Unternehmen begrüßen E-Mobilität, sehen aber auch Grenzen der Nutzbarkeit

Die Zahl der Fahrzeuge mit Elektroantrieb bei Firmen und Behörden im Landkreis Kelheim steigt. Ob jedoch ein E-Mobil oder ein Verbrenner angeschafft wird, hat ganz unterschiedliche Gründe. Ein Überblick.
„Ich bin noch nie liegen geblieben“, sagt Michaela Mader-Hampp. Mitarbeiterin des Zustellstützpunktes der DHL Group in Abensberg, und zeigt stolz auf ihren E-Scooter. Auf den lässt sie nichts kommen. Auch die Kolleginnen und Kollegen loben das Fahrzeug. Es sei nicht schlechter als herkömmliche Fahrzeuge.
16 E-Fahrzeuge und 24 Verbrenner gehören zum Fuhrpark des Stützpunkts. Fast 16.000 Pakete und 100.000 Briefe werden von hier pro Woche in Abensberg, Neustadt, Siegenburg, Rohr, Wildenberg, Train und Kirchdorf zugestellt. Die Fahrzeuge mit Elektromotor werden vor allem auf den Touren eingesetzt, die sich näher am Stützpunkt befinden, der im Gewerbegebiet Gaden beheimatet ist. Wenn Fahrzeuge liegen bleiben, so DHL-Betriebsmittelmanager Günther Glötzl, träfe das eher die neuen Kollegen, die möglicherweise die Akkukapazität unterschätzten. Ansonsten, so Glötzl, seien die E-Fahrzeuge nicht weniger zuverlässig als andere.
Die Post, die bis vor kurzem die Streetscooter sogar selbst baute, setzt trotz des Verkaufs der Produktionsrechte für ihre elektrischen Zustellfahrzeuge stark auf E-Mobile. Jasmin Derflinger, Pressesprecherin bei der DHL Group, betont, dass das Unternehmen bis 2050 völlig emissionsfrei sein wolle. Dazu gehöre auch die Umstellung der Fahrzeugflotte.
Umrüstung läuft
Im Bereich der Niederlassung Straubing, die das komplette Gebiet der Postleitzahl-Leitregionen 93 und 94 versorgt, hat DHL Deutsche Post insgesamt 1077 Fahrzeuge in Betrieb. „Davon sind bereits 457 Fahrzeuge mit E-Antrieb, also entweder StreetScooter oder Mercedes E-Vito“, sagt Jasmin Derflinger. Zusätzlich gibt es noch 42 E-Bikes und 98 E-Trikes in der Niederlassung Straubing.
Möglicherweise könnte der Einsatz von E-Fahrzeugen bei Kommunen, Gebietskörperschaften im ÖPNV steigen, wenn sich die Umweltvorschriften in den Städten und Gemeinden ändern. Doch Umweltzonen, wie es sie zum Beispiel in München und Regensburg gibt und die bereits zahlreiche Verbrenner von öffentlichen Straßen verbannen, sind im Landkreis Kelheim noch nicht eingeführt.
Eine „Nummer kleiner“ ist die Fahrzeugflotte des Caritas-Kreisverbandes Kelheim. 70 Fahrzeuge sind im Einsatz. „Der allergrößte Teil sind kleine Pkw “, sagt Geschäftsführer Hubert König. „Ein Drittel unserer Fahrzeuge fährt elektrisch.“ Das hat mehrere Gründe – der vielleicht wichtigste: Der Caritas-Kreisverband will klimaneutral unterwegs sein. „Tue Gutes und tue es klimaneutral – das ist unser Anspruch“, sagt Hubert König.
