Neumarkter Polizei: Mehr Jugendarbeit – weniger kriminelle Jugendliche

Von Nicole Selendt · 7. September 2023 um 05:00

Stefan Pröll ist der Jugendbeamte bei der Neumarkter Polizei. Er sagt: Eine gute Jugendarbeit ist eine sehr gute Prävention. Auf einen Nenner gebracht heißt das: Je mehr Jugendarbeit – desto weniger Jugendkriminalität. Die Polizei arbeitet auch mit dem Kreisjugendring zusammen.

Im Umgang mit Jugendlichen oder Kindern: Merkt man einem Jugendlichen an, wenn er ein Ehrenamt hat, in einer Fußballmannschaft spielt oder sonst soziale Kompetenz mitbringt?

Stefan Pröll: Ja, das merkt man definitiv. Ein solcher Jugendlicher hat schon gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Er setzt sich eher mal für andere ein, wenn es zum Beispiel in der Schulklasse mal Probleme gibt – Stichwort Streitschlichter. Er hilft eher mal an der Schulbushaltestelle.

Welchen Wert hat es, wenn Gemeinden Jugendarbeit betreiben? Und hat es Auswirkungen auf die Jugendkriminalität?

Pröll: Die Schüler werden aus meiner Sicht von der Straße runtergeholt, sie halten sich weniger im öffentlichen Raum auf, wo man dann Probleme hätte, zum Beispiel mit Ruhestörungen oder Vermüllung von öffentlichen Plätzen. Das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger steigt dadurch erheblich.

Glauben Sie, dass Kinder und Jugendliche weniger dazu neigen, Straftaten zu begehen, wenn sie ein Ehrenamt ausüben oder in der Jugendarbeit sind?

Pröll: Ich denke, ja, weil Blödeleien aus der Langeweile heraus wegfallen. Gerade Dinge wie Sachbeschädigungen passieren, weil man nicht weiß, was man mit sich anfangen soll. In solchen Situationen hält man sich irgendwo im öffentlichen Raum auf und dann geht schnell was kaputt. Derjenige, der im Fußballverein ist oder mit einem anderen Angebot der Gemeinde Beschäftigung findet, wird das weniger machen.

Wenn die Polizei präventiv auf Jugendliche zugeht: Spielt das Thema Ehrenamt, soziales Engagement oder Jugendarbeit eine Rolle?

Pröll: Direkt wird das von mir nicht mit angesprochen. Wir machen eher Vorträge zu konkreten Themen, die momentan die Aktualität prägen. Unser Hauptthema momentan ist Kinderpornografie im Klassenchat und das allgemeine Verhalten in den sozialen Medien. Hier halten wir momentan an den Schulen Vorträge, weil in dem Zusammenhang in letzter Zeit die Straftaten wieder zugenommen haben und wir versuchen, das durch Prävention und Sensibilisierung schon vorher einzufangen.

Viele Gemeinden verfügen über Jugendtreffs. Gab es in den vergangenen Jahren Meldungen über Sachbeschädigungen oder Einbrüche in diesen Einrichtungen?

Pröll: In den letzten Jahren hatten wir mit Sachbeschädigungen keine Probleme. Eine Ausnahme war vor vielen Jahren die Gemeinde Mühlhausen, wo der Jugendtreff regelmäßig Schauplatz von Sachbeschädigungen oder Einbrüchen geworden ist. Einen Einbruch gab es zuletzt im Jugendtreff in Freystadt. Aber das war jetzt wirklich die Ausnahme.

Gibt es eine Zusammenarbeit der Polizei mit den gemeindlichen Jugendpflegern, der Koja oder dem KJR? Wie sieht die aus?

Pröll: Dreimal ja. Insbesondere mit Markus Ott vom Kreisjugendring bin ich laufend in Kontakt, weil der KJR im Bereich Prävention unheimlich wichtig ist. Ich selber erreiche die Schüler nur in der Schule bei Vorträgen. Aber nach der Schule werden die Schüler dann eher von der Koja, dem Kreisjugendring oder den gemeindlichen Kreisjugendpflegern angesprochen. Die dortigen Akteure bilden wir als Multiplikatoren aus, um am Nachmittag nochmal Prävention zu betreiben. Es gibt ja zum Beispiel die Schulung, bei der in mehreren Schulungen an einigen Samstagen die Jugendleiter-Card erworben werden kann. Da schalten wir uns mit einem Vortrag mit dazu. So können die Jugendleiter unsere Themen – Verhalten in den sozialen Medien und im Klassenchat – wieder an die Kinder und Jugendlichen weitergeben.

Jugendliche Straftäter werden oft zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Dort kommen sie mit Themen wie soziales Engagement oder Jugendarbeit in Berührung. Glauben Sie, dass das einen Effekt hat?

Pröll: Ich glaube, ja. Zum einen hat eine solche Strafe ja mal eine abschreckende Wirkung. Der Jugendliche merkt: Für meine Straftat muss ich mit Konsequenzen rechnen. Ich muss in meiner Freizeit eine Arbeit machen, für die ich kein Geld bekomme. Zum anderen macht der Jugendliche aber auch eine neue Lebenserfahrung.

Der stellt fest, was es bedeutet, in der Gemeinschaft was zu erreichen. Dadurch wird vielleicht sein Selbstwertgefühl gestärkt und er sagt sich danach: Es hat Spaß gemacht, in der Gruppe gemeinsam was zu erarbeiten und macht das dann weiterhin. Das kann ich mir zumindest bei dem ein oder anderen gut vorstellen.

Stefan Pröll ist Ansprechpartner für Schulen und betreibt unter anderem Präventionsarbeit mit Vorträgen. Foto: Nicole Selendt