Positive Bilanz der Betreiber: Touristen verweilen länger im Landkreis Kelheim

Von Sabrina Kauer · 14. September 2023 um 15:00

Ein Besuch in der Befreiungshalle in Kelheim, eine Schifffahrt auf der Donau oder ein Ausflug zum Hundertwasserturm in Abensberg mit um die 100.000 Besucher pro Jahr vor Corona: Besuchermagneten gibt es im Landkreis Kelheim viele.

In der diesjährigen Urlaubssaison lockten die Sehenswürdigkeiten wieder zahlreiche Besucher in den niederbayerischen Landkreis. Doch die Zukunft bereitet so manchem Betreiber bedenken.

„Die Saison war bisher durchwegs sehr gut und ist noch nicht zu Ende. Wir kommen an die Zeit von vor Corona ran“, sagt Renate Schweiger, Inhaberin der Personenschifffahrt Schweiger in Kelheim. Es habe zwar Niedrig- als auch Hochwasser gegeben, doch das habe sich „nicht großartig“ auf den Betrieb ausgewirkt.

Drei verschiedene Linien

Die Schifffahrts-Saison beginnt jährlich am dritten Wochenende im März und endet am ersten Wochenende im November.

Die Gäste können zwischen drei verschiedenen Linien wählen: dem Donaudurchbruch (von Kelheim zum Kloster Weltenburg), dem Altmühltal (von Kelheim nach Riedenburg) oder Regensburg (von Kelheim nach Regensburg und zurück). „Am beliebtesten ist ganz klar der Donaudurchbruch“, sagt Schweiger.

Diese Linie haben kürzlich auch Gerhard L. Reiter und seine Frau aus Welden im Landkreis Augsburg mit einem befreundeten Ehepaar gewählt. „Meine Frau und ich sind zum ersten mal in Kelheim“, sagt Reiter. Der Freund von Gerhard L. Reiter musste beruflich nach Abensberg. „Er kennt die Region und meinte zu uns, ob wir mitkommen wollen, damit wir zusammen einen schönen Ausflug machen können“, so Reiter.

Die befreundeten Ehepaare sind mit dem Schiff in Weltenburg gestartet. „Die Fahrt war sehr angenehm. Auch die Informationen an Board sind klasse. Die Landschaft ist einfach herrlich. Imposant war es, aus dem Donaudurchbruch ins Offene zu kommen, das war sehr schön“, sagt er. Für ihn und seine Frau war es ein Tagesausflug. Auf dem Programm standen noch ein Stadtbummel in Kelheim und ein Besuch der Befreiungshalle.

Einzugsgebiet von 150 Kilometern

Wie Gerhard L. Reiter, seine Frau und ihre Freunde, kommen die Passagiere der Personenschifffahrt Kelheim hauptsächlich aus dem Umkreis. „Wir haben ein Einzugsgebiet von 150 Kilometern“, sagt Renate Schweiger.

Für das nächste Jahr seien laut Schweiger gleichbleibende Besucherzahlen zu erwarten. „Aber man muss bedenken, dass das Leben teurer wird.“ Deswegen werde ein Urlaub nicht mehr zwangsläufig zum Leben dazugehören können. „Wenn es so weitergeht, werden die Gäste sparsamer. Man muss das schon realistisch sehen. Nur durch eine rosarote Brille kann man die nächsten Jahre glaube ich nicht sehen“, so Schweiger.

Von einer bisher erfolgreichen Saison berichtet auch Florian Best, Geschäftsführer des Tourismusverbands im Landkreis Kelheim. „Unterm Strich können wir von einer soliden bis guten touristischen Saison mit großen Herausforderungen sprechen“, sagt er.

Die Übernachtungen befinden sich „auf dem Weg der weiteren Erholung“. „Die Zahlen haben die von vor Corona weitestgehend erreicht“, so Best.

Was heuer besonders aufgefallen ist: „Die Aufenthaltsdauer im Landkreis hat sich erhöht“, sagt er. Das heißt, dass die Urlauber nicht mehr hauptsächlich nur für ein verlängertes Wochenende im Landkreis bleiben, sondern vermehrt für eine ganze Woche.

Was den Verantwortlichen in der Tourismusbranche jedoch Sorgen bereitet, sind vor allem die Herausforderungen für die Betriebe. Inflation, steigende Energiekosten, zu wenig Personal und vieles mehr „macht das betriebswirtschaftliche Handeln schwierig“, sagt er.

„Absolut falsches Signal der Politik“

Auch die in der Gastronomie geplante Erhöhung der Umsatzsteuer von sieben auf 19 Prozent „ist ein absolut falsches Signal der Politik“. Denn die Kosten müssen wieder auf die Gäste umgeschlagen werden, was dazu führt, dass die sich weniger leisten wollen oder können.

Zudem seien die Gruppenbesuche noch lange nicht auf dem Niveau wie vor der Pandemie. „Mit den Gruppen ist es nach wie vor schwierig, die bereiten uns noch Bauchschmerzen“, sagt Best. Die verloren gegangene Vereinsaktivität und fehlende Busfahrer nennt der Geschäftsführer des Tourismusverbands als mögliche Gründe. Wer sich in Tourismuskreisen umhört, erfährt aber auch, dass Busse, wenn sie schon einen Fahrer haben und die 50 Personen Platz bieten, teilweise nicht einmal halbvoll bei den Ausflugszielen ankommen.

Die Befreiungshalle besuchen eher Einzeltouristen

Auch die Befreiungshalle werde weniger von Gruppen, eher von Einzeltouristen, besucht. „Es kommen viele Paare und Familien zu uns. Unser Publikum ist immer bunt gemischt“, sagt Rebecca Seidl, Leiterin der Befreiungshalle in Kelheim. „An sich sind wir schon zufrieden mit der Saison. Man merkt, dass die Leute nach Corona wieder raus wollen“, sagt sie.

Und viele wollten in diesem Jahr auch nach Neustadt. „Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten gab es einige Programmpunkte, die natürlich herausgestochen haben, was das Gästeaufkommen in der Stadt betrifft“, so Andrea Holzapfel von der Stadtverwaltung. Dabei handele es sich zum einen natürlich um das in diesem Jahr deutlich erweiterte Stadtfest, „zu dem wir durch das große Neustadt-Treffen viele Gäste aus den verschiedensten Neustadts in Europa begrüßen durften“. Aber auch das Theaterstück „Die Stadt der Seligen“ habe der Stadt bei Tagesgästen außerhalb der Region viel Aufmerksamkeit verschafft, was sich an den Ticketverkäufen bzw. der Auswertung sehr gut ablesen lasse. „Hier haben wir vor allem aus dem Münchner Raum sowie generell in einem Radius von rund 100 Kilometern um Neustadt großes Interesse verzeichnet“, so Holzapfel.