Das Protest-Bett ist wieder weg, der Ärger um die Bank am Luxus-Klo bleibt

Von Daniel Pfeifer, Philip Hell · 1. September 2023 um 15:52

Der Eklat um die entfernte Sitzbank der Toilette am Regensburger Schwanenplatz reißt nicht ab. Die Stadt entfernte inzwischen auch ein Protest-Mahnmal, das Unbekannte aufgestellt hatten. Die Kritik aber bleibt: Nun fordern die Grünen eine Stellungnahme der Oberbürgermeisterin.

Wegen vermeintlicher Probleme mit Obdachlosen und Taubenkot hatten Arbeiter der Stadt kürzlich die Sitzbank an der behindertengerechten Klo-Anlage am Schwanenplatz entfernt. Unbekannte installierten kurz darauf aus Protest an dieser Stelle ein Bett aus Holzpaletten. Am Donnerstag ließ die Stadt auch dieses Bett am Luxus-Klo entfernen. Kritik trifft nun auch Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer.

Hinter allem steht die umstrittene Frage: Sollen obdachlose Menschen den wettergeschützten Unterstand am Schwanenplatz als Rastplatz nutzen dürfen? Die Stadtregierung wollte dies vorerst unterbinden, weil es zu starker Verschmutzung gekommen sei, teilte sie mit. Hinterlassener Müll habe die 900.000 Euro teure Anlage ebenso verschmutzt wie der Kot von Tauben, die von der Bank aus gefüttert worden seien.

Grüne kritisieren Umgang mit Obdachlosen

Die Antwort der Stadt darauf: Die Bank wurde abmontiert und eine alternative Lösung gesucht. Von Bürgern und in sozialen Medien folgte Kritik. Aus Protest stellten Unbekannte ein Bett auf, mit dem Schriftzug „900.000 Euro für Obdachlose statt Yuppieklos!“

Diese Installation ließ die Stadt inzwischen entfernen, doch die Kritik bleibt. Auch seitens der Stadtrats-Fraktion der Grünen. „Wir können das Vorgehen der Stadt nicht nachvollziehen“, schreibt Grünen-Stadträtin Theresa Eberlein in einem Statement. Gemeinsam mit Stadträtin Wiebke Richter fordert sie, die Bank wieder zu installieren.

OB Maltz-Schwarzfischer reagiert auf Kritik

Darüber hinaus schickten die Grünen ein Schreiben an Regensburgs Oberbürgermeisterin. Sie solle das umstrittene Vorgehen erklären. Wie die Rathauschefin auf Nachfrage mitteilt, habe sie das Schreiben erhalten und werde auf alle kritischen Fragen persönlich antworten. Den Vorwurf der Grünen, durch die Entfernung der Bank werde „Architektur gegen und nicht für Menschen“ eingesetzt, halte Maltz-Schwarzfischer jedoch „nicht für gerechtfertigt“. In dem Schreiben fragen die Grünen unter anderem, wie oft die Verschmutzungs-Probleme zu Reinigungen geführt habe, wer die Entfernung veranlasst hat und warum angeblich kein Kontakt zu Obdachlosen-Hilfe gesucht wurde.

Kontakt zu Streetworkern der Caritas

Zu letzterem Kritikpunkt versicherte die Stadt bereits, dass solcher Kontakt geplant sei. Noch sei dies nicht geschehen, teilt Harry Landauer, Sprecher der Caritas, mit. Aber er ist optimistisch: „Die Caritas arbeitet bereits eng mit der Stadt Regensburg zusammen“, sagt er. Sowohl Streetwork als auch die Anlaufstelle „TagNachtHalt“ werde bereits gut genutzt. Letztere Einrichtung sei derzeit „nahezu voll“, so Landauer.

Die Problematik, dass trotz existierender Unterkünfte auch Obdachlose, vor allem solche mit psychischen Problemen, lieber auf öffentlichen Bänken schlafen würden, sei bekannt, aber komplex. Eine einfache Lösung gebe es dafür nicht.

Die Taubenplage ließ sich mit dem Abbau der Bank darüber hinaus nicht kurzfristig beenden. Wie Passanten am Freitagmorgen beobachten konnten, sind die Tiere weiterhin da, auch wenn Bank und Bett inzwischen fort sind.