Regensburger Kammermusikfestival: Konzept geht auf

Mit virtuosem Gypsyjazz und lustvoll interpretierter Blasmusik endete die Regensburger Reihe am Wochenende. Für 2024 gibt’s schon Pläne, aber die sind noch unter Verschluss.
Das Musikforum Ossiacher See, 1971 von Friedrich Gulda initiiert und kuratiert, bot nicht in erster Linie Kammermusik. Dennoch kann es als untergründiger Inspirationsquell für das Kammermusikfestival Regensburg gesehen werden. Die Offenheit, mit der Gulda damals den jungen Pianisten Franz Hummel gleichwertig neben Anima Musica von Paul und Limpe Fuchs auftreten ließ – zudem Weather Report, Tangerine Dream und Pink Floyd – legen auch die Macher des jungen Regensburger Festivals an den Tag.
Mit Musik vieler Stilrichtungen, schulischer Nachwuchsbildung und spannendem Rahmenprogramm spannt das Veranstaltertrio einen großen Bogen. Genres, die gemeinhin strikt voneinander getrennt wahrgenommen werden, wie Volksmusik, Gypsyjazz, Klassik und zeitgenössischer Musik, werden verbunden, regionale treffen auf internationale Künstler.
Nur eins fehlte: Platz zum Tanzen
In der Alten Mälzerei waren am Wochenende die meisten Stühle lange vor dem Konzert der oberbayerisch-österreichischen Blaskapelle So&So besetzt, weitere Sitzmöbel wurden herangeschafft. Die aber waren letztlich das größte Hindernis beim ebenso unterhaltsamen wie mitreißenden Auftritt der vier Bläser mit Ziachspieler Hansi Auer und Band-Senior Michi Graf an der Gitarre. Mit Lust, Witz und Virtuosität verband das Sextett im aktuellen Programm „oane.moan.i.nam.i.no“ Walzer, Polka und Dreher mit Reggae, Rap und knackigen Funknummern von Tower of Power. Ein Genuss, dem nur eines abging – der Platz zum Tanzen.
Es war, wie die Festivalleiter Christoph Pickelmann,Benedikt Wiedmann und Lorenz Kellhuber sichtlich zufrieden betonten, eine von mehreren ausverkauften Veranstaltungen. „Wir sind sehr zufrieden“, so Pickelmann. „Die Konzerte waren voller, es waren viele jüngere Leute da und wir merken auch, dass sich das Festival in den Köpfen vieler Musikfans festgesetzt hat.“ Mit Spannung beobachtete das Trio, wie sein genreübergreifendes Konzept ankam. So haben sie bemerkt, wie Besitzer von Festivalpässen mit Zugang zu allen Konzerten und Veranstaltungen mit verhaltener Neugier auf die Kapelle So&So reagierten. „Sie wussten einfach nicht, was auf sie zukommt.“ Dann aber ließ sich die Besucher von der Energie und Spielfreude anstecken, freute sich Kellhuber. „Die gingen total begeistert raus.“
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Auch das nahezu ausverkaufte Dunkelkonzert mit Musik des französischen Komponisten Olivier Messiaen im Leeren Beutel sei „sehr gut angekommen“. Zwar sei viel gefragt worden, wie sich die Musiker in völliger Finsternis im Saal verständigen würden. Letztlich aber habe man „großes Interesse an einem solchen neuen Format gespürt“, sind sich die Drei vom Leitungsteam. Die Kooperation mit Schulen würde man allerdings gern noch ausbauen, verwies Pickelmann auf das erfolgreiche Projekt mit Schülern des Altdorfer Gymnasiums und der Musikhochschule Dresden.
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Auf große und begeisterte Resonanz stieß auch das Abschlusskonzert des Kammermusikfestivals mit dem „New Gypsy Sound“ des David & Danino Weiss Quartetts. Die beiden Brüder aus dem niederbayerischen Straubing hatten als Gastmusiker den Gitarristen Nando Reinhardt eingeladen, ein weit verwandter Nachfahre des berühmten Django Reinhardt. Mit dem Bassisten Sven Faller aus Schwandorf und Rick Hollander am Schlagzeug spielte die Formation traditionelle Swingstücke, darunter „Belleville“ von Django Reinhardt und das temporeiche „Rosetta“, sowie Jazzstandards wie „On A Clear Day“. Als Stargast bekam Reinhardt viel Raum, den er mit solistischer Brillanz füllte. Dem standen David Weiss mit wunderbar gefühlvollen Soli auf dem Akkordeon und Danino Weiss mit seinem packenden Spiel auf dem Flügel kein bisschen nach.
Für das Festival, das 2024 in der fünften Ausgabe an den Start geht, haben die Festivalmacher schon einige Ideen und interessante Projekte im Visier. Nur verraten wollten sie davon noch nichts, um ihr Pulver nicht zu früh zu verschießen.

