Rote Zahlen, aber viele Aufträge: Mühlbauer AG in Roding sieht 2022 als „Jahr der Fundamentlegung“

Von Bastian Schreiner · 4. September 2023 um 05:00

2022 ist die Mühlbauer Holding AG in die roten Zahlen gerutscht. Dennoch hat das Unternehmen bei der Hauptversammlung Mitte August im Tecurity-Center am Hauptsitz in Roding eine Dividende von einem Euro angekündet – nach zuvor sieben Jahren in Folge mit einer Ausschüttung von 1,50 Euro je Aktie.

Indessen blickt Konzernchef Josef Mühlbauer positiv in die Zukunft. Zurück in die Erfolgsspur soll insbesondere das neue Geschäftsfeld eMobility helfen.

Die Ursachen für den leichten Verlust sind vielschichtig. Lieferengpässe, hohe Energiekosten, Inflation, Aufstockung des Personals und sehr teure Forschung haben im vergangenen Jahr zu einem negativen Ergebnis von drei Millionen Euro geführt. Eine Rolle gespielt haben auch Vertragsstrafen, denn durch Schwierigkeiten in der Lieferkette, ausgelöst durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg, wurden Lieferfristen verpasst. Zum Vergleich: Mühlbauer erzielte 2021 noch einen Überschuss von 58,9 Millionen Euro.

Leuchtturm-Projekte geplant

„Zusammenfassend lässt sich das Geschäftsjahr 2022 für die Mühlbauer Gruppe als Jahr der Fundamentlegung für die anstehenden Herausforderungen bezeichnen. So wurden einerseits gruppenweit signifikante Investitionen getätigt, um den stark gestiegenen Auftragseingang abarbeiten zu können. Zum anderen erarbeitet Mühlbauer gerade für die führenden europäischen Keyplayer grundlegende Fertigungslösungen mit Leuchtturm-Charakter für die gesamte Batteriezellen- und Brennstoffzellenindustrie. Damit verbunden sind natürlich Herausforderungen technologischer Art, aber auch in der Lieferkette, die in Teilen immer noch von den Folgen der Corona-Pandemie gezeichnet ist“, heißt es im Geschäftsbericht.

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Vor diesem Hintergrund erzielte der Konzern im Berichtsjahr einen konsolidierten Umsatz von 324,5 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr (343,0 Millionen Euro) reduzierte sich damit das Umsatzvolumen um 18,5 Millionen Euro bzw. 5,4 Prozent. Die Gesamtleistung sei hingegen durch gestiegene Bestandsveränderungen im Jahr 2022 mit 394,7 Millionen Euro um 29,3 Millionen Euro bzw. acht Prozent höher als in 2021 mit 365,4 Millionen Euro. Die Bestandserhöhungen resultieren aus dem stark gestiegenen Auftragsvolumen.

Aufgrund der höheren Durchlaufzeit der bereits erwähnten Leuchtturmprojekte zur Entwicklung von grundlegend neuen Fertigungslösungen in der Batteriezellen- und Brennstoffzellenindustrie auf der einen Seite und eines damit verbundenen stark gestiegenen Forschungs- und Entwicklungsaufwands auf der anderen Seite, reduzierte sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) signifikant und falle mit 8,1 Millionen Euro um 68,6 Millionen Euro bzw. 89,4 Prozent niedriger aus als im Vorjahr (76,7 Millionen Euro). Damit einher ging auch ein Rückgang des Cash-Bestands um 20,1 Millionen Euro.

Nicht außer Acht gelassen werden darf, dass der Konzern im vergangenen Jahr auch rund 37 Millionen Euro (Vorjahr: 46 Millionen Euro) investiert hat und dadurch die Zukunftsfähigkeit sichert. „Der Vorstand ist zusammengefasst mit dem stark reduzierten Ergebnis nicht zufrieden, sieht es jedoch auch als Zukunftsinvestition, um die gigantischen Herausforderungen der Klimakrise und die damit einhergehenden notwendigen technologischen Innovationen stemmen zu können. Indem die Mühlbauer Gruppe Beiträge in der Batteriezellen- und Brennstoffzellenfertigung liefert, möchte sie der europäischen Automobilindustrie zur Unabhängigkeit von der vorauseilenden asiatischen Konkurrenz und zu einer wieder zu erlangenden, technologischen Marktführerschaft verhelfen“, heißt es weiter.

Der Global Player aus Roding hat den Personalstand deutlich erhöht. Die Zahl der durchschnittlich Beschäftigten im vergangenen Jahr stieg um 16,6 Prozent auf 3870. Zum 31. Dezember 2022 beschäftigte der Konzern sogar 4145 Mitarbeiter. Denn bei Mühlbauer gibt es genug zu tun, wie das große Auftragspolster von circa einer Milliarde beweist. Dieses stieg 2022 von 537,6 auf 906,4 Millionen Euro an. Der Auftragseingang lag 2022 mit 695 Millionen Euro deutlich über dem vom Vorjahr (446,6 Millionen Euro).

Gute Aussichten für 2023

Im ersten Halbjahr 2023 rechnet man mit einem Gewinn von 21 Millionen Euro – ein kräftiges Plus im Vergleich zum Zeitraum vor einem Jahr, als gut sechs Millionen zu Buche standen. Josef Mühlbauer, der die Firma 1981 gegründet hat, bewertet die Geschäftsaussichten wieder als gut. „Allerdings bringen die Anstrengungen in der eMobilität signifikante technologische wie organisatorische Herausforderungen mit sich, die das derzeitige Wachstum der Mühlbauer Gruppe begleiten“, teilt der Vorstand mit.

Der Konzern ist mittlerweile an 35 Produktions- und Servicestandorten auf der ganzen Welt tätig und zählt über 4100 Mitarbeiter.