Schüchterne Kinder werden zu engagierten Erwachsenen – Dank Jugendarbeit

Von Nicole Selendt · 6. September 2023 um 12:00

Theresa Schmid ist erst 18 Jahre alt – grade volljährig. Eine Jugendliche, die nach der Coronazeit erst jetzt die Möglichkeit hat, die Zeit zu genießen. Trotzdem bringt die Auszubildende jede Woche Kindern das Schwimmen bei. Warum? Weil soziales Engagement für sie normal ist. Und weil sie es beim Kreisjugendring Neumarkt schon als Kind gelebt hat.

Es ist Schwimmtraining bei der DLRG: Etwas mehr als ein Dutzend Sechs- bis Achtjähriger tummelt sich im Wasser. Und mittendrin: Übungsleiterin Theresa Schmidt. Sie muss die Rasselbande so einfangen, dass alle am Ende was gelernt haben und gleichzeitig Spaß hatten.

Theresa Schmidt und ihre Freundin Tabea Seitz sind der Grund dafür, dass der Kreisjugendring beim alljährlichen Sommercampus – einem Ferienprogramm für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren – sogenannte Teenie-Betreuer einsetzt, wie KJR-Geschäftsführer Markus Ott erklärt. Theresa und Tabea seien viele Jahre als Kinder dabei gewesen – „und wollten sich auch dann noch mit hineinmogeln, als sie schon zu alt waren“, lacht Ott.

Zu alt für den Sommercampus, aber zu jung für die Juleica-Schulung (kurz für: Jugendleiter-Card) seien die Mädchen kurzerhand Teenie-Betreuerinnen geworden. Und schon hatte das große Team von Ehrenamtlichen beim KJR zwei zusätzliche Helferinnen.

„Als Teenie-Betreuer durften wir die andere Seite kennenlernen“, sagt Tabea. „Erst da haben wir gesehen, was an so einem Programm alles dranhängt“, fügt Theresa hinzu. Sie erinnert sich noch genau an den Moment, als sie zum ersten Mal den Kindern ein Spiel erklären und anleiten durfte – ein tolles Erlebnis. Seitdem sind die beiden jedes Jahr als Betreuer beim Sommercampus dabei – „oder eher verhaftet“, wie Markus Ott augenzwinkernd ergänzt.

„Es ist schön, mit Kindern zu arbeiten. Man lernt so viel von ihnen.“ Tabea Seitz

Vor allem die 18-jährige Tabea schwärmt davon, wie bereichernd es ist, mit Kindern zu tun zu haben. Sie wird bald im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes einige Zeit in der Schulvorbereitenden Einrichtung der Lebenshilfe in Höhenberg – einer Art Kindergarten für Kinder mit einer geistigen Behinderung – arbeiten.

Sie kann sich aber auch vorstellen, beruflich diese Richtung einzuschlagen. „Es ist schön, mit Kindern zu arbeiten. Man lernt so viel von ihnen, wenn man einfach mal versucht, sich in sie hineinzuversetzen – die Welt mit ihren Augen zu sehen.“

19-Jährige in den Vorstand des KJR gewählt

Derzeit hilft die 18-Jährige im Jugendtreff in Buchberg mit – für sie zunächst keine Selbstverständlichkeit, wie die eher scheue junge Frau erzählt. Aus sich herauszugehen und auf Menschen zuzugehen, habe sie als ein zurückhaltender Mensch erst lernen müssen. Deshalb sei sie umso stolzer darauf, dass sie diese Aufgabe übernehmen darf.

Luisa Lodes ist genau das Gegenteil: ein Tausendsassa, der Aufgaben schon erledigt hat, während andere noch überlegen. Luisa hat die volle Bandbreite der Jugendarbeit im Landkreis – als Betreute und als Betreuende – durchgemacht: als Teenie in Berngau im Jugendtreff, im Ferienprogramm, auf Israelfahrt. Markus Ott beschreibt die 19-Jährige als „extrem überlegt, zuverlässig, mit unglaublicher Auffassungsgabe“.

Deswegen hat er sie auch im April 2022 für die Vorstandschaft des Kreisjugendrings vorgeschlagen, als kurzfristig ein Posten frei wurde. Sie sagte zu und wurde gewählt. Jetzt studiert sie Kommunikations- und Medienmanagement und kann ihr Know-how aus dem Studium ehrenamtlich beim KJR einbringen. Dennoch: Ein bisschen hält Ott als Geschäftsführer seine schützende Hand über sie: „Sie wird so viel angefragt, weil sie so viel kann – das sollte nicht zu viel werden.“

Ott ist begeistert darüber, wie die Drei sich beim KJR entwickelt haben. Er kann nur staunen, wenn Theresa über ihr Schwimmtraining spricht – und ganz selbstverständlich versucht, das Verhalten ihrer sechsjährigen Schützlinge zu hinterfragen.

Teenager haben sich zu verantwortungsvollen Erwachsenen entwickelt

Oder darüber, wie Tabea, die als kleines Mädchen oft mucksmäuschenstill neben ihm gesessen sei und mit großen Augen den Sommercampus verfolgt habe, nun im Jugendtreff von Buchberg voller Selbstbewusstsein das Heft in der Hand hält. „Wertschätzung und Geduld – auch, wenn man mal die Stimme erhebt – Rücksicht, Einfühlungsvermögen: Das sind doch Fähigkeiten, die sich jeder nur wünscht. Das lernt man in der Jugendarbeit“, ist er überzeugt.

Dafür, dass Luisa, Tabea und Theresa diese Fähigkeiten in ihrem Alter von 18 und 19 Jahren schon mitbringen und sich zusätzlich zu ihrem Alltag in Schule, Ausbildung und Studium leidenschaftlich im Ehrenamt engagieren, empfindet Markus Ott große Hochachtung.

„Für mich war mein Weg außerhalb der Schule prägender als in der Schule“, sagt Luisa Lodes (19). Foto: Selendt
Tabea Seitz hat als Kind an Aktivitäten des KJR teilgenommen. Dann wurde sie Teenie-Betreuerin. Foto: Selendt
Theresa Schmid bringt als Mitglied der Neumarkter Wasserwacht Kindern das Schwimmen bei. Foto: Selendt