Tragbar, von-Hazzi-Straße 9

Fair essen: Samstag, 7. Oktober, ab 11 Uhr: Fair is(s)t: denk global ? iss regional:

Zusammen wird auf dem Gemüseacker Röll, Sandharlanden geerntet. Veronika Röll kocht dann aus den geernteten Zutaten leckere Gerichte, Preis für insgesamt drei Gerichte: 16 Euro. Eine Anmeldung ist bis 4. Oktober bei Klara Wirthensohn unter Telefon (09443) 6582 oder per E-Mail an Fairtrade.abensberg@gmail.com möglich.

Zum Termin ist eine gemeinsame Radltour nach Sandharlanden oder auch zu Fuß beziehungsweise mit Fahrgemeinschaften geplant. Der Treffpunkt wäre um 10.30 Uhr der Norma Parkplatz oder um 11 Uhr gleich bei der Hofstelle Röll in Sandharlanden.

Mitstreiter gesucht: Das Eine-Welt-Forum freut sich über neue Mitglieder oder auch Aktionsgruppen, die sich für den Fairen Handel, mehr Klimagerechtigkeit und ein menschenwürdigeres Leben für die Dritte Welt einsetzen. Mehr Infos gibt es bei Klara Wirthensohn, Telefon und E-Mail siehe oben.

Mehr Infos zur Fairen Woche gibt es zudem auf www.fairewoche.de.

Mit dem Kauf von fair gehandelten Produkten verbessert man auch die Lebensbedingungen vor Ort.
Faire Mode präsentiert Anja Gottwald in ihrem Geschäft Tragbar in der Von-Hazzi-Straße 9 (siehe Infokasten).
Das Eine-Welt-Forum freut sich auf die Faire Woche. Gerne gesehen sind Menschen, die ihre Sache unterstützen.
Mit positiven Nachrichten die Menschen überzeugen, das findet Albert Steber besser als den erhobenen Zeigefinger.