Jugendpfleger: Sie sind im Landkreis Neumarkt die kompetenten Kümmerer vor Ort

Sie organisieren das Ferienprogramm, betreiben Jugendtreffs, organisieren Fahrten, Feste und Abenteuer, sie verleihen der Jugend im Stadt- oder Gemeinderat eine starke Stimme und sie sind da, wenn Ehrenamtliche an ihre Grenzen stoßen: Jugendpfleger und Jugendpflegerinnen.
In den Kommunen im Landkreis Neumarkt ist gerade nach der Coronazeit das Bewusstsein für die soziale Ebene immer mehr gewachsen, wie Markus Ott, der Geschäftsführer des Kreisjugendrings in Neumarkt, erklärt. Und deswegen greifen auch immer mehr Kommunen auf die Expertise und das Wissen der Sozialpädagogen oder Erzieher zurück – viele über den Kreisjugendring Neumarkt.
Mehrere Gemeinden – ein Jugendpfleger: Synergieeffekte möglich
Grade für kleinere Kommunen im Landkreis hat sich folgende Vorgehensweise bewährt: Zwei Gemeinden teilen sich einen Jugendpfleger, der jeweils die Hälfte seiner Zeit in einer der beiden Kommunen verbringt, die Trägerschaft übernimmt der Kreisjugendring. Das bringt laut Geschäftsführer Ott nur Vorteile mit sich: Es ergäben sich Synergieeffekte, Ideen aus einer Kommune könnten in der anderen übernommen werden und umgekehrt, es könnten ähnliche oder gemeinsame Ferienprogramme entstehen.
Darüber hinaus sei es leichter, eine Vollzeitstelle auszuschreiben – es käme deutlich mehr Rücklauf an Bewerbungen von sehr gut ausgebildeten Interessenten. Und: Die Jugendpfleger könnten Themen und Probleme, die die Jugend grade beschäftigen, direkt an den KJR kommunizieren. Dort werde dann entschieden, ob das Thema zum Beispiel in punkto Prävention aufgegriffen werden sollte.
Deinings Bürgermeister bewertet Entscheidung positiv
Im Landkreis Neumarkt beschäftigt der Kreisjugendring in 13 Gemeinden derzeit sieben Jugendpfleger. Deinings Bürgermeister Peter Meier setzt ein dickes Ausrufezeichen hinter sein Ja zur Frage, ob es die richtige Entscheidung für seine Gemeinde gewesen ist, einen Jugendpfleger einzustellen. Die Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring ermögliche es Meier, sich mit der Stadt Velburg einen Jugendpfleger zu teilen.
Bevor der CSU-Politiker im März 2020 zum Bürgermeister Deining gewählt worden war, war er sechs Jahre lang Jugendbeauftragter gewesen – ehrenamtlich. Nun einen Jugendpfleger zu beschäftigen, sei goldrichtig gewesen – auch, wenn ihm seiner zunächst schnell wieder abgehanden gekommen ist. Andreas Steiner hatte seine Stelle zwar zunächst angetreten, war aber zum Bürgermeister in Seubersdorf gewählt worden und hat dort mittlerweile seine Amtsgeschäfte aufgenommen.
Steiner hatte während seiner Zeit in Deining zusammen mit der Jugend im Dorf einen Kinder- und Jugendplan ausgearbeitet. Rund 100 Kinder waren gekommen und hatten ihre Ideen eingebracht. Messbare Ergebnisse sind bisher ein Wasserspender in der Schule und ein Bikepark, den die Gemeinde für 350000 Euro gebaut hat und der voraussichtlich Ende September eingeweiht werden kann.
Meier ist wichtig, dass alle in der Verwaltung und im Gemeinderat weiterhin hinter der Entscheidung für den Jugendpfleger stünden. Denn nur so könne dieser auch etwas bewegen. Mittlerweile ist für die beiden Gemeinden wieder ein neuer Jugendpfleger gefunden, wie Ott mitteilt.
Meier sieht die gemeindliche Jugendpflege als Ergänzung zu den Sportvereinen und Verbänden in Deining. Es gebe viele Schnittmengen, auch gemeinsame Aktionen fänden statt. Ähnliches hat auch Postbauer-Hengs Bürgermeister Horst Kratzer zu berichten. Er arbeitet schon seit 2010 mit dem KJR zusammen.
Postbauer-Heng: Drei Kräfte für die Jugend
Er hatte damals eine Studie zur Jugendarbeit in Auftrag gegeben. Diese hatte ergeben, dass in seiner Gemeinde für die Jugendarbeit zwei Vollzeitkräfte vonnöten seien – was zunächst einmal für ziemlichen Aufruhr im Gemeinderat gesorgt habe, wie Kratzer sich erinnert. Postbauer-Heng fing dann mit einem Jugendpfleger an – einem Mix aus Streetworker und Betreuer für einen Jugendtreff.
Mittlerweile beschäftigt die Gemeinde über den Kreisjugendring mit Frank Schmidpeter und Katarina Stein zwei Jugendpfleger – plus eine Sozialarbeiterin, die sich um das vom Bund geförderte Projekt „Jugend.Ernst.Nehmen.“ kümmert. „Die Jugendpfleger sind überall akzeptiert, die in Postbauer-Heng recht inhomogene Jugendschaft – grade die, die nicht in Vereinen organisiert ist – findet sich in deren Angeboten wieder“, sagt Kratzer.