Johannes Reitmeier lüftet das Geheimnis um das neue Stück des Lichtenegger Bundes

Eigentlich wollten sich die LiBu-Akteure am Freitag „nur“ zum Abschlussfest für die erfolgreiche Theatersaison mit dem „Brandner Kaspar“ treffen. Tatsächlich sorgte aber Regisseur Johannes Reitmeier für einen Startschuss der besonderen Art: Die Theatersaison 2024 wird den „Mühlhiasl“ auf die LiBu-Bühne bringen.
Allerdings nicht das schon in den frühen 90er Jahren erfolgreich aufgeführte „Rimbacher Mühlhiasl Spiel“, sondern den „Mühlhiasl“ in einer völlig neuen Fassung.
„Die Zeit ist reif für den Mühlhiasl“, begründete Johannes Reitmeier seine Entscheidung, mit der er sich nach fast 40-jähriger Zusammenarbeit mit dem LiBu selbst einen Wunsch erfüllt.
Der eben erst von einer Inszenierung der Oper „Der Freischütz“ aus Taiwan zurückgekehrte Theatermann begründete seine Entscheidung, sich noch einmal in neuer Fassung mit dem „Waldpropheten“ zu befassen: „Krieg, Klimaveränderung, Naturkatastrophen, Corona, all dies sind Dinge, die wir nicht selbst in der Hand haben und die einen ungeheuren Einfluss auf uns und unser Leben haben“, so Reitmeier.
Mühlhiasl-Literatur wieder gefragt
Sie brächten die Menschen dazu, wieder mehr über ihr Leben nachzudenken, sich mit der transzendenten Ebene zu befassen. Vieles passiere um uns herum und wir versuchten, dagegen anzukämpfen, aber wir schafften es oft nicht, diese Ereignisse einzuordnen. Die Tatsache, dass Literatur über den Mühlhiasl aktuell wieder sehr gefragt ist, ist seiner Meinung nach kein Zufall, sondern Ausdruck unserer Suche nach Ursache und Gründen für die aktuellen Probleme. „Prophezeiungen, wie der Wald, der so licht wird, wie des Bettelmanns Rock, von dem großen Bankabräumer, von dem Krieg, der aus dem Osten kommt“ würden aktuell – angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine und von Flüchtlingsströmen aus Kriegsgebieten - mit vollkommen anderen Augen gesehen: Meinte der Waldprophet den Dritten Weltkrieg?. „Messen wir uns dran, ob wir recht gehabt haben oder nicht. Aber ich glaube, dass das Publikum darauf anspringt, mehr als es vor zehn Jahren darauf angesprungen wäre“, wagte Johannes Reitmeier eine eigene Prophezeiung.
Er machte aber auch klar, dass es 2024 keine Wiederaufnahme des 1993 und 1994 erfolgreich inszenierten und im Jahr 2000 wieder aufgelegten „Rimbacher Mühlhiasl Spiels“ geben wird, sondern eine komplette Neukonzeption. Dazu werde ein völlig neues Bühnenbild ebenso gehören, wie technisch anspruchsvolle Licht- und Bildprojektionen, die die Sehgewohnheiten des modernen Publikums anregen. Andere Rollen im Stück werden außerdem einen Generationswechsel bei der Besetzung der Rollen erfordern, machte der Regisseur klar.
Ein aufwühlendes Stück
„Es wird nicht so sein, dass sich der Mühlhiasl allein um die Hauptfigur dreht“, schilderte Reitmeier seine Überlegungen. Vielmehr werden sich interessante Geschichten um die Hauptfigur des Stückes ranken. „Ich verspreche euch, es wird euch gefallen. Lasst uns dieses Abenteuer zusammen eingehen“, appellierte er an die Spielschar. Die Hauptfigur des Waldpropheten spielte vor 23 Jahren, wie schon 1993 und 1994, Walter Kolbeck. Auch da will sich der Regisseur einen szenischen Kniff einfallen lassen.
Der neue „Mühlhiasl“ werde ein aufwühlendes Stück sein, in dem viele Aggressionen vorkommen, auch gegen den bis heute umstrittenen Waldpropheten, versprach Johannes Reitmeier.
„Es sind tolle Szenen. Ich glaube, der„Mühlhiasl hat damals den Grundstein für den Erfolg des Lichtenegger Bundes gelegt“, bekräftigte Reitmeier aus seiner langjährigen Erfahrung mit dem LiBu. Im Spätherbst soll Michael D. Zimmermann, Bühnenbildner und Ausstattungsleiter am Tiroler Landestheater, das Modell für das Bühnenbild erstellen. Und dann kann es losgehen mit der neuen Theatersaison auf Lichtenegg.
