Städtepartnerschaft zwischen Neustadt a.d. Donau und Recoaro Terme besteht seit 35 Jahren

Von Jochen Dannenberg · 19. September 2023 um 05:00

Es war ein Grund zum Feiern: Seit 35 Jahren besteht die Städtepartnerschaft mit Recoaro Terme in Italien. Zweimal wurde das Jubiläum in diesem Jahr gefeiert – zuletzt in Italien. Doch die, die die Städtepartnerschaft über Jahrzehnte aufrecht erhalten haben, werden älter. Wie geht es weiter?

Menschen aus zwei Nationen mit unterschiedlicher Sprache und Kultur kommen zusammen, lernen sich und die Eigenheiten des anderen kennen und schließen Freundschaften. Das ist, grob verkürzt, das Wesen einer Städtepartnerschaft. Nutznießer sind nicht nur Bürgermeister und Stadträte, sondern alle Bürger. Sportvereine und Chöre gehören genauso dazu wie die jungen Absolventen der Hotelfachschule Recoaro Terme, die Jahr für Jahr zu einem mehrwöchigen Praktikum nach Bad Gögging kommen.

Bayerische Kost angeboten

„Die Städtepartnerschaft zwischen Recoaro Terme in Italien und Neustadt an der Donau ist eine lebendige, gelebte Partnerschaft“, betonte denn auch Bürgermeister Thomas Memmel kürzlich im Stadtrat. Kurz zuvor waren rund 100 Neustädterinnen und Neustädter zum traditionellen Herbstfest in Recoaro Terme gereist, um mit den italienischen Freunden das Jubiläum zu feiern. Einige von ihnen – nämlich die Feuerwehr Neustadt sowie die Landjugend Irnsing – waren am Neustadt-Stand auf dem Herbstmarkt vertreten, wo sie Steaks, Würstl, Kraut und Bratkartoffeln aber auch Bier und Radler servierten.

Ein Neustädter wurde beim Jubiläumswochenende besonders geehrt – Manfred Fritsch. Er ist ein Motor der vielfältigen Beziehungen zwischen Neustadt a.d. Donau und Recoaro Terme. „Manfred Fritsch ist einer der derjenigen, der die Städtepartnerschaft verkörpert und der sich darum kümmert, betreut und selber viel Freude daran hat“, sagte Bürgermeister Memmel gegenüber dieser Zeitung. Fritsch wurde deshalb im Stadtrat der Partnerstadt zum Ehrenbürger von Recoaro Terme ernannt.

Die Städtepartnerschaft selbst sieht Memmel im europäischen Kontext. „Die Partnerschaft ist ein Beispiel, wie man vieles aus der Vergangenheit überwunden hat“, sagt er.

Zugleich machte die Ehrung deutlich, dass die Städtepartnerschaft derzeit vor allem noch von Personen getragen wird, die von Beginn an dabei sind. 35 Jahre sind das, eine Generation. Jetzt steht ein Generationswechsel im Raum.

Neustadts Bürgermeister ist nach dem Fest in Recoaro Terme optimistisch: „Ich war froh, dass viele junge Neustädter dabei waren. Ich hatte den Eindruck, dass sie Spaß hatten.“ Memmels Wunsch ist deshalb, dass auch andere junge Neustädter ihre Freude an der Städtepartnerschaft und sich diese Begeisterung verfestige.

Weil die Städtepartnerschaft eine gegenseitige Beziehung mit Menschen in zwei Ländern ist, wurde das Jubiläum der Verbindung heuer zweimal gefeiert – beim Stadtfest im Juli in Neustadt a.d. Donau und jetzt in Recoaro Terme. Natürlich wurden dabei auch Geschenke überreicht. Eine ungewöhnliche Idee lag dabei einem Geschenk aus der Partnerstadt zugrunde: Dort hatte man eine Tafel gefertigt, die auf einen „Garten der Höflichkeit“ hinweist. Er fordert die Neustädter auf, gemeinsam einen Garten anzulegen.

Idee zum Mitmachen

„Wenn du willst, pflanze eine Blume, entferne das Unkraut. Gieße, wenn es nötig ist. Wir schaffen zusammen was schönes“, steht auf der Tafel, die die Bürger zum Mitmachen auffordert.

Die Idee ist nicht unbekannt und wird in Deutschland bereits an vielen Orten als „Urban Gardening“ praktiziert. Wo der „Garten der Höflichkeit“in Neustadt a.d. Donau entsteht, ist noch nicht klar. „Die Suche nach einer geeigneten Fläche läuft“, sagt der Bürgermeister.

Eine andere Aktion hatte symbolischen Wert: An der Neustadt-Brücke in Recoaro Terme wurde von den Neustädter Vertretern ein Baum gepflanzt. Daneben zeigten die Neustädter Fahrradfreunde, wie einfach gelebte Freundschaft sein kann: Sie radelten in mehreren Etappen auf ihren eigenen Fahrrädern in die italienische Partnerstadt.

Gelegenheit zu einem Ausflug in die Partnerstadt besteht unter anderem wieder Ende Februar nächsten Jahres. Dann findet das traditionsreiche Winteraustreiben in Recoaro Terme, die Chiamata di Marzo, statt. Die Stadt wird voraussichtlich wieder einen Bus organisieren.

Einen Vorgeschmack auf die Chiamata bot der Festzug beim Jubiläum. Foto: Domenico Stefani
Bürgermeister beim Festzug in Recoaro Terme: Thomas Memmel und Armando Cunegato Foto: Domenico Stefani