Im Fairhandelszentrum in Langquaid gibt es Produkte aus aller Herren Länder

Weltreise – wer denkt da nicht unweigerlich an Kreuzfahrt, Fernflüge, Palmen Strand und Meer. Eine Weltreise geht aber auch im Fairhandelszentrum in der Christian-Wolff-Straße 5 in Langquaid. Hier kann man Schokolade aus Ghana in Westafrika, Körperseife aus Aleppo in Asien, Körbe aus Rumänien in Südosteuropa und Kaffee aus Bolivien in Südamerika kaufen.
Das Besondere: Alle Erzeugnisse wurden unter fairen Bedingungen hergestellt – der Status quo der Zukunft, finden die Verantwortlichen, darunter Magdalena Mühldorfer (35), Verkaufsleiterin im Fairhandelszentrum.
Rucksack aus Fallschirmseide
Eines ihrer liebsten fair gehandelten Produkte ist ein Rucksack aus Fallschirmseide von „Ticket to the moon“. „Er ist nicht nur robust, sondern sieht auch echt cool aus“, so Mühldorfer. Zur „Fairafric“-Zartbitterschokolade sagt sie aber auch nicht nein.
„Eigentlich sollte es die Ausnahme sein, nicht fair gehandelte Produkte anzubieten“, sagt Mühldorfer im Gespräch mit der MZ zum Auftakt der Fairen Woche. Die Aktionswoche wird vom Forum Fairer Handel in Kooperation mit Fairtrade Deutschland und dem Weltladen-Dachverband veranstaltet.
Die Kelheimerin ist seit 2021 in der Verkaufs- und Lagerhalle im Gewerbegebiet in Langquaid tätig. Dort hat sie, wie sie sagt, ihren „Job mit Sinn“, ihre Erfüllung , gefunden.
Mühldorfer hat Lateinamerikastudien in Berlin studiert. Eineinhalb Jahre lebte sie deswegen in Südamerika. „Besonders zu Ecuador habe ich eine persönliche Verbindung aufgebaut“, sagt die 35-Jährige. Da sie selbst sehr auf Nachhaltigkeit bedacht ist, habe sie nach einer Arbeit gesucht, die genau das umsetzt – und mehr: „Mich hat speziell interessiert, was Entwicklungsarbeit leisten kann und hab’s kritisch hinterfragt. Ich habe in den Ländern wie Ecuador gesehen, wie die Menschen vor Ort unter dem Handel leiden, den die Globalisierung angerichtet hat.“
Die Zusammenarbeit zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden geschehe nicht auf Augenhöhe. „Die Qualität wird nicht gesehen. Im fairen Handel ist das anders. Da werden die Menschen, ihr Wissen und ihr Können geschätzt“, sagt Mühldorfer.
Magdalena Mühldorfer: „Das ist genau meins“
Nach ihrem Studium kehrte sie in ihre ländliche Heimat zurück und landete in einem Software-Unternehmen. „Mir hat da der Sinn gefehlt“, so Mühldorfer. Deswegen habe sie sich vor zwei Jahren auf die offene Stelle im Fairhandelszentrum beworben. „Ich habe mir gedacht: Das ist genau meins. Die Transparenz, die Nachhaltigkeit, der Umweltgedanke und der Mensch im Mittelpunkt. Ich habe hier das Optimale für mich gefunden. Ein Teil davon zu sein erfüllt mich einfach. Ich möchte das Gefühl haben, mit dem was ich tue die Welt ein bisschen besser zu machen, sonst würde mir auch die Motivation ausgehen.“
15 Läden in ganz Ostbayern
Das Fairhandelszentrum steht unter dem Verein „Solidarität in der Einen Welt“. Dazu gehören auch 15 Weltläden in ganz Ostbayern, beispielsweise in Cham, Viechtach, Weiden, Marktredwitz, Forchheim, Bamberg und Straubing. Diese bekommen ihre Produkte aus dem Fairhandelszentrum geliefert. Aber nicht nur die Weltläden sind Abnehmer der fair gehandelten Produkte, auch Unternehmen oder Privatpersonen kaufen dort ein. „Es hat sich erfreulicherweise rumgesprochen, dass wir hier sind. Es kommen viele aus Langquaid, die zum Beispiel Geschenke einkaufen. Andere kaufen aber auch so ein, weil sie die hochwertige Qualität schätzen“, sagt Mühldorfer.
Nachwuchsprobleme sind auch in ihrem Verein Thema
Was die Verantwortlichen des Vereins belastet, seien Nachwuchsprobleme. In den Weltläden passiere die meiste Arbeit ohnehin ehrenamtlich – meist von Rentnern, die gesundheitsbedingt öfter mal ausfielen. „Da kann es schon vorkommen, dass so ein Laden dann auf der Kippe steht.“
Lohnen würde sich die Arbeit aber allemal, „beispielsweise wenn man hört dass mehr Kinder auf die Schule geschickt werden konnten, oder dass Umweltschutzprojekte unterstützt wurden, weil sich die finanzielle Situation verbessert hat“, so die Verkaufsleiterin.
Faire Woche
Thema: Die Faire Woche 2023 steht unter dem Motto „Fair. Und kein Grad mehr!“. In der Zeit dreht sich alles rund um das Thema Klimagerechtigkeit und Fairer Handel.
Aktion: Mit jährlich rund 2000 Aktionen ist die Faire Woche bundesweit die größte Aktionswoche des Fairen Handels. Akteure rufen vermehrt dazu auf, Aufmerksamkeit zu erzeugen und den Konsumenten den fairen Handel näher zu bringen. Mehr Informationen über die Projektwoche gibt es im Internet unter der Adresse www.faire-woche.de/start.


