Die Feuerwehr Willhof im Landkreis Schwandorf hat ein ganz besonderes Einsatzfahrzeug

Von Renate Ahrens · 19. Juli 2023 um 05:00

Bei Einsätzen ist die kleine Feuerwehr in Willhof (Gemeinde Altendorf, Landkreis Schwandorf) so schnell wie der Blitz. Und dabei verfügt man lediglich über einen Anhänger, der im Ernstfall von einem Bulldog gezogen wird.

Etwa so viele Feuerwehrleute wie Einwohner, nämlich 96, hat das kleine Dorf Willhof bei Altendorf. Praktisch von Geburt an, sagt Vorsitzender Michael Haimerl (28) augenzwinkernd, sei hier jeder Feuerwehrmann oder -frau. Vielleicht liegt es daran, dass die Einsätze immer ziemlich flott ablaufen.

Den Beweis für ihre Schnelligkeit lieferte die Wehr erst kürzlich bei einem großen Flächenbrand in der Nähe ihres Dorfs. Aber wie kann das funktionieren, so ganz ohne Feuerwehrauto? Praktisch gehe das so, erklärt Haimerl: Sobald ein Alarm ertöne, eilten die Aktiven in das kleine Gerätehaus und zögen die Schutzanzüge an. Da 2. Vorsitzender Thomas Spießl (30) direkt neben dem kleinen Feuerwehrhaus wohne, sei meist er der erste.

Mit 25 Stundenkilometern zum Brandherd

Währenddessen hat bereits ein Feuerwehrler geschaut, wo der nächste Bulldog steht. „Eigentlich hat in Willhof fast jedes Haus einen Bulldog. Das ist das Gute am Dorf“, fügt Haimerl hinzu. Den Anhänger zieht man also mit vereinten Kräften zum Bulldog, hängt ihn an, und los geht es – zwar lediglich mit 25 Stundenkilometern, aber bisher hat es gereicht, denn das Dorf ist sehr klein. Da nur zwei Personen auf dem Traktor Platz haben, fahren die weiteren Feuerwehrleute mit ihren Privatfahrzeugen zur Einsatzstelle.

Das funktioniere einwandfrei und wie am Schnürchen, erklären Haimerl und Spießl. Auch Übungen würden regelmäßig mit Anhänger und Bulldog abgehalten. Schließlich sei darin alles Wichtige enthalten: Pumpe, C- und B-Schläuche, A-Saugschläuche, Lampen, Äxte, Strahlrohre und einiges mehr. Themen bei regelmäßigen Schulungen und Übungen seien zudem Erste Hilfe, Digitalfunk oder „Auffrischung Kettensäge“. Immer dabei der Anhänger – die es in dieser Art bereits sehr lange gibt, weiß Haimerl. Vermutlich sei der Willhofer Anhänger älter als er selbst, sagt der 28-Jährige. Es ist bereits der zweite im Dorf in dieser Bauweise.

Hänger haben eine lange Tradition

Tatsächlich bilden aus historischer Sicht Anhänger wie diese den Ursprung des Transports der Feuerwehreinsatzgeräte zur Einsatzstelle – nach den handgeschobenen Feuerwehrgeräteträgern. Noch früher zogen Pferde die Anhänger.

Immer mehr Feuerwehren, weiß Haimerl, trennen sich von ihren Anhängern. Moderne Fahrzeuge würden stattdessen angeschafft oder Feuerwehranhänger als Geräteträger für Zusatz- oder Sonderausrüstung der Feuerwehr genutzt. Nicht so die Willhofer: „Der bleibt, und der reicht“, bekräftigen beide Vorsitzende.

Vor etwa fünf Jahren, erinnern sie sich, brannte in ihrem Dorf ein Wohnhaus. Und wer war zuerst am Unglücksort? die Feuerwehr Willhof. „Das lag aber auch daran, dass wir gerade beim Abbau vom Kirwafest waren und alle da waren“, sagt Schießl, der den Beruf des Schaltmeisters ausübt, bescheiden – und doch stolz auf seine schnelle Wehr.

Etwa zwei oder drei Einsätze im Jahr

Und so steht ein neues, großes Fahrzeug eigentlich gar nicht auf der Wunschliste. Das habe viele Gründe: Zum einen passt in das Feuerwehrhaus, ein ehemaliges und umgebautes Gefrierhaus, nur der Anhänger. Also müsste man beim Kauf eines Fahrzeugs auch ein neues Haus bauen. Das würde alles zu teuer werden: „Sobald ein Fahrzeug feuerwehrrot lackiert wird, ist es nicht mehr günstig“, weiß Haimerl. Ihr Feuerwehrhaus reiche aus, findet er, es verfüge sogar über einen Aufenthaltsraum. Und der Anhänger habe sich ohnehin über Jahrzehnte bewährt.

Etwa zwei oder drei Einsätze im Jahr hat die Freiwillige Feuerwehr Willhof. Und dabei sind alle mit Feuereifer bei der Sache, betont Haimerl, der seit Januar dieses Jahres Vorsitzender ist. Meist beschränkten sich die Einsätze auf Verkehrssicherungen, Ölspurbeseitigung oder umgestürzte Bäume.

Großer Anteil am Dorfleben

Auch eine Jugendfeuerwehr gibt es natürlich in Willhof. Nicht nur bei Übungen oder Einsätzen sind die Kameraden aktiv. Kirchliche und weltliche Feiern und Anlässe wie die Jakobi-Kirwa und das Gemeindepokalschießen oder eigene Veranstaltungen wie das Floriansfest zusammen mit der Feuerwehr Schwarzach oder das Johannifeuer sind Höhepunkte für das ganze Dorf, und alle feiern mit. Für den Vorplatz am Feuerwehrhaus hat man gemeinsam drei neue Bänke errichtet. Längst sind die Kameraden eine eingeschworene Gemeinschaft. Und die Willhofer Bürger können sich mit ihrer engagierten Feuerwehr besonders sicher fühlen.

Zweiter Vorsitzender Thomas Spießl ist wie seine Kameraden Feuerwehrmann mit Leib und Seele. Foto: Martin Kellermeier