Wenn das E-Auto brennt: „Da hilft nur löschen, löschen, löschen“

Von Lucia Pirkl · 21. September 2023 um 19:00

Im Juli beschäftigte ein brennender Frachter vor der niederländischen Küste die Medien. Unter den brennenden Fahrzeugen waren viele E-Autos. Sind E-Autos also gefährlicher?

Kreisbrandrat Niklas Höfler winkt ab: Bisher seien Brände bei E-Autos im Landkreis nicht sehr häufig. Die Gefahr ist zudem auch nicht größer als bei anderen Pkw-Bränden. Eine gewisse Vorsicht ist dennoch geboten.

Herr Höfler, was ist anders, wenn ein E-Fahrzeug brennt?

Nikolaus Höfler: Ein E-Fahrzeug brennt in erster Linie genauso wie ein normales Fahrzeug. Der einzige Unterschied: Von der Batterie geht eine gewisse Gefahr aus, da heißt es „kühlen, kühlen, kühlen“. Und freilich muss man mit einiger Entfernung, aus der Deckung, die Batterie löschen. Dazu muss man aber an sie rankommen, oft sind sie ja sehr verbaut. Das Heimtückische an einem Batteriebrand ist etwas Anderes: Sie kann sich ich Nachhinein entzünden, auch Tage nach dem Brand. Aber darauf sind wir vorbereitet.

Inwiefern?

Höfler: E-Autos, die gebrannt haben, werden von den Abschleppdiensten an so genannte Havarieplätze gebracht. Auch eine Pkw-Löschdecke, die beim Abtransport dafür sorgt, dass ein Akkubrand nicht entsteht, kann da hilfreich sein. So eine hat beispielsweise die FFW Aiglsbach, aber auch der Abschleppdienst, mit dem die Feuerwehren im Landkreis zusammenarbeitet.

Was ist noch zu beachten, wenn ein E-Fahrzeug brennt?

Höfler: Zum einen sind das sehr hohe Temperaturen, die Batterie reagiert auch sehr heftig, Wenn wir zu einem Verkehrsunfall kommen, müssen wir erst einmal schauen, ob man überhaupt noch erkennen kann, ob es ein E-Auto ist.

Normalerweise wird durch das Auslösen von Airbags das Hochvoltsystem abgeschaltet. Ansonsten muss man die Zündung händisch ausschalten und das Fahrzeug sichern.

Zu beachten ist auch, dass die Hochvoltverteilungen, die orange gekennzeichnet sind, nicht getrennt werden dürfen, die sind nämlich spannungsführend und somit sehr gefährlich. Ansonsten hilft aber nur löschen, löschen, löschen.

Woher wissen die Einsatzkräfte, wo diese orangen Verteilungen am Auto verbaut sind?

Höfler: Dafür gibt es vom Hersteller digitale Rettungskarten, auf denen zu erkennen ist, wo was, beispielsweise die Airbags, verbaut sind. Diese Rettungskarte kann man beispielsweise unter die Sonnenblende klemmen. Aber die Feuerwehr kann auch über die integrierte Leitstelle eine Abfrage machen.

Das Löschen von E-Autos ist sicherlich auch Bestandteil der Feuerwehrausbildung?

Höfler: Ja, wir haben in den vergangenen Jahren verschiedene Schulungsmöglichkeiten genutzt. Die Feuerwehr Würzburg hat zum Beispiel ein Merkblatt herausgebracht. Es gibt Online- und praktische Schulungen, auch Kommandantenfortbildungen und jede Menge Lehrmaterial. Aber im Prinzip behandelt man einen Brand beim E-Auto genauso wie bei einem normalen Auto.

Wie sieht es aus, wenn ein E-Auto in der Tiefgarage zu brennen anfängt?

Höfler: Bei Großgaragen gibt es Feuerwehrpläne, in denen die Ladestationen eingezeichnet sind. Dann kann man dort vor Ort im Brandfall die Sicherungen rausmachen. In Saal bei der Firma BLG AutoTerminal Kelheim GmbH & Co. KG haben wir uns intensiv mit den Parkregalen auseinandergesetzt.

Da müssen zwischen den Regalen bestimmte Abstände eingehalten werden. Wir haben uns das auch zusammen mit einem Abschleppdienst angesehen und geschaut, wie wir da im Ernstfall ein brennendes Auto herauskriegen würden.

Da gibt es außerdem auch fest Steigleitungen und geschützte Treppenräume.

Wir können freilich nicht wissen, wo dann letztendlich E-Autos stehen, aber wir haben uns im Rahmen des Brandschutzkonzepts schon viele Gedanken gemacht und sehr frühzeitig Löschpläne erarbeitet.

Wir haben also keine Angst vor einem Brand von E-Autos, wir haben nur einen gesunden Respekt.

Interview: Lucia Pirkl

Abensbergs Kommandant Konrad Bauer zeigt einen Isolationsschutzhandschuh, der bis zu 1000 Volt geprüft ist.
Die Feuerwehr Aiglsbach hat ganz gute Erfahrungen mit Feuerlöschdecken gemacht. Das vereinfache die Arbeit und man brauche nicht so viel Löschwasser
Darüber hinaus hat sich die Feuerwehr Aiglsbach ein Löschrohr für Elektroautobrände machen lassen. Damit kann man dann auch einen Akku gut kühlen.
Die Freiwilligen Feuerwehren seien gut für solche Fälle ausgebildet und müssen dennoch ein paar Details beachten, weiß Kreisbrandrat Nikolaus Höfler.