Der „Buchsbaum-Werner“ aus Heselbach gibt Einblicke in seine grüne Oase

Von Petra Beer-Dausch · 27. August 2023 um 05:00

Eine große grüne Wiese und vier Apfelbäume – so schaute der Garten der Renners 1988 aus, als sie von Regenstauf nach Heselbach zogen. Wer heute die grüne Oase betritt, kann sich das kaum mehr vorstellen. Werner Renner (71) hat sich in 35 Jahren ein kleines Paradies geschaffen, in dem es so viel zu entdecken gibt.

Unzählige Figuren aus Granit oder Rost, vier Teiche, eine Mariengrotte, rund 70 in Form geschnittene Buchs und Koniferen, ein Grillplatz, eine Holzhütte mit verschiedensten Deko-Artikeln, eine Pagode – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Beim ersten Besuch in dem Garten gegenüber vom Kinderhaus Villa Kunterbunt und der Kirche lassen sich gar nicht alle Details erfassen. Auch die vier Apfelbäume stehen noch.

„Do bin i dahoam“ steht auf einem Schild gleich am Eingang. Werner Renner geht sogar noch einen Schritt weiter: „Das ist mein Leben“, sagt er über seinen Garten. Gleich hinter dem Schild steht die Konifere, die der 71-Jährige als erste in Form geschnitten hat – und dabei seine Freude daran entdeckt hat. Mittlerweile sind rund 70 Formschnitte im Garten zu entdecken.

Früher hat Werner Renner alle Pflanzen von Hand gestutzt und geformt und eine Woche dafür gebraucht. Mit der elektrischen Schere reicht jetzt ein Tag im Juli. Das sei der beste Zeitpunkt, erklärt er. Die drei Fichten, die zusammen ein Herz bilden, schneidet der 71-Jährige allerdings schon im Frühjahr, bevor sie austreiben.

Ein Faible für schöne und alte Dinge

Drei bis vier Stunden werkelt der Heselbacher, der bis vor acht Jahren als Metzger gearbeitet hat, meistens täglich in seinem Garten, verbringt aber oft viel mehr Zeit dort. Tochter Sabine, die mit im Haus wohnt, unterstützt ihn, früher auch seine Frau Elisabeth, die allerdings im Frühjahr 2023 verstorben ist. Holz, Stein, Metall – Renner arbeitet mit den unterschiedlichsten Materialien. Dabei hält er immer und überall die Augen offen nach neuen Schmuckstücken oder Stücken mit kleinem Makel, die er günstig bekommt und instandsetzen kann.

Ein altes Sägeblatt wird so gold gestrichen zur Uhr. Um eine Christusfigur vom Steinmetz wurde ein Kreuz aus Stein gebaut. Aus Wurzelstöcken werden Deko-Objekte. Werner Renner hat ein Faible für schöne, alte Dinge und kann nicht verstehen, dass so vieles einfach achtlos weggeworfen wird.

Das gilt auch für Pflanzen. Wenn er im Grüngutabfall am Bauhof Buchsbäume entdeckt, dann nimmt er sie mit nach Hause, pflanzt sie in seine Ecke für „Problemkinder“ und gibt ihnen eine zweite Chance. Das hat dem Heselbacher den Spitznamen „Buchsbaum-Werner“ eingebracht.

Das nächste Projekt im Garten steht schon an

Sein Wissen und seine Fähigkeiten hat sich der 71-Jährige im Laufe der Jahre selbst angeeignet und dabei auch aus Fehlern gelernt. Es soll „harmonisieren“ in seinem Garten, weshalb es im Bereich unter dem Haus auf etwa 800 Quadratmetern vor allem grüne Pflanzen gibt, eine wahre Blütenpracht ist dagegen beim Eingang zu finden. Insgesamt ist das Grundstück 1600 Quadratmeter groß.

Für die meisten Heselbacher ist die grüne Oase bei der Kirche schon zur Selbstverständlichkeit geworden, von Auswärtigen gibt es aber immer wieder Lob und Bewunderung, was den passionierten Gartler natürlich freut. Ebenso das Interesse der Kleinen von der Villa Kunterbunt, die gerne einen Blick über den Zaun werfen.

Die Ideen und damit auch die Arbeit gehen Werner Renner auf jeden Fall nicht aus. Für ein neues Projekt ist immer noch ein Plätzchen frei. Zum Beispiel im untersten Bereich des Grundstücks, wo ein kleiner Heidegarten entstehen soll. „Lassen wir uns überraschen, was noch alles kommt.“

Wer öffnet für die MZ und ihre Leser die Tür zur grünen Oase?

Leidenschaft: 29 Prozent der Deutschen zählen laut einer Statista-Umfrage Gärtnern zur ihren Hobbys. Von der Tomatenpflanze im Topf auf dem Balkon bis hin zur parkähnlichen Anlage – die Bandbreite der grünen Oasen ist riesengroß. Ob Gemüse- oder Ziergarten, mit Blühpflanzen oder ohne – jeder kann sich dort verwirklichen.

Serie: Die MZ erzählt immer wieder Geschichten über Menschen und ihre Gärten im Landkreis Schwandorf. Nun hat uns Werner Renner aus Heselbach sein Paradies gezeigt. Haben Sie Tipps, welche Gärten wir besuchen sollen? Wollen Sie uns Ihren Garten zeigen? Dann schreiben Sie uns eine Mail an: schwandorf@mittelbayerische.de.

„Der hat sein müssen“: Das gilt sowohl für den Samurai wie den Teich im Vordergrund. Foto: Petra Beer-Dausch
Alle zwei Jahre etwa müssen die Figuren gestrichen werden. Foto: Petra Beer-Dausch
„Do bin i dahoam“ steht auf einem Schild gleich am Eingang. Foto: Petra Beer-Dausch
Viele Deko-Elemente mit asiatischem Einschlag sind zu entdecken. Foto: Petra Beer-Dausch
Über einen der vier Teiche im Areal führt diese Holzbrücke. Foto: Petra Beer-Dausch
Auch diese drei Gesellen sind selbst gebaut, der Schlitten kommt aus dem Zillertal. Foto: Petra Beer-Dausch
Viele christliche Motive sind zu finden. Foto: Petra Beer-Dausch
Vier alte Apfelbäume standen schon 1988 im Garten. Foto: Petra Beer-Dausch