Auf Burg Lichtenegg ist Ruhe eingekehrt: Ein allerletzter Blick auf den Brandner Kaspar

Von Sigrid Gollek-Riedl · 7. September 2023 um 05:00

Ist Ihnen das auch schon passiert? Sie kommen bei einem Spaziergang an einen Ort und es huscht Ihnen unwillkürlich ein Lächeln über die Lippen, oder Sie können sich einen Schmunzler nicht verkneifen. Im Burghof auf Lichtenegg haben das wohl einige schon erlebt.

Lichtenegg, das ist der LiBu und das ist das Theaterstück vom Brandner Kaspar, das seit 2016 so vielen tausend Zuschauern so großes Vergnügen bereitet hat. Der Brandner Kaspar – ja, wer würde da nicht sofort an Walter Kolbeck denken – mit einem nächsten Schmunzler.

Grund genug, sich noch einmal einige markante Szenen ins Gedächtnis zu rufen – mit einer kleinen Portion Wehmut, dass sich der Brandner im August endgültig verabschiedet hat. „Wir sind nicht die Brandner-Kaspar-Festspiele“, sagte Regisseur Johannes Reitmeier bei der Premierenfeier vorausblickend auf ein neues Stück in der nächsten Saison.

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Nun, man sollte Reitmeier, der diese Brandner-Version so genial ausgedacht und auf die Bühne gebracht hat, selten widersprechen, in dem Fall vielleicht doch. Der LiBu brachte sehr wohl Brandner-Kaspar-Festspiele auf die Bühne und die wären wohl auch in den nächsten Jahren ausverkauft. Denn nicht wenige Zuschauer waren jedes Jahr dabei, wenn der Kaspar mit dem kerschgeist-beschwipsten Boandlkramer um das ewige Leben gekartelt und ihn mit dem Grasober gedupft hat. Wenn er mit dem Gustl voll Imbrunst „Wenn der Auerhahn balzt“ geschmettert hat, und wenn ihn das Elend packte, als der Boandlkramer seine Traudl und Enkelin Marerl geholt hat.

Ein klein wenig waren es auch die Walter-Kolbeck-Festspiele, zu denen sie aber nur geworden sind dank kongenialer Partner wie Ernst Martin oder Ludwig Kern und natürlich dank der vielen LiBu-Spieler, ob im „Himmel oder drunten“, die dem Erfolgsstück die wichtige und richtige Würze verliehen haben.

Man darf sagen, für Walter Kolbeck war der Brandner Kaspar die Rolle seines Lebens. Das deutete der LiBu-Chef schon beim Wintertheater 1989 in der Rimbacher Schulturnhalle an, als sich der Lichtenegger Bund das erste Mal an die Geschichte von Franz von Kobell herangewagt hatte: mit einfachen Mitteln, auf engem Raum – damals mit Johannes Reitmeier als Boandlkramer. Schön ist es gewesen – und noch viel schöner war es auf der Burg. Und an eine weitere große Rolle sei kurz erinnert: die des Mühlhiasl 1992 bis 1994 und 2000. Auch der drückte der LiBu-Chef seinen unverwechselbaren Stempel auf.

Brandner – Kolbeck, Kolbeck – Brandner bisweilen verschwammen die Konturen zwischen ihm und der Bühnenfigur. Und ein bissl Brandner ist Walter Kolbeck auch im wirklichen Leben. Wie sagt Kaspar auf der Bühne zur plärrenden Kreszenz bei der Feier seines 75. Geburtstages? „Geh, wo samma mir denn oid. I gspür nix.“ Es gilt. Glückwunsch zum 80., Walter.

Kracherd, verschmitzt und hinterkünftig – das kann er eh, doch Walter Kolbeck beherrscht auch die leisen Zwischentöne meisterlich. Fotos: Simon Tschannerl