Unglaubliches, 7300 Kilometer entfernt: USA-Urlaub für einen Abstecher nach Plain genutzt

Von Petra Schoplocher · 18. April 2023 um 15:00

Eine Straße, die den eigenen Familiennamen trägt? Da müssen die meisten lange suchen. Jonas Dietl und Christian Liegl haben „ihre“ gefunden. Und das fast 7300 Kilometer weit weg und im gleichen Örtchen. Plain, der neuen Partnerstadt Waldmünchens. Nicht die einzige unglaubliche Entdeckung der beiden Freunde.

Im Fall von Christian Liegl ist es sogar eine „Avenue“. Da kann man in seinem Fall dann auch schon einmal darüber hinwegsehen, dass sie „Liegel“ geschrieben wird. Genauso wie die Schatzmeisterin der dortigen Historischen Gesellschaft – nicht zufällig natürlich.

Sie führte die beiden Besucher aus Bayern auch durch das kleine Museum. „Da haben wir erst mal große Augen gemacht“, sagt der 32-Jährige immer noch bewegt. Und: „Jetzt kapieren wir beide erst, was das für eine Verbindung zwischen den beiden Städten ist.“ Das Landschaftsbild spreche für sich, wie auch die Mentalität. Die größte Gemeinsamkeit ihrer Meinung nach: der Stolz auf ihren Staat (Wisconsin und Bayern) und ihre Identität.

Lesen Sie hier:Das amerikanische Plain ist Waldmünchens neue Partnerstadt

Dass die beiden Waldmünchner nach Miami, Washington und New York überhaupt in den Staat im Mittleren Westen gereist sind, ist der schulischen Vergangenheit des Duos geschuldet. Jonas Dietl hat – im Gegensatz zu Christian Liegl (der das bedauert) – den Kontakt zu seinem damaligen Austauschpartner David im knapp drei Stunden entfernten Port Washington nie verloren. Mit der dortigen High School pflegt das Chamer Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium seit über 30 Jahren eine Verbindung mit gegenseitigen Besuchen.

Eine Woche in Wisconsin

Eine ganze Woche waren die Waldmünchner bei dem mittlerweile 27-jährigen David und dessen Mama zu Gast. Amerika zum Anfassen, „Muffins zum Frühstück inklusive“, lächelt Liegl.

„Der Joni hatte die Partnerschaft und die relativ geringe Entfernung am Schirm“, erklärt der designierte Hauptdarsteller der Trenckfeststpiele. Was ihm besonders gefallen hat: Dass David sie nach Plain begleitet hat. „Er war begeistert.“ Vielleicht nicht zuletzt, weil er wie so viele „da drüben“ deutsche Wurzeln hat. Deutsche Wurzeln: In Plain sind sie nahezu überall zu finden. Sogar in der Bar, die dem Bruder von Bürgermeister Ray Ring gehört. Dort haben sie im Keller gerade Leberwürste selber hergestellt. „Es hat gerochen wie früher bei Oma und Opa“, ist Christian Liegl immer noch hin und weg. Noch warm wurde sie verzehrt, zur „Nachspeise“ gab es dann vom Bürgermeister angerichtete Burger. „Wir waren uns einig, dass das mit die besten in drei Wochen USA waren.“

Kulinarisch ebenso interessant: Der Besuch einer der letzten verbliebenen Käse-Manufakturen, Verköstigung und Mitgebsel. Nicht der einzige, sondern einen von vielen Momenten, in denen die amerikanische Gastfreundschaft (und Freundlichkeit) aufblitzte, wie die beiden Waldmünchner anerkennd bemerken.

Geschichtlich beeindruckte das kleine, feine Museum, in der Schule sorgte die dort neben anderen Materialien aus Waldmünchen als Unterrichtsmaterial ausliegende Festschrift zu 100 Jahren Feuerwehr Prosdorf für Gänsehaut-Momente. Vor allem bei Christian Liegl, sind doch sein Vater und die beiden Brüder auf Fotos zu sehen. „Um ein Haar, und ich wäre auch dabei gewesen“, sagt er, der immer noch in der dortigen Wehr aktiv ist.

Blick in die Milchfarm

Sehr informativ war der letzte Programmpunkt des Nachmittags, als es zu diversen Milchfarmen ging. Da schloss sich Joe Wankerl, einer der Motoren der Städtepartnerschaft an. „Toll, was der an Geschichte und Geschichten zum Besten gab und wie gut sein Bayerisch noch ist.“ Zur Erklärung: Wankerl ist 92 Jahre alt!

Zum Abschluss stattete das deutsch-amerikanische Trio Friedhof und Kirche einen Besuch ab, ein „schöner Abschluss“, wie Liegl betont. Sein Fazit, salopp formuliert: „Das ist absolut verrückt.“

Amerika. Christian Liegl findet (er war nicht zum ersten Mal dort), dass es nach wie vor mehr Gemeinsam- als Verschiedenheiten gibt. Die Spaltung des Landes sei aber dennoch unübersehbar, erzählt Liegl. In Gesprächen mit Gastfamilie ebenso wie in den Momenten, die er und Jonas in New York erlebt haben. Als sie dort waren, wurde gerade gegen Donald Trump Anklage erhoben, die entsprechenden Proteste inklusive.

Während Liegl und Dietl ihren letzten Urlaubstag genossen, traf sich in Waldmünchen erstmals eine „Interessensgruppe Plain“, so der vorläufige Arbeitstitel. Bei diesem wurden erste Ideen gestrickt, allen voran ein Auszubildenden-Austausch.

Nachdem sowohl in Plain als auch in Waldmünchen die Baubranche eine herausragende Stellung einnimmt, liegt eine entsprechende Fokussierung nahe. Deswegen war auch Siegfried Wagner gekommen, der für sein Unternehmen grundsätzliche Offenheit für derartige Initiativen zusicherte.

Für Mai ist ein weiterer Termin geplant, dann sollen auch Jonas Dietl und Christian Liegl eingeladen werden, um ihre Eindrücke zu schildern. Die sind unbestritten grandios, berührend, schlicht herzerwärmend. Und mutmachend.

Jonas Dietl (Mitte) und sein Ex-Austauschpartner David (r.), der ihn und Christian Liegl auch nach Plain begleitet hat
Geschenk aus Waldmünchen: (von links) Christian Liegl und Jonas Dietl übergaben ein Bild an Plains Bürgermeister Ray Ring. Joe Wankerl freut sich, dass die Verbindung wieder Besuch nach Wisconsin „gespült“ hat. -Foto: Fotos: Lins