Malerei im Gewächshaus lockt Kunst-Fans nach Schwandorf

Von Verena Müller · 2. August 2023 um 15:20

Eine besondere Ausstellung ist zurzeit auf dem Grüngelände Bösl in Schwandorf-Richt zu sehen. Die frühere Leiterin des Tourismusbüros präsentiert hier ihre Kunstwerke.

Sonnenstrahlen fallen durch das Glasdach und lassen die Farben der Kunstwerke leuchten, die zwischen Rosen und Dipladenien drapiert sind. Das strahlende Grün lässt Gemälde und Pflanzen verschmelzen. Grün trägt heute auch die Künstlerin, die diese besondere Galerie eingerichtet hat.

Irene Duscher, vielen bekannt als langjährige Leiterin des Tourismusbüros und stellvertretende Leiterin des Kulturamtes der Stadt Schwandorf, präsentierte am Sonntag ihr vielfältiges künstlerisches Schaffen auf dem Grüngelände Bösl in Richt. Bei einem Glas Wein und Knabbereien bewunderten rund 100 Besucher die Ausstellung im Grünen, die musikalisch durch das Saxofonquartett Goldlack untermalt wurde.

„Kunst und Garten liegen ja nicht so weit auseinander“, sagt Martina Bösl, die den Familienbetrieb vorstellt, der auf über 60 Jahre Erfahrung im Garten- und Landschaftsbau zurückblickt. So steht auf dem Grüngelände, heute unter der Leitung von Inhaber Thomas Heiduk nicht nur der Pflanzenverkauf im Vordergrund. Es gibt auch einen Schau- und Ideengarten, der den Namen Ars Vivendi, also „Kunst zu leben“ trägt. Außerdem beherbergt die Gärtnerei und Baumschule seit 2019 das Atelier von Irene Duscher.

Vor sieben Jahren etwas Neues ausprobiert

Doch wie kommt eine frühere Verwaltungsangestellte aus dem Rathaus eigentlich zur Kunst? „Ich bin ja noch eine ganz junge Künstlerin“, erklärt die 73-Jährige. Denn erst seit sieben Jahren beschäftige sie sich mit der Malerei. Als sie 2015 in den Ruhestand ging, wollte Duscher etwas ganz Neues ausprobieren, „etwas, das ich gar nicht kann“.

In ihrem ersten Vhs-Kurs für Aquarellmalerei bei Künstler Michael Hottner traf sie dann auf zahlreiche schon erfahrene und begabte Maler, sodass sie nach eigenen Worten „am liebsten wieder rückwärts hinausgegangen“ wäre. Aber Duscher blieb und eignete sich in diesem und weiteren Kursen sowie autodidaktisch das nötige Wissen und Können an. Sie experimentierte mit verschiedenen Materialien und Techniken und entdeckte ihre Vorliebe für die Acrylmalerei, später auch für das Arbeiten mit Epoxidharz.

Doch schnell ergab sich eine Hürde: „Eine Wohnung ist halt kein Arbeitsplatz für einen Künstler.“ Auch im Oberpfälzer Künstlerhaus und beim „Malen im Park“ fühlte sich Duscher noch nicht angekommen. „Ich arbeite lieber im Stillen, wo mir nicht ständig jemand über die Schulter schaut“, sagt die Künstlerin.

Ruhe und Inspiration im Grünen

Die gewünschte Ruhe und eine inspirierende Umgebung dazu fand sie schließlich in ihrem Atelier auf dem Grüngelände Bösl. Dorthin kommt Irene Duscher nun, wann immer sie die Lust dazu verspürt. „Ich male, wenn es mir gut geht“, sagt sie. Sie müsse in einer positiven Verfassung sein, um Farben und Gedanken freien Lauf lassen zu können. So entstünden Farbexplosionen und die überwiegend abstrakten Werke. Manchmal malt Duscher auch gegenständlich, beispielsweise südländische Motive und Landschaften. Diese fließen dann aus dem Kopf „und vielleicht auch aus dem Herzen“ der 73-Jährigen, die für ihre „Italienfreunde“ ein bis zwei Reisen im Jahr organisiert, direkt in den Pinsel und auf die Leinwand. Negative Emotionen in ihren Bildern zu verarbeiten, gelingt Duscher nicht. Deshalb habe sie auch während der Corona-Zeit wenig gemalt. Manchmal denke sie: „Ich hab keinen Drive!“ „Hab dich nicht so!“, würden ihre Malerfreundinnen dann erwidern.

Warum die Bilder keinen Namen tragen

Doch Irene Duscher muss eben selbst den Willen verspüren, zu malen, damit eine Komposition entsteht. Damit ihre Bilder auch im Betrachter weiterwachsen, gibt sie ihnen keinen Namen. Ein Titel würde die Rezeption einengen, jeder sehe aber etwas anderes in einem Werk, sagt sie. Deshalb verzichtet die Künstlerin auch darauf, den Besuchern der Ausstellung ihre Bilder zu erklären. Trotzdem erfährt man im Gespräch viel über ihre Motivation und den engen emotionalen Bezug zu den Kunstwerken. Ihr liebstes und deshalb unverkäufliches Bild zeigt zarte Blumen, die starke Formen gleichsam im Boden verankern. „Wenn man nicht verwurzelt ist, wirft einen manches aus der Bahn“, beschreibt die 73-Jährige.

Neben der Kunst ist es auch das soziale Engagement, das Irene Duscher Halt gibt. Sie arbeitet nicht nur einige Stunden in der Woche in der Asylstelle der Stadt, sondern hat im vergangenen Jahr auch ein Projekt initiiert, das geflüchteten Kindern die Oberpfälzer Kultur näher bringen sollte. Gemeinsam mit Michael Pöllmann, dem Leiter des Marionetten Theaters Schwandorf, ermöglichte sie Kindern aus zwei Unterkünften einen Besuch im Marionettentheater mit entsprechender Vorbereitung. Um dies wiederholen zu können, bat die Künstlerin im Rahmen der Ausstellungseröffnung „Kunst im Grünen“ um Spenden.

Ausstellung ist bis in den Herbst geöffnet

Als Schwandorfer Gewächs ist Irene Duscher also tief in der Region und im Austausch mit ihren Menschen verwurzelt. Auch in Zukunft soll ihr kreatives Schaffen kunstvolle Blüten treiben. Die Ausstellung in der Galerie im Gewächshaus wird jedenfalls bis in den Herbst zu sehen sein, sodass Kunst- und Pflanzenliebhaber gleichermaßen bei einem Besuch auf dem Grüngelände Bösl auf ihre Kosten kommen.

Farbtupfer machen das Ausstellungsgelände bunt. Foto: Verena Müller