Griff verwirrter Brandstifter aus Cham in einer Klinik nach der Polizeiwaffe?

Von André Baumgarten · 30. August 2023 um 15:00

31-Jähriger soll im Haus der Großeltern in Cham ein Feuer gelegt haben. Gutachter attestierten ihm aber Schuldunfähigkeit. Es ist nicht der erste Vorfall: Auch beim SSV Jahn schlug der Mann vor Jahren zu.

Ein 31-Jähriger aus Cham muss sich seit Dienstag wegen schwerer Brandstiftung, Widerstands sowie tätlichen Angriffs gegen Vollstreckungsbeamte vor dem Landgericht in Regensburg verantworten. Der Beschuldigte, der sich seit der Tat Ende Januar im Bezirksklinikum befindet, gilt laut Gerichtsgutachter als schuldunfähig. Die achte Strafkammer muss daher darüber entscheiden, ob der Mann eine Gefahr für die Allgemeinheit ist – ihm droht die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie.

Laut Antragsschrift der Staatsanwaltschaft soll der Beschuldigte in der Nacht zum 25. Januar im Dachgeschoss eines Hauses in Cham Feuer gelegt haben. Dort wohnte der 31-Jährige offenbar bei seinen Großeltern. Laut den Ermittlern soll der Mann einen Hocker angezündet haben. Das Feuer griff danach wohl auf die Einrichtung über, erlosch aber mangels Sauerstoff von selbst. Dennoch entstand bei dem Vorfall ein Sachschaden in Höhe von gut 40.000 Euro.

Vorfall im Bezirksklinikum beschäftigt das Gericht

Offenbar war der 31-Jährige dann vom Tatort geflüchtet und stundenlang umher geirrt, ehe er von der Polizei gefasst wurde. Beamte der PI Cham brachten den 31-Jährigen aufgrund seines Zustands in eine Fachklinik, wo er auf dem Weg zur Station jedoch versuchte, wegzulaufen. Als ein Polizist den Mann an eine Wand drückte, um ihn an einer Flucht zu hindern, soll der wiederum zur Dienstwaffe griffen haben.

Wie gleich zum Prozessauftakt bekannt wurde, war der 31-Jährige aber nicht in der Lage, sein Unrecht einzusehen und danach zu handeln. Ein Gutachter hatte das aufgrund einer psychischen Erkrankung des Mannes im Vorfeld attestiert. Deshalb droht dem Beschuldigten auch keine Verurteilung: Die Verhandlung läuft als Sicherungsverfahren vor der achten Strafkammer unter Vorsitz von Richter Oliver Wagner.

Wie der Regensburger Strafverteidiger Shervin Ameri zu Prozessbeginn erklärte, wolle der 31-Jährige „momentan keine Angaben zur Sache machen“. Verlesen wurde aber ein Brief an den psychiatrischen Sachverständiger Dietmar Wirtz. Darin schrieb der 31-Jährige, sich teilweise zu erinnern, was in jener Nacht passiert sei. Nachdem er Videos angeschaut hatte, habe er laut gesungen und herumgeschrien. Als er im Zimmer Reinigungsspiritus verteilte, habe dieser sich versehentlich an einer Kerze entzündet. Dann sei er geflüchtet.

In Bruchstücken notierte der 31-Jährige in dem Brief auch Erinnerungen an Details, wie mehrere Telefonate. Er sei im Wald herumgeirrt und „immer weiter gelaufen in Richtung Tschechien“. Bis ihn wohl ein Postbote mitnahm und am Bahnhof absetzte, von wo er im Zug nach Furth im Wald gefahren sei. Aber: An einen Griff zur Waffe könne er sich offenbar nicht erinnern.

Vor Jahren in Toilettenanlage beim SSV Jahn gezündelt?

Am Rande wurde zudem bekannt, dass es nicht die erste Tat dieser Art war: Vor Jahren soll der 31-Jährige in einer Toilette beim SSV Jahn Regensburg schon einmal Feuer gelegt haben. Dieser Vorfall spielt im aktuellen Verfahren jedoch keine Rolle.

Für eine Entscheidung, ob der gebürtige Rodinger in die Psychiatrie muss, hat das Regensburger Landgericht sechs weitere Verhandlungstage angesetzt. Spätestens Ende Oktober soll das Verfahren enden.