Buslinien vorgestellt: 10.000 Kilometer mehr ÖPNV von Waldmünchen nach Oberviechtach

Von Martin Hladik · 2. September 2023 um 05:00

Rein sachlich ist es nur ein Betreiberwechsel auf zwei Buslinien im Raum Oberviechtach und Waldmünchen. Welche Bedeutung die Kommunalpolitik der Angebotserweiterung mit mehr Fahrten zu den Stoßzeiten und an Samstagen zwischen Waldmünchen, Stadlern und Oberviechtach zurechnet, zeigt aber die Anwesenheit von sechs Bürgermeistern aus zwei Landkreisen und Landrat Franz Löffler für den Landkreis Cham.

Landrat Löffler machte deutlich, dass der Landkreis ständig bemüht sei, das ÖPNV-Angebot zu verbessern. In dünn besiedelten Gebieten sei es allerdings nicht einfach, ein Angebot zu schaffen, das die Bedürfnisse der Bürger erfülle. Ein Weg seien „alternative Systeme wie der Rufbus“, von dem es mittlerweile 16 Linien gibt.

70 Prozent der Busse betreibt die öffentliche Hand

Normalerweise würden Buslinien aber von einem Unternehmen selbst, also eigenverantwortlich, betrieben, oder aber gemeinverantwortlich und damit von der öffentlichen Hand. In letzter Zeit sei die Tendenz zum gemeinverantwortlichen Betrieb von Buslinien immer stärker geworden. 70 Prozent der Buslinien im Landkreis würden so über die öffentliche Hand betrieben.

Im Landkreis habe man über legt, wie man dem entgegenwirken könne. Ein Ansatz war, bestimmte Aufgaben auf die Mobilitätszentrale des Landkreises zu übertragen. Entsprechend wurden die zwei im August ausgelaufenen Buslinien 490 Waldmünchen-Tiefenbach-Oberviechtach und 491 Stadlern - Schönsee - Tiefenbach - Waldmünchen neu ausgeschrieben. Hierfür hätten sie zwei Unternehmen beworben. Den Zuschlag habe das Busunternehmen Pertl aus Tiefenbach erhalten, unter anderm weil sein Konzept mehr überzeugte.

Bessere Zeiten für die Pendler

Landrat Löffler zeigte sich „sehr erfreut“, dass es gelungen sei, einen Unternehmer als Betreiber zu gewinnen. Dass das geklappt habe, dafür danke er auch den an der Strecke liegenden Kommunen und dem Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling.

Die Linien verbesserten das Angebot für Pendler mit je einer zusätzlichen Fahrzeit morgens und abends. Zudem gebe es eine zusätzliche Verbindung am Samstag. Rund 10000 Kilometer mehr biete Pertl so im ÖPNV an. „Ein stolzer Wert“, sagte Landrat Löffler. Wichtig sei auch: Dass auf der gesamten Strecke, also auch im Landkreis Schwandorf, der VLC-Tarif anerkannt werde.

Auch technisch wurde in die Linien investiert. So wurde die komplette Haltestellenbeschilderung erneuert. 40 Prozent davon trägt der Landkreis. Der Busunternehmer Pertl hat in einen Bordrechner und Leittechnik investiert. Das ermögliche im Landkreis erstmals das digitale Deutschlandticket zu erfassen. Das sei wichtig, um eine gerechte Verteilung der Lasten des Deutschlandtickets zu erreichen.

Löffler erklärt die derzeitige politische Situation, die ab 2024 eine Bundespauschale für das Deutschlandticket vorsieht. Die Landkreise befürchten allerdings, dass dies bei Weitem nicht reichen wird, und fordern deswegen eine Aufteilung anhand der tatsächlichen Kosten. Dass das Deutschlandticket funkioniere, räumte Landrat Löffler allerdings ein. Allein 10000 Stück seien im Landkreis verkauft worden. Allerdings leider nicht so viele an Pendler wie an Gelegenheitsnutzer.

Der 74-jährige Busunternehmer Franz Pertl machte deutlich, dass er die Buslinien auch aus nostalgischen Gründen übernommen habe. Sein Unternehmen habe diese Strecken schon in den 50er und 60er Jahren betrieben.

Lob für den Busunternehmer: Fair und zuverlässig

Der Bürgermeister von Tiefenbach, Ludwig Prögler, sagte, seine Gemeinde habe gleich mehrfach Grund, sich zu freuen. Zum einen sei es eine wichtige Erweiterung des ÖPNV, zum anderen komme ein einheimischer Unternehmer zum Zuge, der als „fair, zuverlässig und guter Partner“ bekannt sei.

Schülerbeförderung: Probleme in Gaisthal

Der Schönseeer Bürgermeister Reinhart Kreuzer verwies auf weiterhin bestehende Probleme. So sei es für seine Bürger weiterhin schwierig, nach Cham und noch schwieriger, nach Eslarn zu kommen. Besonders hart treffe es einen Schüler aus dem Ortsteil Gaisthal. Der besuche eine Schule in Waldmünchen, dürfe für den Schulweg aber den Bus erst im nächsten Ort benutzen, obwohl sein Ortsteil von einer andern Linie angefahren werde. Der Schönseeer Bürgermeister sah hier das Problem im Zuschnitt der Schulsprengel.

Landrat Löffler widersprach. Es gehe nicht um die Schulsprengel, sondern um die Schulwegfreiheit. Hier gelte der Grundsatz, dass immer der günstigste Schulweg zu wählen sei. Er kenne solche Situationen auch aus dem Landkreis Cham. „Hier habe ich eine pragmatische Lösung gefunden!“ Allerdings könne man ein Gesetz nicht wegen einer Person in das totale Gegenteil verkehren.

Für Oberviechtach sprach der dritte Bürgermeister Günther Gilch, der sich für seine Stadt über die Verbesserung freute. Als „absolut positiv“ für den Schulstandort Waldmünchen bezeichnete der stellvertretende Bürgermeister Martin Frank die beiden Buslinien.

Das Zustandekommen der Vereinbarung über die Landkreisgrenzen hinweg freute Gerald Reiter, den Bürgermeister in Stadlern. Mit einem regionalen Anbieter habe man es gut getroffen, weil hier viel über den kurzen Dienstweg zu regeln sei. Als „Koryphäe unserer Region“ lobte der Treffelsteiner Bürgermeister Helmut Heumann den Busunternehmer Pertl. Durch die Änderungen würden die Buslinien für alle Menschen und nicht nur für die Schüler nutzbar.