Sind Fahrer Mangelware? So geht es Busunternehmen im Landkreis Cham

Von Benjamin Riehl · 9. September 2023 um 19:00

Überall fehlen Fachkräfte, viele Unternehmen suchen Personal. Auch im Öffentlichen Nahverkehr ist Personal Mangelware. Das führt bei Bahnunternehmen sogar soweit, dass gerade in der Urlaubszeit ganze Strecken nicht mehr bedient werden können. Wie ist die Lage im Landkreis Cham? Wir haben bei Busunternehmen nachgefragt.

Probleme, Busfahrer zu finden, hat Gabi Blöchinger von Ederer Reisen nicht. Ihre Linien, die sie bedient hat, habe sie nämlich abgegeben, sagt sie. Ausflüge bediene sie nur noch ausgewählt. „Ich habe einen Busfahrer. Wenn der in den Ruhestand geht, gehe ich auch“, sagt sie. Denn das Busgeschäft sei hart geworden. Jetzt wird die Lage auch im Landkreis durch Urlaubszeit und Fachkräftemangel verschärft.

Im Landkreis fehlen Fahrer

Auch im Landkreis fehlen überall Busfahrer. „Wir suchen nicht händeringend“, sagt Alexander Bauer, Geschäftsführer von Reisecenter Multerer in Stamsried. „Aber wir suchen wie in allen Bereichen. Wir fahren auch selbst, weil Personal fehlt“, sagt er. Gerade jetzt, wo die Fahrer im Urlaub seien, käme die Firma an die Kapazitätsgrenzen. Zumal sie noch Schienenersatzverkehr für die Bahn übernommen hätten.

Auch Johannes Baumgartner, Geschäftsführer von Baumgartner-Reisen, hat Probleme, Personal zu finden, sagt er. Er würde immer nach Fahrern suchen. Sein Kollege Johannes Pongratz, Juniorchef beim Busunternehmen Kellermeier, sagt: „Ich kenne keinen, der niemanden sucht. Natürlich suchen wir.“

Noch sei es im Landkreis nicht zu Ausfällen im Betriebsablauf bei den Buslinien gekommen, heißt es von der Mobilitätszentrale auf Anfrage. Das liege daran, dass der ÖPNV im Landkreis mittelständig organisiert sei. Die Unternehmen hätten ein gutes Netz an Teilzeitkräften. So sei es bisher gelungen, den Betrieb des Netzes zu sichern. Ähnliches berichten die Busunternehmer. „Bisher hatten wir immer Glück. Wir haben nie Betriebsausfälle gehabt“, sagt Baumgartner. Beim Linienverkehr seien die Busunternehmen auch vertraglich gebunden, sagt Pongratz. Abstriche wegen Personalmangels machten sie eher bei den Anfragen für Ausflüge. „Wir haben viele Anfragen. Aber wir können sie nicht bedienen. Wir könnten fahren, fahren, fahren. Aber uns fehlen die Busfahrer“, sagt er.

Die Urlaubszeit überbrückt Multerer mit Aushilfen. Und weil die Inhaber selbst hinter dem Steuer säßen. Auch Baumgartner sitzt regelmäßig selbst am Steuer. „Das ist ein schöner Ausgleich. Und man bekommt Umleitungen und Ähnliches eher mit“, sagt er.

Gründe, warum gerade bei den Busfahrern Mangel herrscht, gibt es einige. DasBusgeschäft sei ein klassischer Niedriglohnsektor, sagt Busunternehmer Bauer. Da sei es schwierig, Leute zu finden. Da mache sich der Fachkräftemangel deutlich bemerkbar. Die Arbeitszeiten seien auch schwierig. Oft müsste man nachts oder an Wochenenden fahren, oder sei mehrere Tage auf Ausflügen unterwegs. Pongratz sieht kleine Busunternehmen bei den Arbeitszeiten auch im Nachteil im Vergleich zu größeren, denn die Arbeitstage in einem mittelständischen Busunternehmen seien lang. Pongratz spricht von 12, 13 Stunden am Tag. Da habe man das Nachsehen im Vergleich zur freien Wirtschaft, wo Acht-Stunden-Tage und ein freies Wochenende lockten. Auch das würde viele vom Beruf des Busfahrers abhalten.

