Protest am Regensburger Schwanenplatz: Stadt will Bett für Obdachlose entfernen

Von Christian Eckl · 31. August 2023 um 14:39

Die Toilette am Schwanenplatz in Regensburg sorgt wieder mal für Debatten, nachdem sie es schon ins Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler geschafft hat. Jetzt haben Bürger ungewöhnlich dagegen protestiert, dass die Stadt eine Bank entfernte, weil Obdachlose darauf eine Bettstatt fanden.

Passanten trauen derzeit ihren Augen nicht: Dort, wo noch bis vor kurzem eine Sitzbank angebracht war, sind nun Paletten gestapelt. Zudem haben Unbekannte eine Schlafgelegenheit angebracht und ihrem Protest auch durch Worten Ausdruck verliehen: „Nicht mal das Mindeste!“ steht auf den Paletten geschrieben. Und weiter: „900.000 für Obdachlose statt Yuppieklos! Der Markt regelt das nicht!“

Toilettenanlage kostete 900.000 Euro

Was ist geschehen? Die Toilettenanlage, die behindertengerecht gebaut wurde, hatte tatsächlich 900.000 Euro gekostet. Der Bund der Steuerzahler nahm die Anlage am Schwanenplatz daraufhin in seinem Schwarzbuch auf, prangerte die hohen Kosten an. Ursprünglich war in dem Unterstand eine lange Bank angebracht.

Seitdem sie dort ist, hatte sich dort eine Obdachlose ihre trockene Unterkunft eingerichtet. Wer gerade nachts dort vorbei kam, sah die Frau mitunter in regem Gespräch mit den Nachtschwärmern von der Diskothek gegenüber.

Stadt Regensburg baute die Bank ab

Doch die Bank ist zwischenzeitlich verschwunden. Die Stadt begründete das so: „Die Sitzbank des Servicegebäudes am Schwanenplatz wurde seit der Inbetriebnahme des Servicegebäudes als Schlafmöglichkeit und Aufenthaltsort von Obdachlosen genutzt.“ Es sei zu einem massiven Müllproblem gekommen. Außerdem seien von der Bank aus auch Tauben gefüttert worden, was zu einer Verschmutzung der „Toilette für alle“ geführt habe.

Auch Installation soll weg

Doch was geschieht nun? Bleibt das Mahnmal, das für die Obdachlosen eingerichtet wurde, am Schwanenplatz? Die Stadt antwortet am Donnerstag kurz und knapp auf eine Anfrage der MZ: „Die unerlaubt im öffentlichen Raum abgestellten Gegenstände werden zeitnah durch die Stadt beseitigt und eingelagert“, sagt eine Sprecherin. Die Protest-Installation wird eingemottet.