Mehrere Grundstücke in der Prüfung: Zukunft der Schwandorfer Feuerwache weiter offen

Von Johannes Hartl · 28. August 2023 um 05:00

Soll die Schwandorfer Feuerwache auf der grünen Wiese neu gebaut werden? Oder soll das alte Gebäude an der Ettmannsdorfer Straße saniert werden? Das ist noch immer ungeklärt. Zuletzt war vor allem ein möglicher Standort an der Schwimmbadstraße im Gespräch. Doch mittlerweile liegen auch noch einige andere Vorschläge auf dem Tisch.

Die Grundlage für die Debatte ist der Feuerwehrbedarfsplan, der dem Stadtrat seit Februar 2021 vorliegt. Die Gutachter kamen darin zu dem Ergebnis, dass im Stadtosten die Zehn-Minuten-Hilfsfrist nicht immer eingehalten werden kann. Deshalb empfahlen sie, die Feuerwache künftig näher dorthin zu verlegen. Als möglicher Standort wurde ein Grundstück an der Schwimmbadstraße diskutiert, irgendwo zwischen dem Ämterzentrum und dem Schwimmbad. Dafür gab es auch bereits eine Machbarkeitsstudie.

Doch die Feuerwehr hatte früh Bedenken angemeldet, wenn es um einen Standort im Osten geht. Die Sorge: Wegen der weiteren Wege könnten Aktive wegfallen, die Zeit bis zum Ausrücken könnte sich zudem verlängern. Wie sich abzeichnete, tendierte die Wehr daher eher zu einer Sanierung der aktuellen Feuerwache an der Ettmannsdorfer Straße. Das war der Diskussionsstand vom vergangenen Sommer.

Seitdem ist weiter über das Thema beraten worden – mit interessanten Entwicklungen. Laut Stadt-Sprecherin Maria Schuierer gab es im vergangenen Oktober ein Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat sowie mit der Feuerwehr. Dabei habe die Verwaltung ein neues Grundstück entlang der Hoher-Bogen-Straße vorgeschlagen. „Die Fraktionsvorsitzenden und die Vertreter der Feuerwehr waren mit dem neuen Grundstück als möglicher Standort einverstanden“, teilt sie auf Anfrage mit.

Sechs eigene Ideen von der Schwandorfer Feuerwehr

Die Eigentümer des Grundstücks wären demnach auch bereit, die Fläche an die Stadt zu verpachten, wie sie im März mitgeteilt hätten. Daraufhin habe die Verwaltung eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben lassen, die seit Ende Juni vorliegt. Zu welchem Ergebnis diese Untersuchung kam, will die Stadt noch nicht mitteilen. „Das Ergebnis ist vor der Veröffentlichung erst im Stadtrat vorzustellen“, sagt Schuierer.

Aber nicht nur das: Auch die Feuerwehr sei gebeten worden, zusätzlich „eigene alternative Grundstücksvorschläge einzubringen“, sagt Schuierer. Dabei seien im Juli sechs mögliche Standorte zur Prüfung vorgelegt worden. „Die eingegangen Vorschläge werden derzeit geprüft und die Standorte sondiert.“

Klaus Brunner ist Stadtbrandinspektor, also der oberste Feuerwehrler in Schwandorf. Er war bei den Gesprächen dabei und hat die Vorschläge der Feuerwehr miterarbeitet. Wo die sechs alternativen Standorte liegen, will Brunner vorerst noch nicht verraten – auch vor dem Hintergrund, dass das Ganze bislang nur im kleinen Kreis diskutiert worden sei.

Aber allen ist klar, dass langsam eine Entscheidung her muss. Tatsächlich ist die Feuerwache in die Jahre gekommen, die Mängelliste ist lang. So gibt es keine getrennten Umkleiden für Frauen und Männer und keine Schwarz-Weiß-Trennung zwischen sauberer und verschmutzer (Einsatz)-kleidung. Auch der energetische Zustand des Gebäudes ist desolat. Zudem sind die Fahrzeughallen teilweise zu klein, sodass zwei externe Hallen nötig waren.