Die schwankenden Arbeitszeiten schreckten viele davon ab, Busfahrer zu werden, sagt Bauer. Zudem sind die Hürden, Personal über Umschulungen zu bekommen, recht hoch. Der Busführerschein koste aktuell etwa 10000 Euro, das müsse man erst wieder hereinfahren.

Die Hürden, in das Busgeschäft einzusteigen, sehen auch Baumgartner und Pongratz als zu hoch an. Auch sie beklagen die hohen Kosten für den Busführerschein. Das wäre früher einfacher gewesen, als es noch die Wehrpflicht gab, sagt Bauer. Denn viele Wehrdienstleistende konnten den Führerschein in ihrer Zeit bei der Bundeswehr machen. So war der Einstieg in den Job als Busfahrer leichter, wenn man den Führerschein schon hatte und nicht erst für viel Geld machen musste. Mit der Bundeswehrreform sei das aber weggefallen. Zwar gibt es Maßnahmen der Agentur für Arbeit zur Umschulung, auch einen Zuschuss zum Führerschein zahle die Agentur. Aber das allein werde den Mangel nicht beheben.

Wie die Unternehmer an neues Personal kommen, ist unterschiedlich. Bei Multerer sei die Lage noch nicht so kritisch, weil es ein kleiner Familienbetrieb sei, da sei die Grundstimmung besser als in großen Busunternehmen, sagt Bauer. Da wäre man nur eine Nummer, sagt er. Immer wieder kämen Busfahrer aus anderen Unternehmen auf sie zu und wollten bei ihnen anfangen. Dazu kommt, dass es in ihrem Unternehmen mehr Abwechslung gäbe, denn sie führen nicht nur Linie, sondern auch Ausflüge. Das brächte mehr Abwechslung in den Arbeitsalltag.

Die Busunternehmer sind skeptisch, dass sich die Lage bessern wird. Auch wenn die Löhne stiegen, die Rahmenbedingungen mit den schwierigen Arbeitszeiten blieben, sagen Pongratz und Bauer. „Wir müssen als Busunternehmer offen für alles sein. Und uns fragen, was will der Mitarbeiter. Dann stricken wir den Dienstplan darum herum“, sagt Bauer. Positiv sieht er auch die Lohntariferhöhung um 15 Prozent. „Zwar müssen wir das zahlen, aber dafür kriegen wir vielleicht leichter Leute“, sagt er. Außerdem müsste der Führerschein billiger werden, sagt Bauer. Das wäre eine große Erleichterung und würde den Einstieg in das Busfahren vereinfachen. In Österreich etwa koste der Busführerschein nur die Hälfte. Aber dass er auch in Deutschland billiger werde, das sei nicht absehbar.

Abhilfe soll auch eine neue Vermittlungsplattform der Mobilitätszentrale schaffen. Und an den Bussen prangt mittlerweile Werbung, dass Personal gesucht wird. Da hätte man bereits erste Vermittlungserfolge erzielt, heißt es von der Mobilitätszentrale. Auch das Busunternehmen Kellermeier hätte bereits einen neuen Busfahrer über die Mobilitätszentrale bekommen. Abhilfe für den Mangel soll auch eine Maßnahme der Regierung schaffen.

Fahrer aus dem Ausland

Da könnten Fahrer aus dem Kosovo nach Bayern kommen. Allerdings ist den Busunternehmern nicht ganz klar, wie das genau abläuft. Weder Pongratz noch Bauer oder Baumgartner hätten dieses Angebot bisher genutzt. Pongratz sucht seine Mitarbeiter mittlerweile ausschließlich im Ausland. Denn in Bayern sei es schwierig, an Personal zu kommen. Für Gabi Blöchinger spielt das keine Rolle. Ihr Hauptgeschäft mache sie mittlerweile mit Milchwagenfahrten. Sie hat dem Busgeschäft fast vollkommen den Rücken gekehrt, sagt sie.