Verkehrsfreigabe für vierspurigen Ausbau der B85 bei Roding

Von Oliver Hausladen · 1. September 2023 um 17:44

Cham hat als einziger Landkreis in der Oberpfalz keinen Meter Autobahn – umso wichtiger sei der Ausbau der Bundesstraßen, betonten die Festredner am Freitagnachmittag bei der Verkehrsfreigabe der vierspurig ausgebauten B 85 zwischen Altenkreith und Wetterfeld. Der Abschluss des 52 Millionen Euro teuren Projekts sei ein Meilenstein für die Infrastruktur auf „unserer Autobahn“, wie Landrat Franz Löffler die wichtige Ost-West-Verbindung nannte.

Viel politische Prominenz, aber auch Vertreter von Behörden und Firmen sowie einige Bürger waren gekommen, um beim kleinen Fest zur Freigabe mit dabei zu sein. Der Verkehr, der auf der Gegenfahrbahn pausenlos rollte, machte dabei deutlich, wie wichtig dieser Ausbau ist. Unter die Gäste hatte sich auch die im Mutterschutz befindliche Bürgermeisterin Alexandra Riedl gemischt – inklusive Mann Manuel und Söhnchen Theo im Kinderwagen.

3,4 Kilometer Länge, sechs Jahre Bauzeit

Die B 85 wurde in den vergangenen sechs Jahren zwischen Altenkreith und Wetterfeld auf einer Länge von rund 3,4 Kilometern auf vier Fahrspuren ausgebaut. Dafür wurden umfangreiche Erdarbeiten durchgeführt, vier Brücken gebaut und für Landschaft und Natur rund drei Hektar Ausgleichsflächen angelegt. Im Oktober 2020 konnte der erste Abschnitt zwischen der Regenbrücke und Piendling für den Verkehr freigegeben werden, nun folgt der restliche rund 1,5 Kilometer lange Abschnitt bei Roding. Beim Grunderwerb gab es 115 Grundstücks-Betroffene, mit denen einvernehmliche Vereinbarungen getroffen werden konnten.

Der Bereichsleiter für Straßenbau am Staatlichen Bauamt Regensburg, Berthold Schneider, freute sich über die vielen Besucher. Mit einem kleinen Fest inklusive Blasmusik von der Stadtkapelle Roding unter der Leitung von Sepp Köppl und einer Brotzeit wurde der Akt begangen. Schneider dankte allen, die in Planung und Bau involviert waren und insbesondere auch den Anliegern für ihr Verständnis für die Behinderungen in der Bauzeit sowie der Stadt für die reibungslose Zusammenarbeit.

16000 Fahrzeuge pro Tag

Der vierspurige Ausbau des Abschnitts sei ein wichtiger Baustein für die Weiterentwicklung der Verkehrsinfrastruktur in der gesamten Region, sagte Michael Theurer (FDP), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Verkehr. Mobilität müsse klimafreundlicher werden, sagte er, doch müssten auch gerade in ländlichen Regionen Straßen ge- und ausgebaut werden. Es gelte aus seiner Sicht , künftig noch mehr auf alternative Antriebsarten zu setzen.

Der Ausbau bei Roding sei sehr wichtig, die Gemeinden werden entlastet, der Lärmschutz verbessert, so Theurer. Bei 16000 Fahrzeugen pro Tag auf dieser Straße und der Wichtigkeit der Verbindung, auch als Zubringer zu den Autobahnen und nach Tschechien, sei das Geld gut angelegt. Nun gelte es, möglichst schnell Planrecht für den nächsten Abschnitt bei Altenkreith zu erreichen. „Die Ampel-Regierung in Berlin wird auch weiterhin Straßen in Bayern bauen“, versprach der aus Baden-Württemberg stammende Politiker.

Wichtige Verbindung auch nach Tschechien

„Bundes- und Staatsstraßen sind die Lebensadern des ländlichen Raums. Der Ausbau der B 85 zwischen Altenkreith und Wetterfeld trägt maßgeblich zur Sicherung und Stärkung der guten Erreichbarkeit Ostbayerns bei. Davon profitiert nicht nur der Landkreis Cham – die B 85 ist auch eine wichtige Verbindung zum tschechischen Straßennetz“, unterstrich Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker. Die Entwicklung im ländlichen Raum könne nur funktionieren, wenn auch die Verkehrsachsen entsprechend ausgebaut seien. Nach insgesamt sechs Jahren Bauzeit sei nun ein „denkwürdiger Tag“ für Roding gekommen, der auch von entscheidender Bedeutung für die gesamte Region sei.