Das gelte nicht nur für die Fahrzeuge, sondern auch für die Immobilien. Darum verfügt die Caritas auch über eigene Photovoltaik-Anlagen. Für den Sozialverband rechnet sich die Umstellung auf E-Autos auch. Pro Auto und Jahr fahren die Stromer um rund 1000 Euro günstiger als Verbrenner. Hubert König verschweigt aber auch nicht, dass sich in dieser Rechnung natürlich die Förderung niederschlägt. „Fast 10.000 Euro pro E-Auto“, so König. Die Autos des Verbands sind auf festen Strecken unterwegs, der Energieverbrauch ist gut planbar. Markus Rossbauer, Pfleger in der Kelheimer Sozialstation, fährt gerne mit den E-Autos. „Vor allem in der Stadt sind die toll“, sagt er. Bei seiner täglichen Route, beispielsweise von Kelheim nach Painten und Maierhofen und wieder zurück gibt es keinerlei Reichweitenproblem.
Richard Röck, Bereichsleiter Energie und Umwelt bei der Regensburg für Oberpfalz/Kelheim bestätigt: „Mehrere Studien belegen, dass E-Fahrzeuge trotz hohem Energieeinsatz bei der Batterieherstellung und CO2-belasteter Stromerzeugung über die Lebenszeit betrachtet umweltfreundlicher sind als Verbrenner. Final birgt die Weiterentwicklung der Elektromobilität große wirtschaftliche, umweltpolitische und gesellschaftliche Chancen und ist somit ein zukunftsweisendes Thema der deutschen Industrie.“
Kombi mit Photovoltaik
Mobilitätskonzepte in den Betrieben würden immer häufiger auf eine Kombination von Photovoltaik und E-Mobilität hinauslaufen, betont Richard Röck. Wichtig bei der Entscheidung für oder gegen E-Mobilität sei daneben auch die Reichweite der Fahrzeuge. Das könne gerade auch bei großen Fahrzeugen wie Lkw künftig ein Vorteil für Wasserstoff sein.
Große Fahrzeuge? Armin Amann, Geschäftsführer beim Busservice Watzinger in Pentling, wo 85 Busse betreut werden, sagt, dass es auch auf den Kunden beim Einsatz von E-Fahrzeuge ankomme. „Er entscheidet, ob das gemacht werden soll“, stellt Amann klar.
Kunden sind insbesondere öffentliche Verkehrsverbünde, anders formuliert: die öffentliche Hand. Da gibt es jedoch noch kein einheitliches Bild. So
besitzt der Landkreis Kelheim bei seinen Dienstwagen zwei E-Autos, 18 Diesel, einen Benziner und ein Hybrid-Fahrzeug, wobei in dieser Aufzählung keine Nutzfahrzeuge für beispielsweise Tiefbau, Abfallwirtschaft, Katastrophenschutz, Gärtner, Maurer oder Schreiner enthalten sind. „Eine komplette Umstellung der Dienstwägen des Landkreises auf E-Autos ist derzeit nicht praktikabel“, erläutert Lukas Sendtner, stellvertretender Stabsstellenleiter im Landratsamt Kelheim.
„Aufgrund der Reichweite, Ladezeiten und der Ladeinfrastruktur sind E-Autos für mehrmals täglich wechselnde Nutzer und weite Strecken eher weniger geeignet“, erklärt Sendtner. Es entstünden des Weiteren höhere Kosten, insbesondere höhere Leasingraten, und die Lieferzeiten sind länger als bei Verbrennern. Darum stellt Sendtner fest: „Eine weitere Elektrifizierung ist derzeit nicht geplant. Dem Kreisbauhof stehen Dieselfahrzeuge zur Verfügung. Der Straßenunterhalt mit Elektroautos ist aufgrund der begrenzten Reichweite, sowie der langwierigen Ladevorgänge nicht praktikabel.“
Auch in den Kommunen kann man die immer wieder in der Gesellschaft zu beobachtende Begeisterung für E-Fahrzeuge nicht ganz teilen. Im Rathaus Abensberg sind derzeit zwei VW mit E-Antrieb im Einsatz. Bei zwei BMW handelt es sich um Hybride und damit keine reinen Elektrofahrzeuge. Kurz vor Auslieferung steht ein E-Fahrzeug von Opel fürs Wasserwerk für den Rohrnetzunterhalt. „Daneben gibt es noch E-Scooter und einen E-Roller“, teilt Abensberg Pressesprecher Ingo Knott mit.

