Acht Amerikaner auf spannender Spurensuche in und um Waldmünchen

Von Petra Schoplocher · 20. September 2023 um 18:45

Untergrafenried. Der Dorfname kommt Mike Meixelsperger ein wenig sperrig über die Lippen. Was nicht verwunderlich ist, ist er doch Amerikaner. Und außerdem muss er nebenbei lächeln. „Einfach wunderbar“ sei ihr Familienbesuch in Waldmünchen, auf den Spuren ihrer Vorfahren. Die sollte sogar noch eine Überraschung bereit halten.

Meixelsperger und seine Frau Lauri, deren Schwester, Mama und Cousine, sein Bruder mit Frau... es ist ein bunter Haufen, der sich da aus der Partnerstadt Plain und Umgebung aufgemacht hat, um die jeweiligen Europareisen (Kroatien, Italien, Österreich) so zu takten, dass ein gemeinsamer Tag in Waldmünchen herausspringt.

Schon bei der Anfahrt von Cham kommend stellen sie fest: „Das sieht ja aus wie zuhause!“ Von der Landschaft sind sie begeistert: „Es ist überall so schön hier“, schwärmt Tracey Meixelsperger.

Emotionale Momente

Übertroffen nur noch von den Momenten, in denen sie vor den Häusern stehen, aus denen ihre Vorfahren abstammen: John Bapists Liegls Haus in Hocha, der 1854 mit seiner aus Untergrafenried stammenden Frau Barbara in New York ankam – die Ur-Urgroßmutter von Lauri. Die Heimstätte von Andreas Meixelsperger und Katharina (geborene Bauer) in Untergrafenried. Das sei „verrückt“ und zugleich sehr berührend gewesen.

Wo sind die Verwandten?

Mike Meixelsperger hofft, dass von dem Besuch eine Initialzündung ausgeht und er in Kontakt zu Verwandten kommt. Zwar hatte sein älterer Bruder in frühen 1980er-Jahren bereits erste Bande geknüpft, nur sei das eingeschlafen. In Erinnerung sei ihm aus dessen Erzählungen jedoch geblieben, dass er seinerzeit ein Restaurant Meixelsberger besuchte.

Die Großmutter kam in Irlach zur Welt

„Meine Großmutter ist in Irlach geboren“, verrät indes Diane Zins, die Waldmünchen als einzige schon von zwei Besuchen kennt und immer wieder aufs Neue beeindruckt ist.

Die Städtepartnerschaft sei „definitiv ein Thema in der Stadt“, sagen die amerikanischen Besucher übereinstimmend. Schon allein aus dem Stolz auf das bayerische Erbe heraus, das sich unter anderem mit deutschen Straßennamen und einem Christkindlmarkt zeigt.

Gegenseitige Wertschätzung über den Atlantik

Diese Einschätzung freut Waldmünchens Bürgermeister Markus Ackermann besonders, waren die acht Amerikaner doch die erste „Abordnung“ seit der offiziellen Besiegelung der Städtepartnerschaft im Dezember 2022. „Auf die sind wir sehr stolz“, versicherte er den Gästen, für die er einen halben Tag lang Führer „spielt“.

Zum und beim Stadtrundgang gibt er Informationen zur Geschichte – deren Anfangsdaten bei Amerikanern auch dieses Mal wieder für Staunen sorgen . Weitere Themen: die frühere und aktuelle wirtschaftlichen Situation, zu der die Feststellung gehört, dass der Landkreis Cham auf bayerischer und der Kreis Pilsen auf böhmischer Seite zu den prosperierendsten ihres Landes gehören.

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Überraschend vernehmen die Besucher, dass Tschechien, und damit über Jahrzehnte auch der Eiserne Vorhang, nur „einen Steinwurf“ entfernt liegt. „Wir waren das Ende der westlichen Welt“ an einer tödlichen Grenze, führt er vor Augen. Weitere Folge(n): Abwanderung, schwierige ökonomische Situation.

Die Auswanderer

Letztere war in den Jahren ab etwa 1850 auch für die meisten Menschen den Ausschlag, ihre Heimat Richtung USA zu verlassen. Mike Meixelsperger betont, dass er gerne Näheres über die Gründe und vielleicht auch Ängste wissen würde, die zu diesen weitreichenden Entschlüssen geführt haben.

Ob sie in den Tagen in Deutschland schon eine Lieblingsspeise ausgemacht haben? „Alles“, lachen sie übereinstimmend und betonen, dass vor allem das Frische-Angebot überzeugt. Folglich wird der Abstecher zum zufällig zeitgleichen Bauernmarkt auf dem Markplatz zum unfreiwilligen Highlight.

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„Sie haben Feuer gefangen“, wird Christa Senft ein paar Stunden später überzeugt sagen. Die Waldmünchnerin, bestend vernetzt in und nach Plain, ist in der Aster Kirche zur Gruppe gestoßen. Die hat für die Nachkommen der Auswanderer deshalb eine so große Bedeutung, weil in der St.-Anna-Kapelle in Plain eine Kopie des Gemäldes Muttergottes von Ast hängt. Dieses hatten Barbara und Georg Hetzel als eine der Ersten, die die alte Heimat besuchten, 1929 in Ast in Auftrag gegeben. Sie erhielten es Monat später per Post und spendeten es.

Ein besonderer Sohn

War dies für die Großfamilie schon ein berührendes Erlebnis, sollte ein Höhepunkt noch folgen. Denn beim Blick in die Unterlagen, die Christl Senft zuhause verwahrt, stellt sich heraus, dass besagter Auswanderer Meixensperger gar kein solcher, sondern „illegitim“ und später adoptiert ist. Dies sollte für die Amerikaner nicht der einzige Wow-Effekt bleiben. (Familien)Geschichten wie die ihre , sie hören nicht auf, haben kein Anfang und kein Ende. Aber sie haben ein spannendes Dazwischen. Das lange nicht auserzählt ist.

Die Kirche in Ast ist seit jeher Sehnsuchtsort jedes Plainers. In der Kapelle der Partnerstadt hängt eine Nachbildung der Gottesmutter von Ast. Christa Senft (rechts) wusste viel zu berichten und konnte dank ihres umfassenden Dokumentenschatzes später noch bei der Ahnenforschung helfen. Fotos: Senft
Vier Mal Meixelsperger: (von links) Rory, Tracey, Mike und Lauri. Deren Vorfahr Johann Bapist Liegl stammt aus diesem Haus in Hocha.