Aufgriff in Sinzing – Ging mit den Flüchtlingen ein Schleuser ins Netz?

Von André Baumgarten · 27. September 2023 um 18:48

Bei Eilsbrunn im Landkreis Regensburg gehen der Polizei 22 Syrer ins Netz, darunter auch ein Kleinkind. Das Schleuserfahrzeug war wohl liegengeblieben, meinte die Polizei. Zu einer Festnahme vor Ort hielten die Ermittler sich vorerst sehr bedeckt.

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In einem Waldstück nahe Eilsbrunn hat die Polizei am Dienstagabend 22 syrische Flüchtlinge aufgegriffen, deren Schleuserfahrzeug wohl liegengeblieben war. Unweit der Stelle, wo die Gruppe einen Opel-Transporter schob, entdeckten die Beamten einen Lagerplatz mit Unrat und Gepäckstücken. Nicht alle konnten den Frauen, Männern und Kindern zugeordnet werden. Mehr noch: Womöglich wurde einer ihrer Schleuser verhaftet. Doch dazu hielt sich die Polizei vorerst mehr als bedeckt.

Mann wird in Handschellen abgeführt

Bilder und Videos von Dienstagabend zeigen, wie Polizisten einen Mann in Handschellen abführten. Er soll sich von den anderen abgesetzt haben, fiel jedoch einer der nachrückenden Streifen auf. Er soll zudem kein syrischer Staatsbürger sein, hatte wie alle anderen auch aber keinerlei Papier bei sich. Und: Er schweigt eisern.

Ganz im Gegensatz zu den drei Frauen, vier Kindern – das jüngste nicht einmal zwei Jahre alt – drei Jugendlichen und zwölf Männern, die nach ersten Angaben rund 1000 Kilometer im fensterlosen Laderaum des in Tschechien zugelassenen Fahrzeugs mitfuhren. Gestartet waren sie um fünf Uhr morgens. Sie waren also gut 13 Stunden unterwegs, ehe sie bei Sinzing strandeten.

Dort war die Gruppe einem Zeugen aufgefallen, als sie den defekten Kleintransporter auf der Brandlstraße in Eilsbrunn schoben. Etwa 300 Meter entfernt im Wald hatten sie zuvor offenbar campiert. Dort fanden Ermittler der Polizeiinspektion Nittendorf in der Nacht Bekleidung und Koffer. „Es kann sein, dass wir nicht alle gefunden haben“, sagte PI-Leiter Andreas Niebler.

Im Fokus habe zuerst die Versorgung der erschöpften Menschen gestanden. Sie kamen zeitnah ins Ankerzentrum in Regensburg. Schützenhilfe leistet der RVV: Schnell und unbürokratisch sei ein Bus zur Verfügung gestellt worden. Nach einer Erstversorgung mit Essen seien die nötigen Befragungen erledigt worden. Gegen Mitternacht sei der Einsatz beendet gewesen.

Größere Lagerfläche im Wald durchsucht

Die Ermittlungen gingen laut Niebler gestern weiter. Die größere Lagerfläche und die herrenlosen Gepäckstücke, die in dem Waldstück südlich von Eilsbrunn gefunden wurden, aber auch das Schleuserfahrzeug standen besonders im Fokus. Den weißen Opel mit auffälligen Aufklebern ließ die Polizei abschleppen. Ob darin Hinweise zu dem oder den Schleusern gefunden wurden, ließen die Ermittler offen. „Die Kriminalpolizei ermittelt“, teilte das Polizeipräsidium Oberpfalz kurz und knapp mit.

Bürgermeister Patrick Grossmann erfuhr erst am Tag nach dem Aufgriff, was in Sinzing geschehen war. „Dass die Leute jetzt einfach am Waldrand ausgesetzt werden, ist schon eine neue Qualität“, sagte er. Die Überreste des Camps im Wald hätten die Mitarbeiter des Bauhofs am Nachmittag bereits beseitigt.

Neben Lebensmitteldosen war darunter auch Bekleidung, die laut Nittendorfer Polizeichef wohl keinem der 22 Syrer zuzuordnen war: „Was den Menschen gehörte, haben sie mitgenommen.“ Im Zuständigkeitsbereich der PI Nittendorf seien vor gut einem Monate fünf Iraker aufgegriffen worden – „aber in der Größenordnung hatten wir das nie“.

Mehrere weitere Vorfälle in der Region

Blickt man auf der Region, sieht das anders aus: In Donaustauf waren am 8. September zehn Flüchtlinge aus dem Nahen Osten entdeckt worden. Sie hatten nach eigenen Angaben tagelang im Wald campiert. Am 19. August waren bei Duggendorf mehrere Personen gemeldet worden, die orientierungslos herum irrten. Damals fand die Polizei neun Syrer und zwei Türken im Alter zwischen 13 und 44 Jahren. Auch sie kamen nach der Registrierung im dann Ankerzentrum unter.

In dem Waldstück nahe Eilsbrunn (Sinzing, Lkr. Regensburg) fanden Beamten ein Camp. Teile des zurückgelassenes Gepäcks und der Kleidung konnte bislang nicht zugeordnet werden. Foto: Vifogra