Die tolle Entwicklung des Landkreises Cham in den vergangenen Jahrzehnten sei nur möglich gewesen, weil auch die Infrastruktur weiterentwickelt worden ist, sagte Landrat Löffler. Die Verkehrsfreigabe des ausgebauten Abschnitts sei ein weiterer Meilenstein auf „unserer Autobahn.“

„Freudiger Tag für Roding“

Es sei ein freudiger Tag für Roding, betonte 2. Bürgermeister Reinhold Schoierer. Für die Stadt Roding, auch als Wirtschaftsstandort, aber auch für den ganzen Landkreis sei der Ausbau der B85 sehr wichtig. „Ein deutliches Plus an Sicherheit und beim Verkehrsfluss“ werde der vierspurige Ausbau mit sich bringen, ist er überzeugt. „Schneller und sicherer“ könnten die Verkehrsteilnehmer jetzt an ihr Ziel gelangen.

Die Stadt habe die Baumaßnahmen auch genutzt, um als Synergieeffekte weitere Arbeiten durchzuführen, etwa den Bau eines Radwegs oder den Ausbau der Unterführung in Mitterkreith. Schoierer dankte den Anliegern und allen am Bau Beteiligten – und hofft, dass die Bagger nun nicht lange ruhen werden: „Wir würden uns wünschen, dass es im nächsten Teilstück bei der Ortsumfahrung Altenkreith so bald wie möglich weitergeht.“

Bevor die Ehrengäste das Band durchschnitten und die Straße damit symbolisch freigaben (es stehen allerdings ab Montag noch Restarbeiten an), erbaten Kaplan Bastian Neumann und die evangelische Dekanin Ulrike Dittmar noch Gottes Segen für den ausgebauten Streckenabschnitt und alle, die ihn nutzen.

Die neue Verkehrsführung ab Montag

Letzte Verkehrsphase: Nach der feierlichen Verkehrsfreigabe ist noch die Einrichtung einer letzten Verkehrsphase nötig, wie Richard Bosl vom Staatlichen Bauamt Regensburg informierte. Diese wird am Montag, 4. September, eingerichtet und dauert etwa drei Wochen.

Restmaßnahmen und „Inselbaustelle“: Im Bereich der Mittelstreifen-Überfahrt östlich der Regenbrücke müssen die Lücken der vorhandenen Entwässerungsleitung und der Betonschutzwände geschlossen werden. Zu diesem Zweck wird eine „Inselbaustelle“ eingerichtet. Die jeweils innen liegenden Fahrspuren werden dabei gesperrt. Im unmittelbaren Baustellen-Bereich wird die Geschwindigkeit auf 50 Stundenkilometer reduziert.

Fahrtrichtung Schwandorf: In Fahrtrichtung Schwandorf bleibt der Fahrstreifeneinzug bei der Anschlussstelle Roding unverändert. Es gibt eine einspurige Verkehrsführung bis zur „Inselbaustelle“ auf der Nordfahrbahn, danach geht es zweispurig bis zur Überleitung östlich von Altenkreith weiter.

Fahrtrichtung Cham: In Fahrtrichtung Cham wird es eine einspurige Verkehrsführung auf der Südfahrbahn ab der Überleistung östlich von Altenkreith bis zur „Inselbaustelle“ geben. Der linke Fahrstreifen wird mit Leitbaken gesperrt. Die Sperrung ist nötig, weil auf der Südfahrbahn weitere kurzzeitige Baufelder (Einbau von Induktionsschleifen für eine Dauerzählstelle, Beseitigung eines Brandschadens im Asphalt) eingerichtet werden müssen, erläuterte Bosl. Nach der „Inselbaustelle“ gibt es auf der Südfahrbahn eine zweispurige Verkehrsführung.

Anschlussstelle Mitterdorf-Nord: Die Anschlussstelle Mitterdorf-Nord ist ab Montag wieder frei befahrbar.

B 85 wird ab Altenkreith zur Kraftfahrstraße: Mit Einrichtung der neuen Verkehrsphase am Montag wird die Bundesstraße 85 ab Altenkreith zur Kraftfahrstraße, informierte Bosl weiter. Die ist dann ausschließlich für Kraftfahrzeuge bestimmt, deren Höchstgeschwindigkeit mindestens 60 Stundenkilometer beträgt. Langsamer Verkehr wird ab Altenkreith auf die Gemeindeverbindungsstraße nach Mitterdorf ausgeleitet. Die nur während der Bauzeit gestatte Nutzung der Bundesstraße für den langsamen Verkehr endet somit.

Kaplan Bastian Neumann segnete den ausgebauten Streckenabschnitt.
Gelungene Überraschung: Bürgermeisterin Alexandra Riedl war mit ihrem Mann und Söhnchen Theo im Kinderwagen gekommen, auch Michael Theurer gratulierte. Foto: Simon Tschannerl
Ab Montag stehen noch Restarbeiten an, aber in Kürze kann der Verkehr sowohl in Richtung Schwandorf als auch in Richtung Cham zweispurig rollen.