Abschieds-Saison des LiBu-Erfolgsstücks: Der Brandner Kaspar war schlichtweg perfekt

Von Alfred Wutz · 16. Juli 2023 um 20:30

Kein Zweifel: Die Geschichte vom Boindlkramer, der von einem ausgefuchsten Wildschützen und Schmuggler beim Kartenspiel beschissen wird, diese Geschichte ist nicht von der Bühne zu kriegen. Es sei denn, das Ensemble entschließt sich, die Erfolgsserie freiwillig zu beenden. So wird es also zum Ende dieser Saison auf Burg Lichtenegg einen Einschnitt geben. Denn „Der Brandner Kaspar und das ewig Leben“ – heuer im siebten Jahr aufgeführt – wird 2024 nicht mehr gezeigt. Der Lichtenegger Bund hat angekündigt, in der nächsten Saison ein anderes Stück zu spielen.

Die Premiere am Samstagabend, wie alle Vorstellungen vergangener Jahre restlos ausverkauft, ließe es allerdings durchaus zu, das Erfolgsstück erneut aufzulegen: Großer Schlussapplaus, jede Menge Szenenbeifall, ein sichtlich amüsiertes, bestens unterhaltenes, ja begeistertes Publikum, sind untrügliche Indizien, die dafür sprechen würden.

Regierungspräsident Jonas war begeistert

In Worten fasste es der diesjährige Schirmherr, Regierungspräsident Walter Jonas, zusammen, als er der Spielschar auf offener Bühne gratulierte und sagte: „Es war großartig, ganz toll! Und deshalb ist es für mich eine Ehre, hier Schirmherr sein zu dürfen!“

Sehen Sie hier Impressionen vom Stück: Der Brandner Kaspar auf Burg Lichtenegg: Einmal mehr pures Vergnügen

Rimbach, den Landkreis Cham mit seiner reichhaltigen Theaterszene, die Oberpfalz und Bayern sah er als zusammenhängende Kette in Bezug auf großes Theater. Dem Lichtenegger Bund bescheinigte er, dass der im vergangenen Jahr erhaltene Heimatpreis des Freistaats „völlig zurecht verliehen wurde“.

Das Stück an sich lasse erkennen, welche Freude die beteiligten Menschen an ihrem Spiel hätten: „Das ist grandios!“ Möglich werde die tolle Gesamtleistung durch die Aktivität im Ehrenamt und den Einsatz der Beteiligten.

Der „Chef“ des Lichtenegger Bundes, Walter Kolbeck, bedankte sich nicht nur beim Schirmherrn Walter Jonas für das Lob, sondern auch bei seiner Theatergemeinschaft: Er ließ zur Überraschung aller jeweils eine rote Rose an jeden Mitwirkenden auf und hinter der Spielbühne überreichen.

Dass sich die Schauspieler, die Helfer hinter der Kulisse sowie Mitglieder des Lichtenegger Bundes und weitere Freunde nach der Vorstellung zu einer zünftigen Premierenfeier zusammenfanden, hat auf Burg Lichtenegg Tradition.

Einen Dank an die beiden Hauptdarsteller Walter Kolbeck – er spielte auch heuer den Brandner Kaspar – und Ernst Martin als Boindlkramer stellte Rimbachs Bürgermeister Heinz Niedermayer bei der Begrüßung an den Beginn seiner Rede, ehe er die Besucher dieses Premierenabends begrüßte sowie die Ehrengäste mit dem Schirmherrn Walter Jonas an vorderer Stelle.

Alles passte zusammen bei der Premiere

Die Vorstellung einmal mehr zu bewerten – „der Brandner und der Boindl“ sind schon in sechs Vorjahren auf Lichtenegg aktiv gewesen! – ist müßig. Es war schlichtweg eine perfekte Angelegenheit, abgesehen von einer kurzen Unterbrechung wegen eines glücklicherweise nur kleinen medizinischen Problems bei einer Zuschauerin. Da passten die Dialoge, die Akteure setzten ihre Rollen einwandfrei um, es gab handgemachte Musik zur Überbrückung von Bühnenumbauten sowie zur Ergänzung des Geschehens, dazu fein ausgeleuchtete Szenen und schließlich das (aus den Vorjahren bekannte) opulente Bild des bayerischen Himmels im Gegensatz zur schlichten Dorf-Idylle. Mit dem „Erzengel Zeremonienmeister“ einschließlich der himmlischen Heerschar von Engerln aller Größen, dem „Portner Petrus“, der „Bürgermeisterstochter Kathie“, dem „Wildschützen Gustl“ samt der Brandner-Enkelin „Marerl“ und deren Großmutter „Traudl“ sind weitere tragende Rollen und ihre Darsteller zu nennen. Sie standen „dem Brandner und dem Boindl“ nicht viel nach.

Dass die Handlung – original durch Franz von Kobell im bayerischen Oberland platziert, von Kurt Wilhelm einst als Komödie angelegt – in der Fassung von Johannes Reitmeier für den Lichtenegger Bund in die Rimbacher Gegend „hineingeschrieben“ wurde, erwies sich auch zu Beginn der siebten Spielsaison als wesentlich für den Bezug zum Publikum. Darin ist auch der Erfolg zu sehen, und dass sich das Theater auf Burg Lichtenegg in jeder Hinsicht mit den vielen anderen Produktionen bis hin zum star-besetzten Kinofilm messen kann.

Was der Lichtenegger Bund mit seinem Ensemble in der nächsten Saison auf die Bühne bringen wird, darf mit Spannung erwartet werden – und mit der Gewissheit, dass erneut hochwertiges Theater gespielt wird.

Vorhang für Brandner (Walter Kolbeck) und Boindl (Ernst Martin), die für ihre schauspielerische Glanzleistung mit frenetischem Applaus belohnt wurden.
„Das ist grandios!“, lobte Regierungspräsident alle Beteiligten auf und hinter der Bühne bei seiner Schirmherrn-Ansprache.
Schirmherr Walter Jonas im Gespräch mit dem Ehepaar Zellner und Darstellern
Für die Schauspieler gab es bei der Premierenfeier auf der Burg rote Rosen.