Brunner weist aber darauf hin, dass aus Sicht der Feuerwehr die Ettmannsdorfer Straße weiter ein guter Standort wäre – zumal die Aktiven rundherum wohnen und so schnell ausrücken könnten. Deswegen sei er der Überzeugung, dass die Ettmannsdorfer Straße der richtige Standort sei.

Droht beim Umzug ein Aderlass bei der Feuerwehr?

Bei einem Umzug in den Stadtosten befürchtet Brunner einen Aderlass. Etwa 14 Aktive hätten ihm gesagt, dass sie in dem Fall aufhören würden, weil der Weg zu weit wäre. Weitere zehn bis 15 hätten mit wesentlich längeren Anfahrtszeiten zu kämpfen. Insgesamt hat die Feuerwehr 72 Aktive. Wenn plötzlich 14 Aktive wegfallen, wäre das „nicht zu verschmerzen“, sagt Brunner. Denn der wesentliche Faktor sei, dass Einsatzkräfte da sein müssten, die die Gerätschaften bedienen.

Bis wann entschieden wird, wie es mit der Feuerwache weitergeht, ist noch unklar. Diese Aufgabe liegt am Ende beim Schwandorfer Stadtrat. Doch einen Termin, wann das Thema auf der Tagesordnung steht, gibt es laut Stadtsprecherin Maria Schuierer bisher nicht. Wie Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) kürzlich im Sommerinterview mit der Mittelbayerischen sagte, solle aber noch heuer ein „grundsätzlicher Beschluss“ gefasst werden – „wohlwissend, dass wir morgen nicht bauen werden“.

Auch die Kosten sind bisher nicht abzusehen. Eine Machbarkeitsstudie hatte zwar im März 2022 eine grobe Schätzung vorgenommen, wonach ein Neubau mit circa 17 Millionen Euro und eine Sanierung im Bestand mit circa 19,5 Millionen Euro zu Buche schlagen würden. Dabei handelte es sich aber nur um eine Kostenannahme, also um keine genaue Schätzung oder Berechnung. Zudem lagen diesen Zahlen noch die Baupreise von 2022 zugrunde.

Für die Schwandorfer Feuerwehr ist vorläufig also weiter Geduld gefragt. Klaus Brunner hat als Stadtbrandinspektor jedenfalls eine große Hoffnung für die Debatte: „Der Wunsch ist, das zum Wohle der Allgemeinheit und ganz wertneutral entschieden wird“, sagt er.

Gemeinsame Feuerwache für Ettmannsdorf und Dachelhofen

Hintergrund: Die Feuerwehren Ettmannsdorf und Dachelhofen sollen zusammengelegt werden. Das hatte der Bedarfsplan empfohlen, weil beide Wehren „jeweils alte Gerätehäuser und alte Fahrzeuge“ hätten. Deshalb bestehe laut Stadt „Handlungsbedarf“. Standort soll die St.-Vitalis-Straße sein. Es solle so „eine starke Wehr“, bestehend aus zwei eigenständigen Feuerwehren, gebildet werden.

Pläne: Beide Feuerwehren haben dem gemeinsamen Standort zugestimmt. Auch der Stadtrat hat für das Vorhaben votiert. Insgesamt soll die gemeinsame Feuerwache vier Stellplätze bekommen. Derzeit wird laut Stadt der Bebauungsplan mit dem Flächennutzungsplan angepasst. Mit anderen Worten: Der geplante Neubau der gemeinsamen Wache steckt mitten in den ersten Vorbereitungen.

Bau: Bis wann die gemeinsame Wache fertig ist und bezogen werden kann, ist bisher noch offen. Die Stadt geht „nach derzeitiger positiver Schätzung“ davon aus, dass für das neue Gebäude voraussichtlich bis Ende 2024 Baurecht geschaffen werden kann. Für Objekte in dieser Größenordnung und dem Bauvolumen werde die Bauzeit auf circa zwei Jahre geschätzt, teilt die Stadt auf Anfrage mit.