KJR-Geschäftsführer Markus Ott erklärt, warum in der Jugendarbeit Profis so wichtig sind

Von Nicole Selendt · 5. September 2023 um 23:54

Hauptamtliche Jugendarbeit ist wichtig. Diese Meinung vertritt der Geschäftsführer des Kreisjugendrings Neumarkt, Markus Ott. Im Interview erklärt er, welchen Vorteil es für eine Gemeinde bringt, einen Profi zu beschäftigen.

Warum sollte möglichst jede Gemeinde im Landkreis einen hauptamtlichen Jugendpfleger haben?

Markus Ott: Wir sind froh darüber, dass sich immer mehr Gemeinden hauptamtliche Unterstützung für die verschiedensten Belange, Aufgaben und Herausforderungen von Kindern, Jugendlichen und dem Ehrenamt holen. Die Lebenswelt vieler Menschen – nicht nur der jungen – hat sich stark verändert. Mit einem immer häufigeren Wegfall stabiler Beziehungen in der Familie, einem starken Gefühl der Unsicherheit, hervorgerufen durch die vielen Krisen, sowie den Auswirkungen von übermäßigem und unkontrolliertem Social Media-Konsum erleben wir immer mehr Unterstützungsanfragen bis hin zu Hilferufen. Hier kommen die „Kümmerer“ vor Ort ins Spiel.

Sie unterstützen die Vereine und das Ehrenamt bei pädagogischen, finanziellen, rechtlichen und strukturellen Fragen. Diese „Kümmerer“ haben nicht nur die Organisationen wie Vereine, Gemeinde, Schule, Familie und Kirche im Blick, sondern alle Generationen, die Teil des Sozialraums sind. Hier wird von Seiten der Jugendpflege vernetzt und es werden Synergieeffekte erzeugt.

Kann die Aufgaben nicht auch ein ehrenamtlicher Jugendbeauftragter übernehmen?

Ott: Das Ehrenamt ist der Kitt in der Gemeinwesensarbeit vor Ort. Was hier im Landkreis Neumarkt geleistet wird, ist außergewöhnlich. Wir erleben aber oft, dass Ehrenamt an seine Grenzen kommt und überfordert ist. Zum Beispiel frustrieren überzogene bürokratische Vorgaben sowie das stellenweise sehr fordernde Auftreten von Eltern. Das Ehrenamt ist erfahrungsgemäß im Fall, dass Jugendliche Selbstmordgedanken äußern oder Themen wie Vandalismus, (sexuelle) Gewalt oder Drogen auftauchen, für einen hauptamtlichen Rückhalt durch fachliche Begleitung und Beratung sehr dankbar.

Der Umbau des Dorfstadels in der Gemeinde wird ja auch von einem Architekten geplant, von einem Statiker geprüft und einem Bauleiter mit seinen Handwerkern umgesetzt. Warum holt man sich dann nicht auch die professionelle Unterstützung in Form von studierten Sozialarbeitern, wenn es um das Ehrenamt und soziale Themen in der Gemeinde geht?

Manche Gemeinderäte haben Angst, dass ein Hauptamtlicher den Vereinen die Jugendlichen „wegnehmen“ könnte. Aus Ihren bisherigen Erfahrungen: Sind diese Befürchtungen berechtigt?

Ott: Aus den 13 Gemeinden, die gemeindliche Jugendpfleger in unserer Trägerschaft haben, ist mir kein Fall bekannt. Und was bedeutet „wegnehmen“? Oberstes Ziel ist immer, den „Wohlfühlraum“ in den Gemeinden aufrecht zu erhalten oder noch zu verbessern. Hier liegt ein ganz klarer Fokus auf den Vereinen und Verbänden und deren guten Fortbestand. Hier wird unterstützt und auf Wunsch unter die Arme gegriffen und vor allem oft rechtlich der Rücken freigehalten. Dies wird zunehmend von Vertretern der Vereine dankbar angenommen und sehr begrüßt.

Angebote wie ein Jugendtreff oder ein Jugendbeirat sind ergänzende Angebote für Jugendliche, die sich in keinem Verein sehen. Die gemeindlichen Jugendpfleger machen ja nicht willkürlich das, worauf sie Lust haben. Basis ihrer Arbeit ist in der Regel ein lokaler Kinder- und Jugendplan, in dem die Gedanken, Wünsche und Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen strukturiert gesammelt werden.

Nach der Legitimation durch den Gemeinderat werden – in enger Abstimmung mit den ehrenamtlichen Jugendbeauftragten, entsprechenden ehrenamtlichen Gremien oder dem Bürgermeister – die Aufgaben aus dem lokalen Kinder- und Jugendplan vom Jugendpfleger umgesetzt.