Nach über 600 Kerschgeist ist Schluss für den Brandner Kaspar auf Burg Lichtenegg in Rimbach

Der Brander Kaspar auf der Burgruine Lichtenegg ist Geschichte, am Samstag fiel pünktlich um 23 Uhr der letzte Vorhang eines Stückes, das eigentlich nur zur Überbrückung gedacht war und sich zu einem so großen Erfolg entwickelte, dass es beim Lichtenegger Bund alle Rekorde gesprengt hat.
Da ist zum einen die schiere Zahl der Aufführungen: Nicht nur, dass der Brandner Kaspar mit sechs Jahren „Da Goggolore“ überholt hat (der wurde von 2004 bis 2007 ebenfalls sehr erfolgreich gegeben) – Der Andrang war so groß, dass es sogar mehr Aufführungen gab als vorgesehen gewesen waren.
Kein Stück öfter gespielt
43 Vorstellungen stehen am Ende der 2016 begonnenen Spielzeiten auf dem Zähler von „Boindl“ und Co. – eine mehr als die sonst üblichen sieben Aufführungen, da es 2019 eine Zusatzvorstellung gegeben hatte. Damals ereignete sich etwas, was in den folgenden Jahren Standard werden sollte: Immer, wenn der Kartenvorverkauf im Dezember startete, kollabierte entweder das System und/oder die knapp 600 Karten pro Vorstellung waren innerhalb nur weniger Minuten restlos ausverkauft. Darum gab es 2019 eine Vorstellung mehr als üblich.
Viel zu schön war in den vergangenen Jahren nicht nur das Zusammenspiel von Boindlkramer Ernst Martin und Brandner Kaspar Walter Kolbeck, sondern auch das von allen anderen Mitwirkenden – ob auf der Erde oder im Himmel – und vor allem der vielen jüngeren Mitspieler, die in den vergangenen acht Jahren mit dem Stück auch erwachsen geworden sind.
Eigentlich war ein bayerischer Don Quichotte geplant, als es 2016 dann doch ein Brandner Kaspar wurde, der selbst zwei Jahre Zwangspause durch die Corona-Pandemie bestens überstanden hatte. Wie auch sonst, waren selbstverständlich auch die Karten für 2020 schon im Dezember des Vorjahres wie immer in kürzester Zeit ausverkauft gewesen ...
Zehn Kerschgeist trank der Boindlkramer noch einmal in der letzten Aufführung, vier der Brandner Kaspar – Über 600 Mal hoben beide in den vergangenen Jahren so ihre Gläser, bis dem Boindlkramer jedes einzelne Mal nicht mehr klar war, dass er beim Kartenspiel betrogen wird. Über 600 weitere Lebensjahre hat sich der Brandner Kaspar so übrigens in Summe ergaunert, die er am Ende gar nicht haben wollte.
Abschluss mit viel Regen
Rund 25 000 Besucher zählte das Stück und würde wohl noch viele mehr zählen, wäre es am Samstag nicht die definitiv letzte Vorstellung des Stückes in der Bearbeitung von Regisseur Johannes Reitmeier gewesen.
Eine Produktion mit so vielen Rekorden, das erlebt eine Laienspieltruppe wahrlich nicht alle Tage. Der Brandner Kaspar auf Burg Lichtenegg hatte hatte sich jeden einzelnen aber verdient, wie auch der Applaus und die Begeisterung der Zuschauer bei der selbstverständliche letzten Aufführung am Samstag bei strömendendem Regen gezeigt haben. Ob da nicht sogar der Himmel weinte? 43 Mal gab es nach der Pause jedenfalls immer ein erstauntes „Oooh“, wenn sich der Himmel auf der Bühne öffnete und klar wurde, dass zehn (und mehr) Kerschgeist einfach zu viel für den Boindlkramer gewesen waren.
Der Himmel stand dem Brandner Kaspar dabei jedes Mal offen – und offen bleibt nach dem letzten Vorhang für die Spielerschar im Moment aber noch, welches Stück an diesen Erfolg im kommenden anknüpfen soll.

